Test: Über Funk zu schnellem Internet

Auch in einem großstädtischen Zentrum wie Ulm und Neu-Ulm gibt es in Randgebieten weiter nur langsames Internet. Der Satellitenspezialist Level 421, normalerweise in Afrika tätig, will das mit Ulm-Connect ändern.

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Der Spezialist für Satellitenkommunikation Level 421 sorgt normalerweise für schnelles Internet und Telefonverbindungen in Afrika. Die Daten und Anfragen aus dem Kontinent laufen via Satellit an einer Empfangsstation im Ulmer Norden auf und werden über einen weiteren Funkturm am Firmenstandort Küfergasse angeliefert, von wo aus sie über Glasfaser in Frankfurt in das Internet eingespeist werden.

Nun will Level 421 die Infrastruktur nutzen, um schlecht angebundene Stadtteile mit schnellem Internet über Funk zu versorgen. Level-421-Chef Markus Haut: „Wir wollen etwas für Ulm machen.“ Er nennt das Projekt Ulm-Connect und betont den Testcharakter. Man wolle zunächst Demo-Kunden gewinnen.

Ein erster Testkunde wurde bereits gefunden. Es handelt sich um die Geschäftsstelle der Basketballer von Ratiopharm Ulm in der Neu-Ulmer Lessingstraße. Dort konnte Trainer Thorsten Leibenath bisher wohl keine ruckelfreien Videos von hoffnungsvollen Spielern herunterladen, weil es in dem Gewerbegebiet nur relativ langsame Anschlüsse und nicht die in innerstädtischen Arealen verfügbare superschnelle Bandbreite von bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Download gibt.

Haut bietet mit Level 421 enorme Geschwindigkeiten, zumindest für Businesskunden mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde. Der Home Service zum Einstieg für Privatkunden reicht bis zu 25 Megabit, der Pro Service als mittlere Variante bis 50 Megabit. Dazu werden Antennen in verschiedenen Größen bis zu Parabolschüsseln benötigt, die man beispielsweise am Balkon montieren kann. Es muss eine direkte Sichtverbindung zu einem Relais-Funkturm von Level 421 am nördlichen Rand von Ulm bestehen. Der Funkturm dient sonst als Zwischenstation für den Internet-Traffic aus Afrika, der an einem Teleport mit zwei Sechsmeter-Antennen in der Nähe von Drogerie Müller in Jungingen aufläuft und von dort aus in die Küfergasse übertragen werden muss.

Es gibt einen weiteren Funkturm im Donautal, und Haut wäre auch am Neu-Ulmer Wasserturm interessiert. Auch so deckt Level 421 jedoch den Raum zwischen Beimerstetten und Senden ab, im Osten ist Nersingen mit drin. Nur im Westen bereitet Blaustein ein Problem, weil es im Funkschatten des Eselsbergs liegt. Haut sieht nicht zuletzt im Industriegebiet Donautal ein großes Potenzial für Ulm-Connect – auch mit Telefonie und Flatrates für viele Länder, mit denen Level 421 bereits über Abrechnungsmodelle verfügt.

Die Preise für Ulm-Connect sollen erst nach der Testphase mit den Demo-Kunden festgelegt werden. Es gibt aber erste Vorstellungen, die bei Privatkunden von zehn Euro mit Acht-Megabit-Anschluss und drei Gigabyte monatlichem Download-Volumen bis zu Firmenpaketen für 2500 Euro mit Gigabit-Speed und einer Daten-Flatrate reichen. Telefondienste kommen extra dazu. Was ist der Unterschied zum LTE-Funknetz von Telekom und Vodafone? „Wir haben ein erheblich stärkeres Backbone“, verweist Haut auf die Kapazität der eigenen Infrastruktur. Außerdem: Verzicht auf Zweijahres-Verträge, Ausstieg ist jederzeit möglich. Level 421 garantiert die Geschwindigkeiten und Netzneutralität.

Ulm-Connect ist aber eher ein Nebenprodukt von Level 421. Die Firma stattet in afrikanischen Ländern Minen und Bohrstationen, Büros internationaler Konzerne, aber auch Krankenhäuser und Internet-Cafés mit Satellitentechnik für Internet- und Telefonverbindungen aus. Ein neues Projekt läuft mit den Behörden in Somali-Land. Der Bedarf an Bandbreiten in Afrika geht nach Hauts Worten „durch die Decke“, weil der Computer für Afrika erfunden wurde: das Android-Tablet, das in Billigversionen unter 100 Euro zu haben ist. Weil es keine ausreichende Glasfaser-Infrastruktur für das Internet gibt, bleiben Funklösungen aus Sicht Hauts auf längere Sicht unentbehrlich. Im Dschungel im Kongo gebe es nun einmal keine Alternative zur Satellitentechnik.

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