Ticket, bitte!

Wir setzen nicht alles, aber einiges auf eine Karte: auf die Eintrittskarte. In den kommenden Wochen wollen wir Geschichte und Geschichten anhand von Konzert-, Museums- und Kinotickets erzählen - mit Ihrer Hilfe!

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Früher war gewiss nicht alles besser, aber einiges schon: der Sommer, die Tomaten, Martin Walser. Sagen manche Leute zumindest. Gewiss besser und schöner waren: Eintrittskarten.

Bitteschön? Doch, Eintrittskarten und Konzerttickets. Heute bekommt man oft genug traurige, computerbedruckte, geradezu läppisch läpprige Fetzen im Vorverkauf zugeschickt oder an der Abendkasse in die Hand gedrückt - wo doch angeblich in unseren Zeit so viel Wert auf Design, Anmutung und Marketing gelegt wird.

Früher hingegen waren die Tickets geradezu echte Schmuckstücke: attraktiv farbenfroh gestaltet, mit Bildern der Musiker und Künstler, mit den originellen Schriftzügen oder Logos der Bands und hübschen Mustern verziert. Es waren nicht nur Eintrittskarten, es waren richtige Andenken.

Und das ist der entscheidende Punkt. Heute schmeißen wir diese lieblosen, standardisierten Karten in den Müll oder ins Altpapier, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. Früher haben wir sie aufgehoben. Schließlich verbinden sich intensive Erinnerungen an manche Konzerte, nicht umsonst spricht man vom"Konzerterlebnis". Wie reizvoll, wenn man diese Erlebnisse nicht nur in Gedanken bewahrt, sondern auch ganz konkret: Tickets als Erinnerungsstücke im wahrsten Sinne des Wortes.

So steckten wir diese Karten früher in der WG an eine Pinnwand, verwendeten sie als Lesezeichen, hoben sie in einer Box auf oder legten sie zur LP oder CD mit der Musik der betreffenden Band. Doch wozu sollten wir das noch mit einem faden Computerausdruck, mit einem Null-Acht-Fuffzehn-Papierfetzen tun?

Es ist eine Paradoxon: Konzertkarten sind in den vergangenen Jahrzehnten unverhältnismäßig teuer geworden, doch die Karten sehen immer billiger aus. Löbliche Ausnahmen wie die"Toten Hosen" oder die"Ärzte" bestätigen die Regel.

Als Beispiel mag die aktuelle Tour von Herbert Grönemeyer dienen. Für den Auftritt vor zwei Wochen in der Neu-Ulmer Arena (65 Euro) gab es öde, schwarz auf weiß bedruckte Eintrittskarten. Oben prangt der orange Streifen von"Reservix", an der Seite grüßen die Sponsoren-Logos, hinzu kommen die notwendigen Informationen (wer, wann, wo, was, wie viel?) und der Barcode - fertig. Im Vergleich dazu die Eintrittskarte von seinem Auftritt 1988 in der Donauhalle (23 Mark): Auf sattem Grün prangt in typischer Schreibschrift"Herbert Grönemeyer + Band". Und das Ticket seiner 1990/91-Tour ziert sogar ein charismatisches Porträt des Sängers - noch mit Matte auf dem Kopf und mit halb melancholischem, halb entschlossenen Blick in die Ferne.

Wie gesagt, das Schönste an diesen alten Eintrittskarten sind die Erinnerungen, die sich daran knüpfen. Und daher wollen wir Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, in diesem Sommer dazu aufrufen, uns daran teilhaben zu lassen:"Ticket, bitte!" heißt unsere Serie.

Also, haben Sie ein Ticket, das mit einer lustigen Anekdote, einer persönlichen Geschichte, einem besonderen emotionalen Erlebnis verbunden ist? Mit einer großartigen Show, einer unvergesslichen Reise, einem Liebesabenteuer, einem Rausch - oder mit allem zusammen?

Es darf auch das Ticket für einen Besuch einer Ausstellung sein - vielleicht war diese ja der Auslöser, Kunst zu studieren. Oder für einen Kinobesuch - vielleicht handelte es sich um einen unvergesslichen romantischen Abend mit lebenslangen Folgen. Oder für den Eintritt in eine Sehenswürdigkeit irgendwo auf der Welt -so lassen einen Tickets für den Besuch der Dachterrasse auf dem World Trade Center heute zum Beispiel frösteln.

Haben Sie eine Bandüber viele Jahre immer wieder live auf der Bühne gesehen und vielleicht sogar ein Ticket signiert bekommen? Haben Sie in aller Welt Festivals besucht oder sind seit den 80ern etwa immer wieder bei Rock am Ring? Und vor allem: Haben Sie die Karten aufgehoben?

Dann zeigen Sie uns ihr"Ticket, bitte!" Und erzählen Sie uns davon.

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