Teller statt Tonne

Ist die Gurke zu krumm oder die Zucchini zu groß, darf sie nicht in den Handel. Ein Aktionsbündnis macht dagegen EU-weit mobil.

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Diese Zutaten für die "Gemüsesuppe Ulm" sind höchstens für EU-Bürokraten Bio-Müll. Foto: Volkmar Könneke

15 Millionen Tonnen Lebensmittel werden nach Angaben der Organisation "Slow Food" jährlich in Deutschland "entsorgt". Oft nur deshalb, weil sie nicht ins System der EU Agrarnormen passen - man denke an die zu krumme oder zu kleine Gurke. "Verschwendung", sagt der niederländische Öko-Aktivist und Koch Wam Kat, zumal sich viele Menschen insbesondere in südlichen Ländern nicht ausreichend Nahrung leisten können. Und so kochte Herr Kat gestern auf dem Schuhhausplatz in einem Riesenkessel eine "Gemüsesuppe Ulm". Ingredienzien: Abfall, pardon, nicht normgerechtes Grünzeug vom Riesenrettich bis zur Schrumpftomate, das Marktleute vom Wochenmarkt dem von mehreren Umweltschutz- und Entwicklungshilfeorganisationen gestützten Aktionsbündnis "Teller statt Tonne" kostenlos zur Verfügung gestellt hatten. Gratis war auch die Suppe, die an Passanten ausgegeben wurde - wer Lust hatte, konnte auch beim Schnippeln mithelfen, wie Theo Düllmann vom ebenfalls beteiligten "Bündnis für eine gentechnikfreie Region Ulm" sagte.

Eingebettet war die EU-kritische Suppenverköstigung in eine ungleich größere Aktion: den europaweiten Fahrrad-Korso "Good Food March". Der startete am Samstag auf dem Münchner Odeonsplatz, machte gestern in Ulm Halt und soll am 19. September vor dem Europäischen Parlament in Brüssel enden. Mit Rädern fährt dabei ein harter Kern von gut 20 Umweltschützern und Landwirten rund 900 Kilometer durch Süddeutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien, auf den einzelnen Etappen - es gibt auch noch eine österreichische und eine niederländische Route - sind 50 Veranstaltungen geplant. Unterstützt wird der "Good Food March" unter anderem von BUND, Misereor, Slow Food und dem Bundesverband deutscher Milchviehhalter.

"Unser Ziel ist eine bessere Agrarpolitik", sagt Kampagnenleiter Jochen Fritz. Das bedeute etwa: keine Steuergelder mehr für Mais-Monokulturen, Gentechnik und Export-Dumping. Die EU dürfe nicht weiter Politik zugunsten der Agrarindustrie und zu Lasten bäuerlicher Familienbetriebe machen. "Denn das führt zu weltweitem Hunger und Höfesterben."

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