Tiere in der modernen Kunst: Vom roten Pelikan zum leidenden Comic-Hasen

Was malt ein Kind als erstes? Tiere. Da wird die Wolke mit vier Strichen dran flugs zum Schaf. Tiere sind auch das Thema der neuen, reizvoll provokativen Sommerausstellung "Animalisch!" im Museum.

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  • Nicht allen Tieren geht es gut - im Museum wie im Leben: Patricia Wallers Häkelarbeit "Bunny" (2008). 1/3
    Nicht allen Tieren geht es gut - im Museum wie im Leben: Patricia Wallers Häkelarbeit "Bunny" (2008). Foto: 
  •  Kiki Smiths Fliege (1998). 2/3
    Kiki Smiths Fliege (1998). Foto: 
  • Franc Marcs "Fabeltier" (1912) 3/3
    Franc Marcs "Fabeltier" (1912) Foto: 
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Aua. Sieht ganz schön schmerzhaft aus, was Patricia Wallers gehäkelter Bugs Bunny da auf dem Boden des Ulmer Museums auszuhalten hat. Eine überdimensionale Gabel steckt dem ebenfalls überdimensionalen Wollhasen mitten im Bauch. In weinrotem Garn quillt Kunstblut aus den Wunden. Dann ist das Werk aus dem Jahr 2008 auch noch ironisch-distanziert mit "Bad luck", Pech gehabt, überschrieben. Der in der Nähe von der Decke hängende, bluttriefende Hai mit Menschenfigur im Maul heißt "Accidents". Vielleicht werde manches Exponat die Eltern verstören. Das hat Museumsdirektorin Gabriele Holthuis durchaus einkalkuliert.

Zugleich ist sie aber überzeugt: "Die Kinder werdens lieben." Wobei sie persönlich Deborah Sengls "Der Fuchs als Räuber. . .", der sich unweit des Bunnys in ausgestopfter Form als Ente verkleidet hat, krasser findet. Außerdem: "Wir gehen ja heute noch ganz anders mit Tieren um." Noch viel schlimmer. Künstler gehen eben oft auf das ein, was in Gesellschaft und Politik geschieht. Manches werde dann aber doch "aus ästhetischen Gründen" hier ausgespart. Denn die Sommerausstellung "Animalisch! Tiere in der Kunst des 20. Jahrhunderts" richtet sich ausdrücklich an Familien.

Nur sechs Wochen ist die auf fünf Räume und rund 500 Quadratmeter im Erdgeschoss des Fried-Gebäudes verteilte Schau zu sehen. Dafür ist sie nach Überzeugung der Museumschefin - trotz des inflationär erscheinenden Themas - "kurzweilig und hochattraktiv". Damit auch Kinder etwas davon haben, wurden die Bilder "niedrig gehängt" und mit kindgerecht erklärenden Etiketten versehen. Zum Betrachten der Plastiken und Skulpturen stehen Max-Bill-Hocker bereit. Auf die zu klettern lohnt sich für die kleinen Besucher: Mit Lothar Serusets "Mann mit Fisch", Kiki Smiths Skizzen von Fliege und Biene sowie Thomas Kahls "Hirsch" (2003) und Lisa Schmitt-Bundschuhs "Ratz im Schloss von Herrn von Besserer" (2004) gibt es weitere witzig-skurrile Figuren, Bilder und Objekte zu sehen.

Ulmer Künstler wie Seruset, Kahl, Hans Gassebner, Albert Unseld und Reiner Schlecker sind ganz selbstverständlich zwischen Ikonen der modernen Kunst platziert: Niki de Saint Phalle, Franz Marc, Joan Miró, Pablo Picasso, George Braque, HAP Grießhaber. Dazu Foto-Collagen von Isa Genzken, Jörg Immendorff, ein dreidimensional in den Raum ragender "Moby Dick" von Frank Stella. Noch ein Höhepunkt: Rainer Fettings "Red Pelican" in Öl von 1991, der den tierischen Reigen nach einem modernen bronzenen Reiterstandbild von Ugge Bärtle im Lichthof eröffnet.

Die 50 Exponate stammen vorrangig aus dem Bestand des Museums. Dazu kommen Leihgaben vom Edwin-Scharff-Museum, von örtlichen Galerien, von den Künstlern selbst und von privaten Sammlern.

Sie wurden in fünf Themen unterteilt: "Mythos und Archaik - Das wilde Tier"; "Das irdische Paradies - Der Mensch im Tier und das Tier im Menschen"; "Gebaute Tiere - Konstruktion und Collage" zu dem etwa auch Otl Aichers "Waldi" (1972) gehört sowie das Unterkapitel "Das kleine Tier" mit Kiki Smiths "fly" und "bee" (1998); "Dein Freund und Partner - Vertrautheit und Nähe" mit Unselds wunderschön realistisch skizzierter Dackel-Lithografie sowie "Fantasy & Fiction". Hier, fast am Ende des Rundgangs, findet sich der per Häkel-Gabel auf den Boden gepinnte Bugs Bunny.

Info "Animalisch!" ist im Ulmer Museum bis 24. August zu sehen. Eröffnung heute, 18 Uhr. Von 12. bis 17. August ist der Eintritt frei. Führungen: 13. Juli (15 Uhr), 31. Juli / 7. August (18 Uhr); Familienführung: 17. August (14 Uhr); Kinderwerkstatt: 26. Juli (13.30-16 Uhr).

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