Teva: Grundsteinlegung für neues Biotech-Zentrum

Der Arzneimittelhersteller Teva setzt mit der Grundsteinlegung für das neue Biotech-Zentrum ein Zeichen für den Standort im Donautal.

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Mit vereinten Kräften die Kapsel versenkt (von links): Carlo de Notaristefani, CEO Teva Global Operations, OB Gunter Czisc, Christoph Stoller, Teva Deutschland-Chef, Projektleiter Alexander Derksen und Hermann Allgaier, Geschäftsführer TevaBiotech.  Foto: 

Nicht weniger als ein Meilenstein soll das neue Projekt Genesis werden, wie der Teva-Deutschlandchef Christoph Stoller gestern bei der Grundsteinlegung am Standort im Donautal sagte. „Das ist der Anfang eines neues Kapitels.“ Die entstehende Drehscheibe der Biotechnologie sei wichtig, gerade für ein Hochlohnland wie Deutschland. „Auch, um den Standort in Zukunft zu sichern.“

Rund 500 Millionen investiert der israelische Pharmakonzern in das neue Biotech-Zentrum auf dem Werksgelände. „Das ist mit die größte Teva-Investition“, sagte Biotech-Chef Hermann Allgaier. Mehr als die Hälfte der Investitionssumme sei für das Innenleben des Gebäudes mit Bioreaktoren und Reinräumen veranschlagt. Dort soll spätestens ab 2020 etwa mit der Reinigung von Proteinen und Kultivierung der Zellen im Rahmen der Herstellung von „komplexen biotechnologischen Wirkstoffen“ begonnen werden. Die Bioreaktoren aus Edelstahl haben, wie Allgaier erklärt, ein Fassungsvermögen von bis zu 15.000 Litern.

Fertigstellung 2019

Zwei Jahre soll der Bau des bis zu 37 Meter hohen Gebäudes mit insgesamt neun Geschossen dauern. Bis zum Produktionsbeginn dauert es voraussichtlich bis 2020, prognostiziert Stoller. „Dann können wir mit der Herstellung starten.“ Momentan arbeiten bereits 50 Beschäftigte an der Planung und Vorbereitung. Bis 2020 sollen 250 weitere Mitarbeiter folgen. Mit Fachkräftemangel habe der Pharmakonzern, der Anfang des Jahres ein Sparprogramm in der Generikasparte mit bis zu 100 Stellenstreichungen am Ulmer Standort verkündete, bislang hier noch nicht zu kämpfen, sagte Allgaier. „Es dauert zwar länger, aber bislang konnten wir alle Stellen adäquat besetzen.“

Einen Quantensprung nannte Oberbürgermeister Gunter Czisch das millionenschwere Projekt. „Teva hat einen harten Wettbewerb hinter sich“, um so mehr freue er sich, dass mit dem Biotech-Zentrum der Standort aufgewertet werde. „Das Projekt trägt auch maßgeblich zur Zukunftsfähigkeit des Standorts bei, – auch der der Wissenschaftsstadt.“ Am Ende zähle die Kompetenz der verfügbaren Arbeitskräfte vor Ort, auch wenn die Lohnkosten höher sind als an Standorten im Ausland. „Deshalb ist es für Ulm wichtig, die richtigen Leute zu halten.“ Ulm sei gemeinsam mit Biberach ein führendes Cluster im Bereich Biotech in ganz Europa. „Aber es ist viel unternehmerische Forschung und dringt deshalb nicht nach außen.“

Bahnlinie entwidmet

Bevor die Verantwortlichen den 14 Kilogramm schweren Grundstein in die Fassung legten, versenkten sie im Hohlraum eine Kapsel, die eine Skizze der Anlage, die Namen aller Beteiligten, eine Münze und auch die Baugenehmigung enthielt. „Die haben wir Anfang der Woche erhalten“, sagte Allgaier. „Das war eine konzertierte Aktion“, berichtete Czisch. Für die Genehmigung musste eine hinter dem Grundstück der Teva verlaufende stillgelegte Bahnlinie entwidmet werden, um die Fläche zu genehmigen. Glücklicherweise im Einvernehmen mit den anliegenden Firmen.

