Tierschutz: Richtiger Umgang mit Igeln

Tierschutz So niedlich sie auch sind, Igel sind Wildtiere. Und trotzdem sind sie manchmal auf unsere Hilfe angewiesen, sagt Sandy Öchsler, Tierschutzbeauftragte des Tierheims Ulm.

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Sandy Öchsler mit Ihrem Schützling Romeo.  Foto: 

Bunt gefärbte Blätter, Kinder die Kastanien sammeln – all das gehört zum Herbst. Gerade in dieser Zeit, in der Igel-Jungtiere Nahrung für den Winterschlaf suchen, stoßen immer wieder Menschen auf Igel, die so hungrig sind, dass sie auch tagsüber Futter suchen. Warum und vor allem wie man dann handeln sollte und wie der richtige Umgang mit Igeln ist, darüber spricht Sandy Öchsler (58) im Interview. Sie engagiert sich seit sieben Jahren als Ehrenamtliche für das Tierheim Ulm und betreut die Tierheim-Außenstelle Burlafingen, wo sie sich überwiegend um Katzen und im Herbst/Winter auch um hilfsbedürftige Igel kümmert.

Sie kümmern sich gerade um drei Igel. Wie erkennt man, wenn Igel unsere Hilfe brauchen?
Sandy Öchsler:
Wenn man sie am Tag im Sonnenlicht sieht, dann sind sie entweder verletzt oder sie haben nachts nichts zu Fressen gefunden. Igel sind nachtaktiv und ihr Futter finden sie nur in der Dunkelheit. Ein Igel, der am helllichten Tag unterwegs ist oder den man im Sonnenlicht am Straßenrand oder in der Wiese liegend sieht, der sonnt sich nicht, sondern ist entweder verletzt oder hat länger nichts zu Fressen gefunden. Igel sind nachtaktiv, da sie ihr Futter, das überwiegend aus Insekten besteht, überwiegend nachts finden.

Was sollte man dann tun?
Erste Hilfe leisten. Also den Igel wärmen, indem man ihn in ein warmes Tuch wickelt oder auf eine bezogene, warme Bettflasche setzt. Danach sofort auf Verletzungen untersuchen. Falls der Igel verletzt ist oder man Fliegeneier auf der Haut sieht oder sogar schon geschlüpfte Maden in den Wunden oder in Mund, Nase oder After findet, dann bitte das Tier auf allerschnellstem Weg ins Tierheim Ulm oder zum Tierarzt bringen.

Wie geht man mit einem unverletzten Igel um, den man tagsüber findet?
Wenn man solche Tiere sieht, sind sie meistens dehydriert: Man gibt ihnen Wasser oder Fencheltee und zum Fressen Katzenfutter. Aber auf keinen Fall Milch oder Obst, dass vertragen sie nämlich nicht. Auch, wenn der Igel keine Verletzungen hat, ist es besser ihn lieber gleich ins Tierheim zu bringen: Dort gibt es eine professionelle Igelstation mit ausgebildeten Tierpflegern und Ehrenamtlichen, die sich mit Wildtieren sehr gut auskennen, denn gerade kleine Igel gehören nicht in die Hände von Laien. Das Ziel ist immer den Igel möglichst schnell wieder in die gewohnte Umgebung auszusetzen.

Warum sollte man die Tiere besser ins Tierheim bringen?
Man darf nicht vergessen: Igel haben Flöhe und Zecken, die sich auf die eigene Katzen oder Hunde übertragen können. Außerdem stehen sie unter Naturschutz. Ein Entnehmen aus der Natur ist daher nur für die Zeit gestattet, die nötig ist, dem Igel zu helfen. Ein Zuwiderhandeln steht unter Strafe. Außerdem kann so viel falsch gemacht werden.

Igel, die man jetzt am Tag findet, wiegen meistens zu wenig, sodass sie es nicht über den Winter schaffen. Ab wann ist ein Igel für kalte Temperaturen gewappnet?
Anfang Oktober werden die Igel mit 350 bis 400 Gramm entlassen und zwar dort, wo man sie gefunden hat. Wenn man diesen Tierchen dann helfen möchte, kann man noch zwei bis drei Wochen lang nachts ein Schälchen Katzenfutter aufstellen. Für den Winterschlaf brauchen sie allerdings mindestens 600 bis 700 Gramm. Noch mehr wäre besser, weil sie bis Mitte, Ende April, wenn sie wieder aufwachen, bis zu 20 Prozent an Gewicht verlieren. Ein ausgewachsener Igel wiegt zwischen 800 und 1.500 Gramm.

Die Igelpopulation geht zurück, warum?
Hauptsächlich wegen des Straßenverkehrs: 56 Prozent überleben das erste Jahr nicht, das zweite überleben nur 23 Prozent. Eigentlich könnten Igel bis zu 15 Jahre alt werden. Aber sie finden zu wenig zu fressen, weil es überall Monokulturen gibt und die Menschen aus Zeitmangel Steingärten anlegen oder es wird alles abgemäht, sodass keine einzige Pflanze mehr übrig bleibt. Igel brauchen aber Natur pur und wer keine Lust hat zu pflegen kann sagen: Ich mach was für den Naturschutz.

Wie sieht ein igelfreundlicher Garten genau aus?
Am besten man lässt das Laub von den Bäumen liegen oder macht einen Laubhaufen. Gut sind auch viele verschiedene Blumen, die Insekten anziehen und dem Igel als Fressen dienen. Büsche und viel Geäst sind auch toll, darunter können sich Igel verstecken und ihr Winterquartier anlegen.

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Wer einen kranken Igel findet, kann ihn bei der Igelstation im Tierheim Ulm am Örlinger-Tal-Weg 40 abgeben: Geöffnet Montag bis Sonntag von 8:00 bis 17:00 Uhr und telefonisch zu erreichen unter 0731/65906 oder 0731/97923150. In dringenden Notfällen, wenn Tierheim nicht erreichbar ist, steht Sandy Öchsler in NU-Burlafingen mit einem 24-Stunden-Service unter 01578/ 4884135 für Sie bereit.

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