Theatertage: Blühende Bühnenlandschaft

Familientreffen, Leistungschau, tolles und kompaktes Angebot für die Zuschauer: Die baden-württembergischen Theatertage beginnen am Freitag.

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  • Im Zeichen der baden-württembergischen Theatertage steht das Theater Ulm von Freitag an – im Bildvordergrund ist freilich keine dazu aufgestellte Skulptur zu sehen, sondern die Straßenbahnbaustelle.  1/2
    Im Zeichen der baden-württembergischen Theatertage steht das Theater Ulm von Freitag an – im Bildvordergrund ist freilich keine dazu aufgestellte Skulptur zu sehen, sondern die Straßenbahnbaustelle. Foto: 
  • Herzschmerz mit Brechts „Dreigroschenoper“.  2/2
    Herzschmerz mit Brechts „Dreigroschenoper“. Foto: 
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Als die baden-württembergischen Theatertage erstmals in Ulm stattfanden, lautete das Motto damals „Der Mensch in der Revolte“ – na ja, das war im Jahre 1970 gewesen, in den aufwühlenden Nach-68er-Jahren. Bei den nächsten Theatertagen in Ulm, 1987, gab’s unter Intendant Pavel Fieber keinen Leitspruch, aber 2003 wieder, als Angsar Haag der Gastgeber war: „Wahr, gut und schön? Klassiker heute“. So ändern sich die Zeiten. Und jetzt, bei den vierten Theatertagen an der Donau, die am Freitag beginnen? Heißt das Motto „Jetzt“.

Also los: 30 Produktionen aus 13 verschiedenen Städten Baden-Württembergs stehen bis zum 9. Juli auf dem Spielplan. Theatertage sind Familientreffen und Leistungsschau, aber vor allem ein tolles Angebot für das Publikum der ausrichtenden Stadt. Oder wie der Ulmer Intendant Andreas von Studniz es so flapsig wie gut schwäbisch vorrechnet: „Finanzieren Sie von den ersparten Einzel-Reisekosten Ihren nächsten Urlaub!“

Zufriedener Bühnenverein

Alle gastieren sie in Ulm, die Staats- und Stadttheater, die Landesbühnen und andere Häuser mehr. Auch Schauspielerprominenz ist darunter, etwa Peter Kurth als Nathan der Weise (die Stuttgarter spielen den Lessing am 5. Juli im Großen Haus). Und die Intendanten und Funktionäre kommen auch, am Freitag, vor der Eröffnung der Theatertage, hält der Landesverband des Deutschen Bühnenvereins im Rathaus seine Mitgliederversammlung ab. Dann stellt sich Ulrich von Kirchbach auch als Vorsitzender zur Wiederwahl.

Vorsitzender Kirchbach zufrieden

Der Bühnenverein vertritt die Arbeitgeber, handelt Tarifverträge für Theater und Orchester aus, versteht sich aber gleichermaßen als Interessenverband. Von Kirchbach ist von Amts wegen Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg und weiß damit, wovon er spricht: Er muss sich mit Fragen zur Rentenversicherung von Schauspielern ebenso beschäftigen wie mit Bau- und Sanierungsmaßnahmen der Kommunen für ihre Theatergebäude.

Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE zeigte sich von Kirchbach sehr zufrieden mit der baden-württembergischen Theaterlandschaft („wir sind hervorragend aufgestellt“). Und auch mit der Landesregierung: „Wir können froh sein über die gute Zusammenarbeit.“ Man muss ja auch nur über die Landesgrenzen blicken: In Thüringen etwa werden Theater fusioniert, in Nordrhein-Westfalen Zuschüsse gekürzt. Das Land Baden-Württemberg übernimmt ungefähr ein Drittel der Kosten der Stadttheater und hat in den vergangenen Jahren auch die Tariferhöhungen mitgetragen – was nicht immer so war. „Das ist ein wichtiges Zeichen, aber warum sollen Theater bei Tariferhöhungen schlechter gestellt sein als ein städtisches Amt?“, fragt der Freiburger.

Wichtig ist ihm, dass „auch die Fläche abgedeckt ist“, also dass die drei Landesbühnen aus Esslingen, Tübingen und Bruchsal gute Arbeit leisten können. Probleme freilich gebe es im so wichtigen Ensemble- und Repertoirebetrieb: „Eine Mindestgage von 1850 Euro reicht nicht für einen Schauspieler, der in einer Großstadt lebt.“

Was müssen die Theater tun, um ihre gesellschaftliche Relevanz zu behaupten? „Sie müssen in politischen Fragen Stellung beziehen und künstlerische Antworten geben, Debatten aufnehmen und anstoßen, den Bürgern ein Forum bieten. Dafür erhalten die Bühnen Subventionen.“ Von Kirchbach sagt klar: „Die Theater müssen hineinragen in die Städte, sie sind keine Elfenbeintürme. Aber es geht auch nicht nur um Unterhaltung, die Theater haben politische Pflichtaufgaben.“ Und wie  sie diese in der Bühnenpraxis unterhaltend lösen – ja, auch das kann das Ulmer Publikum von Freitag an kompakt bei den Thea­tertagen überprüfen.

Eröffnung Die 23. baden-württembergischen Theatertage werden am Freitag, 17.30 Uhr, vom Ulmer Intendanten Andreas von Studnitz im Großen Haus eröffnet. Als Gäste werden Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski, der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch sowie UIrich von Kirchbach, Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Bühnenvereins, erwartet. An zehn Tagen bis zum 9. Juli zeigen 19 Theater 30 Vorstellungen für jede Altersgruppe. Das Theater Ulm spielt am Freitag, 19 Uhr, im Großen Haus noch einmal die viel gelobte Aufführung von „Platonow oder Die Vaterlosen“ von Anton Tschechow.

Programm Was bringt das Wochenende? Das Junge Theater Heilbronn gastiert am Samstag mit „König und König“ von Linda de Haan und Stern Nijland (Podium, 11 und 13.30 Uhr). Abends ist das Theater Freiburg mit „Wassa Schelesnowa/Die Mutter“ von Maxim Gorki und Bertolt Brecht im Großen Haus vertreten (20 Uhr).  Am Sonntag gibt’s unter anderem noch einmal Brecht: Das Theater Pforzheim reist mit der „Dreigroschenoper“ an (20 Uhr). Tickets unter 0731/161-4444 und im Internet. Dort findet sich auch das ganze Programm:  www.theatertage-bw.de

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