Test: Welcher Audioguide für Ulm und Neu-Ulm kann was?

Bildungsurlaub leicht gemacht: Wir haben für Sie getestet, welche Audioguides Ihren Horizont erweitern. Am Samstag: Ulm und Neu-Ulm für Träumer.

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Für Träumer: Audioguides für Ulm und Neu-Ulm im Test.  Foto: 
Irgendwas stimmt da nicht. Zwei einsame Gestalten schlendern gemütlich über den Neu-Ulmer Petrusplatz, die blauen Sitzbänke sind unbesetzt, im Eiscafé hocken vielleicht sechs Gäste, und der Mann im Audioguide sagt: "Der Petrusplatz ist das eigentliche, pulsierende Zentrum Neu-Ulms."

Einmal um den Platz rumlaufen, um ganz sicher zu gehen: Pulsiert immer noch nichts. Irgendwas ist da schiefgelaufen. Klar, der Petrusplatz hat ein Attraktivitätsproblem, das allerdings nicht erst seit gestern. Es gäbe ja dennoch Interessantes zu erzählen. Von einer Stadt, die aus vielen selbstbewussten Dörfern besteht, und deshalb kein richtiges Zentrum haben kann. Oder vom zehnten Längengrad, der den Platz mit Hamburg und Tunis verbindet.

Der Audioguide, den die Ulm/ Neu-Ulm Touristik GmbH mit der Firma Tomis umgesetzt hat, macht all dies nicht. Im Gegenteil. Je länger man zuhört, desto mehr kommt man zu dem Ergebnis, dass die Autoren unmöglich jemals in der Stadt gewesen sein können. Da wird auf der Übersichtskarte der Metzger- mit dem Gänsturm verwechselt, in der Neuen Mitte wird die "sehenswerte und neue Tiefgarage" angepriesen und irgendwo dazwischen fällt der Begriff "legendär hohe Kneipendichte."

Das wäre ja alles nicht weiter schlimm, schließlich hat Karl May die ersten Winnetou-Romane ja auch geschrieben, ohne in Amerika gewesen zu sein. Doch leider kommt bei der digitalen Stadtführung das ein oder andere technische Problem dazu. Den Guide gibt es auf Leihgeräten im Stadthaus, als Aufnahme vom Band bei Telefonanruf oder als App. Hier wurde die neueste Errungenschaft, also die App getestet, die leider jedes Mal die Tonbeiträge unterbricht, wenn das Handy in den Ruhezustand übergeht. Das ist fast so anstrengend wie die ungenaue Standortanzeige. Als Tourist findet man den grünen Hof mit dieser Karte nie.

Der Ortsansässige lernt mit dem Audioguide wenig dazu, dafür gerät er schnell ins Träumen. Von einer Stadt, in der die Parkhäuser sehenswert, die Kneipen zahlreich und die Plätze pulsierend sind.

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