Für die nahe Zukunft sieht Christoph Stoller den Standort gut aufgestellt. „Für 2018 erwarten wir ein starkes Volumenwachstum. Zudem haben wir offene Stellen zu besetzen.“ Vor allem mit dem deutschen Markt zeigt sich Stoller sehr zufrieden. „Wir fühlen uns gut aufgestellt.“ Die Arbeit scheint dem Interimschef zu gefallen. „Ich fühle mich sehr wohl und habe im Sinn, hier zu bleiben.“

Erwartungen erfüllen

Quantensprung, Leuchtturm und Meilenstein. Das waren die Schlagworte die bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung für das neue Biotech-Zentrum des Pharmakonzerns Teva fielen. Sicherlich, für den Standort im Donautal kann das Genesis-Projekt zum Standortgaranten werden. Rund 500 Millionen Euro investiert der israelische Konzern in das zukunftsträchtige Forschungs- und Produktionszentrum für biotechnologische Wirkstoffe. Einzigartig in dieser Größenordung in Ulm und auch bei Teva. Zudem sollen in den kommenden Jahren für das Genesis-Projekt 250 neue Stellen geschaffen werden, 50 Mitarbeiter sind bereits in diesem Bereich tätig.

Das zukunftsorientierte und auf Innovation ausgelegte Projekt lässt aber nicht vergessen, dass erst Anfang des Jahres die dritte Personalabbau-Welle im Unternehmen verkündet wurde, in deren Rahmen rund 100 Mitarbeiter am Standort etwa aus den Bereichen Forschung und Entwicklung ihren Job verloren, da vor allem der Generika-Bereich in den vergangenen Jahren schwächelte.

Für Teva kommt es nun in den kommenden Jahren im Wesentlichen darauf an, das mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachte millionenschwere Genesis-Projekt zum Erfolg zu führen, und damit auch wieder verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen.

Teva Ulm ist Deutschlandsitz von Teva. Der israelische Konzern ist weltweit Marktführer bei Generika. Nach dem Einstieg bei Ratiopharm 2010 beschäftigt Teva in Deutschland 2900 Mitarbeiter, davon 2500 in Ulm und Blaubeuren, 400 am Standort in Berlin. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 58 000 Mitarbeiter. Insgesamt erzielte Teva 2016 einen Umsatz rund 22 Milliarden US-Dollar (knapp 19 Milliarden Euro) und stellte eigenen Angaben zufolge 64 Milliarden Kapseln und Tabletten her.

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Kommentare

16.11.2017 16:11 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Weder Quantensprung noch Leuchtturm oder Meilenstein””””

Fazit: Obwohl nicht geringen Teilen der Bevölkerung in der Region der Untergang eines Unternehmens mit einst unbestrittener Weltgeltung wie vor allem die Telefunken mit ihren beiden Werken in der Ulmer Weststadt noch immer buchstäblich in den Knochen steckt, ist nie untersucht worden, worauf das Entschwinden des Konzerns zurückzuführen ist. Im Gegenteil. Herr Professor Queisser als späterer Vorsitzender der Lenkungsgruppe zur Wissenschaftsstadt ist sogar laut eigenen Angaben von Vertretern der damaligen Regierung Kohl zur Ordnung gerufen worden, als er anregte, etwaige Schwächen, die ehedem in den gesellschaftlichen Ruin einmündeten, aufzudecken und einer Kritik zu unterziehen. Ohne also im Einzelnen die Gründe dafür zu kennen, investiert in den kommenden Jahren die Teva im Industriegebiet Donautal somit nahezu blind in das Projekt namens Genesis rund eine halbe Milliarde Euro; wobei der momentane Erfahrungsstand bestenfalls Aussagen dazu erlaubt, dass angesichts einer zunehmend aggressiver um sich greifenden Regression die Risiken umso steiler ansteigen, je innovativer die aus freien Stücken heraus gewählte Arbeitspolitik ist. Das bedeutet: Je erfolgreicher das Projekt seiner Realisierung zustrebt, desto wahrscheinlicher wird zu den gegenwärtig vorherrschenden Arbeitsbedingungen der Sturz in eine tiefe existenzielle Krise. Hält die Perversion der Verhältnisse künftig an, weil nicht einmal die ausschließlich für Offizialdelikte zuständige Staatsanwaltschaft initiativ wird, um wenigstens hoheitlich Klarheit zu schaffen, ist das Genesis-Vorhaben zunächst nur so etwas wie eine Probe aufs Exempel, ob sich industriell Investitionen in nennenswertem Umfang in Deutschland überhaupt noch lohnen.

