Tomasz Stankos Spielräume im Stadthaus

Er ist einer der großen Jazz-Trompeter unserer Zeit. Mit seinem New York Quartet begeisterte der Ausnahmemusiker Tomasz Stanko im Stadthaus.

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Pendelt zwischen Polen und New York: Und jetzt begeisterte Tomasz Stanko im Stadthaus.  Foto: 

40 Jahre Verein für moderne Musik wollen gefeiert sein - mit großen Namen. Und wie der Verein in der Vergangenheit immer ganz nah dran war am aktuellen Jazz, prägte auch der inzwischen 73-jährige Startrompeter Tomasz Stanko über Jahrzehnte hinweg das Genre. Guter Besuch war im Stadthaus also garantiert, zumal sich der zwischen Warschau und New York pendelnde und so experimentierfreudige Musiker mit seinem aktuellen Quartett der akustischen Variante verschrieben hat. Sein 2013 bei ECM erschienenes und gefeiertes Album "Wislawa", das der polnischen Lyrikerin und Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska gewidmet ist, war der ideale Nährboden für diesen Abend in Ulm.

Alle Erwartungen wurden erfüllt, denn die 160 Besucher bekamen einen fein ausbalancierten Mix aus geradezu klassischem Jazz mit ordentlich viel Drive und satten, komplexen Strukturen zu hören, aber auch tiefgründige Balladen, die zur eigentlichen Sensation des Abends werden sollten. Natürlich zünden Trommelsoli von Könnern, wie es Gerald Cleaver einer ist, immer, und das hochfrequente, geradezu hyperventilative Spiel des Trompeters ist eine Wucht. Parallelen zu Miles Davis werden nicht ohne Grund gezogen. Auch die kompositorischen Taktstrecken zwischen den Soli waren weit mehr als nur notierte Klammern für Egotrips.

Dazu ruht die Band viel zu sehr in sich selbst, genießt auch an ganz normalen Arbeitstagen, und das Konzert in Ulm war ohne Frage ein solcher, diese Grundlage aus Könnertum und entspanntem Tun. Grandios, wie der Pianist David Virelles mit bisweilen impressionistischer Verve an den Tasten agiert, und der Kontrabassist Reuben Rogers den dicken Saiten wunderbarste Melodik entlockt. Gerald Cleaver ist zudem einer, der die Becken und Felle geradezu streicheln kann.

Und Stanko kann mit durchsichtigem Ton die Stille zelebrieren, die Melancholie erblühen lassen. Welch grandiose Aufenthalts- und Spielräume entstehen hier. Im Nichts oder gerade noch Hörbaren liegt die Magie. Ein besonderes Konzentrat der Stille und des Jazz.

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