Thomas Starczewski entwirft Gebrauchsgegenstände, Maschinen, Möbel

Er hat Möbel entworfen, die ihren Weg ins Museum gefunden haben. Aber vor allem entwirft der mehrfach ausgezeichnete Designer Thomas Starczewski Gebrauchsgegenstände und technische Anlagen.

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Designer Thomas Starczewski (links) mit seinem aktuellen Designship-Team und Bildern von neuen oder prämierten Produkten. Foto: Lars Schwerdtfeger

Wenn Thomas Starczewski aus dem Fenster blickt, sieht er an dichtem Efeu hinab auf die ruhige Heimstraße und die Häuser der ehemaligen Ulmer Stadtmauer. Der Efeu hält das elegante Gründerzeithaus im Sommer angenehm kühl, sagt er. Und Spinnen gelangten dadurch auch nicht häufiger in die Räume seiner Agentur Designship als anderswo. Blickt der Designer vom filigranen selbstentworfenen Konferenztisch hoch, sieht er an der Wand seine erfolgreichsten Entwürfe in rahmenlosen Haltern.

Seinen jüngst durch einen Red-Dot-Award, eine der weltweit angesehensten Design-Auszeichnungen, veredelten Bürostuhl "Volume 8" für die Marke Interstuhl umrahmen im Werbeprospekt ein Sessel und ein Beistelltisch von Le Corbusier. Klassiker eben. Sein Gegenüber im Besucherraum sitzt auf einem "Meet-Chair" von Sedus. Auch der entstand an seinem Reißbrett - in Zusammenarbeit mit seinen vier festen Mitarbeiten - und ist ebenso preisgekrönt: Er erhielt 2009 den International Forum (IF) Design Award.

Eines der bedeutendsten Möbelstücke, das der 55-Jährige zur Produktionsreife gebracht hat, fand 1995 im Chicagoer Museum of Architecture and Design und im Kunstgewerbemuseum Preußischer Kulturbesitz in Berlin den passenden Rahmen: der Stuhl "El Toro" der Firma Bisterfeld + Weiss. Die Aufnahme in die ständige Sammlung eines renommierten Museums adelt den Gestalter, und darauf ist Thomas Starczewski auch stolz. Dennoch verbringen er und sein Team den Großteil ihres Alltags nicht mit dem Entwerfen spektakulärer Möbel, die das Zeug zum Klassiker haben. "Stühle sind eher so ein Faible von mir", sagt er.

Das zweite Standbein seiner im Alter von 30 Jahren gegründeten Firma bilden Gebrauchsgegenstände: eine Lautsprecherbox für Yamaha, eine Stirnlampe, Schweißgeräte, eine Anhängerkupplung oder Fernbedienung. Am Wichtigsten aber ist das dritte Standbein, das aus formschönen Verkleidungen für Dinge erwächst, die der großen Masse an Konsumenten verborgen bleiben: Maschinen und Industrieanlagen.

Auf Messen und unter Fachleuten wecken eine raumschiffartige Drainagerohrfertigungsanlage für die Firma Drossbach und die vor 22 Jahren entwickelte Designlinie für die Pharma-Verpackungsfirma Uhlmann reichlich Aufmerksamkeit. Die vereinen Transparenz, Eleganz und Funktionalität - bei Industrieanlagen nicht selbstverständlich. "Uhlmann war der erste Maschinenbauer, der uns beauftragt hat", erzählt Starczewski. "Der damalige Chef, Herr Uhlmann, gab uns einen großen Vertrauensvorschuss." Wohl zu recht: Das Maschinendesign und die Typographie der Maschinenbezeichnungen bestimmen bis heute das Erscheinungsbild der Firma.

Die breite Produktpalette half seiner Agentur schon über "einige schwere Zeiten" hinweg. Denn die Entwicklung einer ganzen Anlagenreihe und das damit verbundene Corporate Image - also das Bild eines Unternehmens - binden den Gestalter langfristig an seine Kunden: Er sorgt dafür, dass die Maschinen "ein Gesicht im Markt bekommen".

Das sind im Falle von Designship meist größere Unternehmen aus dem süddeutschen Raum: Uhlmann sitzt in Laupheim, Schuler Pressen in Göppingen, Kallfass in Nürtingen, Teamtechnik in Freiberg/Neckar, Esta in Senden, Al-Ko Fahrzeugtechnik, für die Designship eine neue Anhängerkupplung entwarf, in Kötz.

Diese Unternehmen würden nicht nachhaltig in eine Designagentur investieren, wenn die letztlich nicht zum Erfolg beitragen könnte. Hier verfällt Thomas Starczewski erstmal in Fachchinesisch: "Durch Design mit emotionaler Qualität, Kostenoptimierung mittels intelligenter Designkonzepte, optimierten Materialeinsatz oder die Vereinheitlichung durch Module." So müssen durch seine Arbeit etwa weniger teure Einzelteile gefertigt werden. Dann wird der gelernte Form- und Gießereimodellbauer wieder verständlicher: "Unsere Spezialität ist das Wissen um Technik, Herstellungsverfahren und Materialauswahl." Aha. "Den technischen Aspekt" hänge sein Team ganz hoch. So klappt auch die Zusammenarbeit mit Ingenieuren, die der Chef der Agentur gern zum Brainstorming ins efeuumrankte Haus in der Heimstraße 29 einlädt.

"Mal aus der gewohnten Umgebung rausgehen, macht den Kopf frei", ist Starczewski überzeugt, der glaubhaft versichert, sein Beruf halte ihn jung. Damit auch seine Designer den Kopf freibekommen, arbeiten sie jeweils parallel an einem technischen Entwurf und einem formalen Konzept.

Der 55-Jährige schätzt zudem "die Langlebigkeit und das würdige Altern eines Produkts". Das habe Charme, findet er. Deshalb hat Interstuhl Thomas Starczewskis Bürostuhl "Volume 8" unter anderem auch aus dem robusten Leder alter Turngeräte im Programm.

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