Bewohner stören sich an Temposündern im Wiley

Die Menschen in der Neu-Ulmer Südstadt leiden unter dem Autoverkehr: Er ist zu schnell – und wenn er steht, dann stört er.

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Groß 30 auf die Straße zu malen scheint so manchen im Wiley aber nicht davon abzuhalten, in der Südstadt Gas zu geben – auch die Bewohner selbst. Das wurde in der Bürgerversammlung deutlich.  Foto: 

Die Bürgerversammlung im Wiley war nicht nur gut besucht, es wurde auch lange diskutiert. Wie ein roter Faden zog sich das Thema Verkehr durch den Abend. In den Straßen der Südstadt wird zu schnell gefahren. Und wenn die Autos stehen, also Parken, dann an der falschen Stelle.

Die Stadt hat in der John-F.-Kennedy-Straße und in der Edison-Allee groß eine 30 auf den Asphalt malen lassen, in der Hoffnung, dass die Autofahrer weniger stark aufs Gas drücken. Schenkt man aber den Bewohnern Glauben, wird dennoch schneller gefahren. Das haben nicht wenige Bürger, vornehmlich Frauen, in der Versammlung beklagt. Klar wurde aber auch, dass es nicht selten die Bewohner des Wiley selbst sind, die auf die „Tube“ drücken. Die Polizei, die in der Versammlung anwesend war, verwies auf Kontrollmessungen, die „nicht auffällig gewesen sind“. Kein Wunder entgegnete jemand, denn die messenden Beamten in Uniform seien schon von Weitem zu sehen gewesen, außerdem hätten sie an einem Morgen um 10 Uhr gemessen. Und zu dieser Uhrzeit sei ohnehin in den Straßen wenig los.

Bürger kritisierten auch, dass „fast überall im Wiley wild geparkt wird“ – und das nicht nur, wenn die Basketballer in der nahen Ratiopharm-Arena spielen. Rund um die Hochschule sei das der Fall, ein Beleg dafür, dass es dort für die Studenten zu wenig Parkplätze gebe. OB Gerold Noerenberg konterte, dass die Hochschule nicht von der Stadt, sondern vom Freistaat gebaut worden sei und die Anzahl der Parkplätze höher als vorgesehen sei.

Was die Wilyaner auch stört, ist der Lärm, der vom zentralen Grünzug ausgeht. Dort gibt es einen Spielplatz mit einem Basketballfeld-Feld. Dieses sei nicht von Kindern, sondern bevorzugt von Erwachsenen in Beschlag genommen worden. Der Lärm an sieben Tagen in der Woche sei inzwischen unerträglich geworden, schimpfte eine Anwohnerin. Das Prallen der Bälle sei mitunter von 17 Uhr bis in die Nacht hinein zu hören, manchmal schon in den frühen Morgenstunden. Der OB sicherte zu, dass die Stadt das Basketballfeld jetzt durch ihren privaten Dienst öfters bestreifen lassen will.

Im Wiley läuft viel

Bevor die Bürger aus dem Wiley ihre Kröpfe leeren konnten, hatte – wie immer in Bürgerversammlungen – die Verwaltung das Wort. Je nach Fachbereich trugen der OB, und die Fachbereichsleiter vor, was im Wiley gerade entsteht. Und das ist immer noch eine ganze Menge: Von der neuen Dreifachturnhalle, die im Muthenhölzle gerade entsteht, werden auch die Wiley-Kinder profitieren, die dort von September 2018 an in die neue Mark-Twain-Grundschule gehen werden. Wobei eine Frau beklagte, dass diese Schule keine eigene Turnhalle habe. Neben dem Gemeindezentrum der Friedenskirche soll eine neue Kindertagesstätte entstehen mit 24 Krippen- und 50 Kindergartenplätzen – vornehmlich der Zustimmung durch die Kirchen-Gremien und nur, wenn die Finanzierung steht.

Gebaut wird im Wiley und drum herum auch an vielen Stellen. Nach dem Umbau soll der Wiley-Club unter neuer Führung in neuem Glanz erscheinen. Den größten Applaus gab’s aber für Fachbereichsleiter Tobias Frieß, der über die städtische Blumenzwiebel-Pflanzaktion berichtete. Dass das Wiley im wahrsten Sinn des Worten aufblüht, scheint den Bewohnern gut zu gefallen.

Kommentar zum Verkehr: Im Wiley lebt’s sich gut

Auch wenn das Wiley keinen Status als Stadtteil hat, lebt es sich offenbar gut da draußen im Süden Neu-Ulms. Vornehmlich junge Familien haben dort, wo früher Panzer und Per­shing-Rakteten den Kalten Krieg beherrschten, ein neues Zuhause gefunden. Viele identifizieren sich mit ihrem Wohnort und bringen das auch deutlich zum Ausdruck. Wie unlängst in der Bürgerversammlung.

Nein, dort waren nicht nur Meckerer anwesend, sondern auch Menschen, die klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie gerne im Wiley sind. Dass sie dennoch Probleme mit Rasern und Falschparkern haben, auch mit lärmenden Zeitgenossen, eint sie mit anderen Stadtteilen, auch mit der Innenstadt. Temposchilder am Straßenrand und große Ziffern, die auf die Straße gemalt werden, helfen nicht weiter. Auch die Polizei ist hilflos, müsste sie doch an vielen anderen Stellen gleichzeitig messend zugange sein.

Also bleibt nichts anderes übrig, als dass die Wileyaner das Problem selbst in die Hand nehmen. Dazu gehört auch einmal der sanfte Hinweis an den zu schnell fahrenden Nachbarn, dass er damit andere gefährdet. Das mag unbequem sein, hilft aber im Einzelfall weiter. Die Wileyaner könnten aber auch eine Aktion „Fuß weg vom Gas“ in ihrer Stadtteilzeitung ins Leben rufen. An Ideen sollte es den jungen Familien im Wiley doch nicht mangeln.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka.

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Kommentare

17.07.2017 21:34 Uhr

Antwort auf „30er Zohne ”

Sehr geehrter Herr Spitzlberger,
an den Zufahrten zum Wiley sind Schilder mit "30 ZONE" angebracht.
Das bedeutet daß bis zur Aufhebung der Tempolimit-Zone mit einem Extraschild grundsätzlich nur 30km/h schnell gefahren werden darf. Dazu braucht es keine Wiederholungen mit Schildern oder Bemalung der Straße. Die Bemalung ist eigentlich extra für Merkbefreite und Ignoranten angebracht. Das kann auch Anwohner beinhalten.

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17.07.2017 13:11 Uhr

30er Zohne

Endet normaleweise an jeder Kreuzung, also liebe Stadt Neu-Um wiso ist kein Verkehrszeichen in der Edisonalle das uf 30 hinweist sondern nur auf der Fahrbahn 30 aufgemahlt. Das ist nicht der Straßenverkehrsordnung konform. Schaut mal nach

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17.07.2017 08:45 Uhr

Zu kurz gedacht...

Wer kennt nicht die Geschichte von jemanden der immer um Hilfe ruft und dann die zu Hilfe eilenden auslacht. Bis zu dem Tag an dem er wirklich Hilfe bräuchte...

Mit den 30er Zonen ist es doch ähnlich! Wenn auf geraden übersichtlichen Straßen wie z.B. auf dem Bild der Wileys generell Tempo 30 eingeführt wird, muß man sich doch nicht wundern wenn man die Schilder nicht mehr ernst nimmt.

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