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15.11.2017 17:20 Uhr

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Bei der Suche nach Ansatzpunkten für den Bruch mit überkommenen Formen der Rationalisierung menschlicher Arbeit, welche den Diskurs nahezu vollständig versperren, weil Dritte nach Belieben daran festhalten, kann nur bedingt auf die Expertise von ansonsten auf diesem Gebiet überaus renommierten Forschungsinstituten zurückgegriffen werden. So bleibt das Soziologische Forschungsinstitut (SOFI) nach wie vor eine Erklärung dafür schuldig, wieso sein einstiger Präsident Volker Wittke am 30. August 2012 vorzeitig zu sterben hatte. Zumindest kann aus der offiziell gehaltenen Trauerrede im Namen der Universität, an der er einen Lehrstuhl inne hatte, und aus dem von der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) veröffentlichten Nachruf nicht entnommen werden, welcher Maßnahmen es bedarf, den gesellschaftlich einmal angestoßenen Prozess des Entschwindens eines Menschen aufzuhalten, um die dringend benötigte Zeit für die Heilung von sonst unheilbaren Erkrankungen zu gewinnen. Wohin die Unsummen an privaten und öffentlichen Forschungsgeldern fließen, wenn sie nicht für Angelegenheiten verwendet werden, die unmittelbar ans Leben eines Menschen gehen, lässt sich inzwischen nicht mehr rechtfertigen. Meine dementsprechend schriftlich an das Regierungspräsidium in Tübingen gerichtete Bitte, als Aufsichtsbehörde endlich einzuschreiten, falls Stiftungen wiederholt Gelder für Belanglosigkeiten ausreichen, beschied die Behörde abschlägig. Auch das baden-würrtembergische Innenminsterium sieht etwa die Stiftung der Volksbank Ulm-Biberach völlig frei darin, ihre Mittel vorrangig für die Pflege von Streuobstwiesen zur Verfügung zu stellen während der Einzelne, der infolge dessen komplett auf sich allein gestellt um sein Überleben kämpft, seinem dadurch unausweichlichen Schicksal überlassen ist.

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15.11.2017 12:12 Uhr

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Allen voran lancierte vor Jahren die IG Metall die heute immer noch laufende Kampagne "Tatort Betrieb: Wenn Arbeit krank macht". Noch zu seinen Lebzeiten versuchte ich in diesem Zusammenhang mit Manfred Schweizer als dem seinerzeit dafür zuständigen und im Ulmer Hospiz am 7. März 2009 früh verstorbenen Sekretär der Ulmer IG Metall ins Gespräch zu kommen. Zu meiner Legitimation legte ich ihm einen Brief vor, den der damals amtierende Vorsitzende Berthold Huber an mich geschrieben hatte. Zentral drehte sich das Gespräch um die Frage, woher die IG Metall mit Sicherheit weiß, dass Arbeit krank macht, wenn das von Hans Paul Bahrdt aufgeworfene Problem nicht gelöst ist, warum manche Arbeiten pathogen sind und andere nicht. Leider entzogen ökonomisch-gesellschaftliche Mechanismen die Anwesenheit von Manfred Schweizer unwiederbringlich. Wodurch sich die Mechanismen konterkarieren lassen, harrt demnach weiterhin einer detaillierten Aufklärung. Weil es sich um die Wirkmächtigkeit der Universalien des Sozialen handelt, ist die in Ulm und Blaubeuren tätige Teva nicht davon verschont, ihren Beitrag zur Erkenntnisgewinnung zu leisten, auch wenn das Unternehmen der Pharmaindustrie und nicht der Metallindustrie angehört.

