Telenet-Chef Kövi: "Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort"

Andreas Kövi, der Chef der Stadtwerke-Tochterfirma Telenet, verabschiedet sich in den Ruhestand.

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Chinesische Medizin. Fußreflexzonen-Massage. Laien-Theater. Lebensräume, die man schwerlich mit einem Mann in einem technischen Beruf in Verbindung bringt. Mit einem Mann, der es gewohnt ist, Schaltpläne für elektrische Anlagen zu lesen und die Bandbreite von Funknetzen zu bestimmen. Der die Datenkommunikation mittels Glasfaser vorantreibt und in Ulm und Neu-Ulm mit dazu beigetragen hat, dass heute alle Stadtteile am schnellen Internet hängen. Andreas Kövi, Chef der Stadtwerke-Tochterfirma Telenet, hat diesen Spagat geschafft. Der 65- jährige Langenauer tritt zum Jahresende in den Ruhestand.

"Ich bin zur Telenet gekommen wie die Jungfrau zum Kind", erzählt Kövi. "Vor gut einem Jahrzehnt haben wir dort fast bei Null angefangen. Und heute bin ich froh und stolz, was die Telenet-Mitarbeiter seither alles erreicht haben." Diese inzwischen 65 Mitarbeiter große Firma - 30 davon sind ausschließlich intern für die Betreuung der technischen Anlagen der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm tätig - existiert seit Januar 2001.

Geboren ist Kövi in der Nähe des Plattensees. Nach dem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in Ungarn waren seine Eltern 1956 nach Deutschland übergesiedelt. Er ging in Giengen zur Schule und lernte nach der Mittleren Reife Radio- und Fernsehtechniker. Später studierte Kövi Nachrichtentechnik an der Fachhochschule Ulm und arbeitete seit 1974 bei der Bahn in Stuttgart, wo gerade die S-Bahn mit einem digitalen Kommunikationssystem ausgerüstet wurde.

1987 wechselte Kövi dann zur Stadt Ulm. Als Gruppenleiter Fernmeldetechnik, einer Abteilung, die beim Hochbauamt angesiedelt war, sorgte er sich zunächst darum, dass die Mikrophone, Verstärker und Lautsprecher bei öffentlichen Veranstaltungen funktionierten oder dass städtische Gebäude mit Einbruch- und Brandmeldern ausgestattet wurden. "Im Jahr darauf", berichtet er, "ließ die Stadt die ersten Glasfaserkabel verlegen". Kabel mit acht Fasern; heute sind 144 oder 288 Faserpaare der Standard. Mit diesen Kabeln wurden städtische Anlagen verknüpft: der Schlachthof, das Wiblinger Schulzentrum, das Böfinger Bürgerzentrum.

"Damals hatten wir noch harte Kämpfe mit der Post auszufechten", erinnert sich Kövi. Das Staatsunternehmen bestand auf sein Monopol in der Kommunikations-Übertragung. Erst ein Gerichtsurteil ebnete der Stadt den Weg. Als wenig später das Internet in der Geschäftswelt und zunehmend auch bei den Privatleuten an Bedeutung gewann, hängte Ulm sich an das Projekt "Bayern Online" der bayerischen Staatsregierung an. Mit dem Ziel, die Nutzung der neuen Medien in der Doppelstadt Ulm und Neu-Ulm zu forcieren, entstand das Bürgernetz Telebus, das zum Schluss 3000 Mitglieder zählte.

In dieser Sparte aktiv, war es für Kövi nur noch ein Schritt zur Telenet der Stadtwerke. Als die Gründung des Tochterunternehmens anstand, bewarb er sich um den Chefposten - und wurde genommen. "So etwas kann man nicht anstreben oder steuern", bekennt er rückblickend. "Ich war eben zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort."

Im Jahr 2000 war das Glasfasernetz der Stadtwerke auf 30 Kilometer angewachsen. Und in der Stadtverwaltung hieß es: Da machen wir ein Geschäft draus. Also startete die Telenet mit zwölf Mitarbeitern. Heute liegen 420 Kilometer städtische Glasfaserkabel im Ulmer und Neu-Ulmer Boden. 20 000 Kunden werden darüber mit Kabelfernsehen und/oder Internet und Telefonie versorgt. Und Monat für Monat kommen 130 bis 140 weitere Kunden hinzu.

"Zwar stehen wir in harter Konkurrenz mit den Großen im Markt," hält Kövi fest. "Und begrenzen unser Angebot deshalb weitgehend auf Nischen, die den Großen nicht attraktiv genug erscheinen. Doch fast alles, was wir bisher angepackt haben, hat auch geklappt", freut er sich.

Fällt Kövi der Abschied aus dem Arbeitsleben schwer? "Ich habe mir für die nächste Zeit so viel vorgenommen, dass mir garantiert nicht langweilig wird", versichert er. Mit seiner Frau wohnt er in einem Reihenhaus in Langenau; ihre beiden Söhne sind erwachsen. Er kümmert sich um ein großes Gartengrundstück samt Bahnwärterhäuschen neben der Langenauer Bahnlinie. Bildet sich in chinesischer Medizin weiter, für die er sich seit Jahren interessiert. Er will die norddeutschen Flusslandschaften durchradeln, durch die süddeutschen ist er bereits gestrampelt. Und dann, sein größtes Ziel, das allerdings noch einiger Vorbereitungen bedarf: Die Transsibirische Eisenbahn soll ihn durch die schier unendlichen Weiten Osteuropas und Zentralasiens bis nach Wladiwostok am Pazifik bringen.

Auch sein langjähriges großes Hobby, das Theaterspielen, nimmt ihn in Anspruch. Als Mitglied der Laientheatergruppe im Langenauer Obst- und Gartenbauverein stand er in vielen Rollen auf der Bühne. Im aktuellen Stück, das Ende Januar aufgeführt wird, mimt er einen älteren Mann, der seine Jugendliebe wieder entdeckt.

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