Tod auf dem Mittelmeer

Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autorinnen. In der SWR-Reihe "Die Autorin im Gespräch" plauderte Ingrid Noll über ihren neuen Roman "Über Bord", ihr Leben und das Schreiben an sich.

|
Sie begann erst mit 55 Jahren zu schreiben, und Schreibblockaden kennt sie nicht: Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin Ingrid Noll im Garten ihres Hauses in Weinheim an der Bergstraße. Foto: dpa

Erst mit 55 Jahren begann Ingrid Noll ihre literarische Karriere. Seitdem hat die mittlerweile 77-Jährige elf Romane veröffentlicht - alle wurden Besteller. Ihr neuestes Werk heißt "Über Bord". Auch darin geht es, wie in all ihren Büchern, um eine ganz normale Frau, die zur Erfüllung ihrer Wünsche und Träume mit großer Selbstverständlichkeit über Leichen geht. Die, die ihr im Weg stehen, werden mit viel Charme und Pragmatismus um die Ecke gebracht. Erzählt wird im heiteren Plauderton, kräftig gewürzt mit skurrilem schwarzen Humor.

Dass Ingrid Noll auch außerhalb ihrer Romanwelten eine sehr humorvolle Person ist, zeigt sich gleich zu Beginn des von Dagmar Engels (vh Ulm) und Wolfgang Niess (SWR) geführten Gesprächs in der Buchhandlung Hugendubel, als Noll auf die Frage, ob sie denn keine Männer möge, schlagfertig antwortet: "Doch, sicher, ich habe ja selbst einen."

Es stimmt, das männliche Geschlecht kommt in ihren Büchern nie gut weg. Männliche Protagonisten enden entweder als Leiche oder entpuppen sich am Schluss als Lügner und Betrüger. "Ich kann mich besser in Frauen eindenken", erklärt Noll. "Schon oft war ich der Kummerkasten für Freundinnen, da kriegt man einfach viel mehr mit."

Die genaue Beobachterin des Alltags und ihres Umfelds nutzt gerne persönliche Erlebnisse zur Ausgestaltung ihrer Bücher. Auch in ihrem aktuellen Roman verarbeitet sie Erfahrungen, die sie aus ihrem Bekanntenkreis kennt, das Thema Kuckuckskinder zum Beispiel. Der Handlungsort, ein Kreuzfahrtschiff, bei dem so einiges im Laufe des Geschehens über Bord geht, ist ihr ebenfalls nicht fremd. "Ich habe schon häufiger Lesungen auf Kreuzfahrten gehalten", erzählt sie und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Eigentlich geht es dort sehr gesittet zu."

Ihre Figuren schmückt Ingrid Noll stets mit liebevollen kleinen Details aus. Überhaupt geht es ihr in erster Linie darum, "Menschengeschichten" zu erzählen. "Mich interessieren die persönlichen Verstrickungen, in denen meine Figuren stecken. Das, was alles passiert, bevor es zu einem Verbrechen kommt." Deshalb lässt sie ihre Opfer auch immer auf eine "möglichst schmerzfreie" Art und Weise sterben. Auf einen guten Ausgang des Geschehens kann der Leser trotzdem nie hoffen. "Bei mir gibts kein Happy End," betont Noll. "Meine Mörderinnen werden zwar nie erwischt und kommen nicht ins Gefängnis, sie tragen jedoch immer persönliche Beschädigungen aus ihren Taten davon."

Ihr erster Roman sei ein Experiment gewesen, erzählt sie. "Ich dachte, ich mach es einfach." Das Manuskript schickte sie aus Spargründen erstmal nur an einen Verlag - der nahm es sofort an. Und warum gleich ein Krimi? "Mit 55 war ich zu alt für Liebesgeschichten", erklärt die Autorin. "Ich hatte genug Böses gehört. Im Schreiben werde ich das alles los."

Schreibblockaden kennt sie, die seit über 20 Jahren regelmäßig dieBestsellerlisten füllt, nicht. "Wenns nicht weitergeht, empfehle ich, erstmal die Steuererklärung zu machen oder den Backofen zu putzen. Danach läuft es wieder."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern gelingt der siebte Streich

Das Ratiopharm-Team setzt sich zuhause mit 72:69 gegen Würzburg und setzt seine Erfolgsserie fort. Das Duell zweier ehemaligen Ulmer Teamkollegen gerät zur eindeutigen Sache. weiter lesen