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14.11.2017 16:37 Uhr

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Korrektur: Das Zitat von Karl Marx ist zu berichtigen in: "... dass das zufällig Gefundene, das notwendig Gewachsene wird".

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14.11.2017 16:33 Uhr

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Zwar behauptete Karl Marx einst, dass das zufällig Gefundene, das notwenig Gewachsene wird. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, nahezu alles, was die angestrebte Verausgabung menschlicher Arbeitskraft anbelangt, vom Zufall abhängig zu machen, damit der gewünschte Erfolg in greifbare Nähe rückt. Die ökonomischen Verhältnisse, wenn nicht realiter, so doch zumindest fiktional vonseiten Dritter in ihr Gegenteil zu verkehren, lässt dem Einzelnen den sozialen Tod eintreten, dem sein körperlicher unabweisbar folgt. Ein Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätskliniken reklamiert angesichts dessen im Jahr 1996 einen Mangel an klarer sozialer Struktur, der nachweislich pathogenen Einfluss auf die weitere Lebensgeschichte des davon Betroffenen hat. Hans Paul Bahrdt plädierte zuvor deswegen nicht von ungefähr dafür, dass "dies ... auf einer ganz elementaren Ebene erörtert werden (muss), lange bevor man auf die Fragen der Selbstverwirklichung einer autonomen, unverwechselbaren Persönlichkeit zu sprechen kommt". Besser zu Gesicht stünde Teva letztlich, sich nicht von der damit gebotenen Grundlagenforschung zu distanzieren, wie es vor rund zwei Jahren der damals noch amtierende Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Piëch, in seiner für ihn typischen Unbestimmtheit öffentlich verlauten ließ.

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14.11.2017 13:16 Uhr

Weder Quantensprung noch Leuchtturm oder Meilenstein

Bereits vor über dreißig Jahren verwies Hans Paul Bahrdt vom Soziologischen Seminar der Georg-August-Universität in Göttingen auf den wissenschaftlich unzureichenden Erkenntnisstand in der Frage, "warum manche Arbeiten ... möglicherweise pathogen sind" und andere wiederum nicht. Wolfgang Sofsky als seines Zeichens einer seiner Schüler machte später in seiner Habilitationsschrift allgemein darauf aufmerksam, dass jedwedem von einem Arzt diagnostizierten Exitus stets der soziale Tod vorausgeht. Will also die in Ulm ansässige Teva ihre Arbeitskräfte, ohne die erklärtermaßen das aktuelle Projekt Genesis nicht zu verwirklichen ist, vor der Pathologie solcher Arbeitssituationen bewahren, ist sie auf Forschungen angewiesen, die notwendig Aufschluss darüber geben, wodurch der soziale Tod und das ihm auf dem Fuß folgende Ableben der Arbeitskräfte von vornherein ausgeschlossen werden können. Ansonsten steht zu befürchten, dass der vermeintliche Quantensprung schon von Anfang an unmöglich bleibt oder die Rede von einem Leuchtturmvorhaben lediglich vermessen und der angebliche Meilenstein nur um den Preis immens hoher Verluste an Mensch und Material erreichbar ist. Ändern sich somit die Vorzeichen nicht entscheidend, müsste das Projekt Genesis stattdessen als ein Himmelfahrtskommando bezeichnet werden. Unbeantwortet insofern, weshalb der israelische Konzern den Aufwand scheut, einschlägige Untersuchungen zu den von Natur aus gegebenen Voraussetzungen sozialer Effizienz finanziell zu fördern, die es ihm ermöglichen, den andernfalls eskalierenden Problemdruck für den Erhalt und die Weiterentwicklung einer modernen Industriegesellschaft deutlich zu mindern, um sich auf diese Weise die Aussicht auf wirtschaftlich großen Erfolg nicht selbst zu verbauen.

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