Tannenbaum im Theater Ulm: Wenn es Nadeln regnet

In vielen Wohnzimmern stehen derzeit geschmückte Tannen. Das war bis Donnerstag im Theater Ulm auch so. Inklusive Absperrband.

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Der Christbaum des Theaters Ulm hat seinen Dienst getan. Am Donnerstag wurden die Kugeln abgehängt.  Foto: 

Der Christbaum ist des Deutschen liebster und schönster Baum. Der Eindruck entsteht zumindest jährlich zur Weihnachtszeit, wenn in den Wohnungen wieder die Nadelbäume leuchten und blinken. Nicht nur im Privaten, auch in öffentlichen Gebäuden schmücken Tannenbäume bereits in der Adventszeit Eingangsbereiche.

Im Ulmer Theater scheinen die Verantwortlichen besonders um das Wohl des Christbaums besorgt zu sein. Denn wie ein aufmerksamer Leser und andere Theaterbesucher bemerkten, schmückt den Baum in diesem Winter neben roten und goldenen Kugeln nicht etwa glitzerndes Lametta sonder ein rotweißgestreiftes Absperrband.

Wer vor oder in der Pause einer Aufführung sich den Baum genauer anschauen wollte, musste einen Mindestabstand einhalten. Doch warum? Zum Schutz des Baums oder zum Schutz der Gäste? Eine Zier ist der Christbaum wahrlich nicht mehr. Die Äste biegen sich auf den Boden. Allzu heftiger Kontakt mit Besuchern könnte einen Nadelregen oder herunterfallende Kugeln zur Folge haben. Genau das sei der Grund für das Absperrband, erklärt Robert Mauch, stellvertretender Verwaltungsdirektor des Theaters.

Bei näherem Betrachten fragt sich der Besucher aber, ob der Baum nicht auch zur Gefahr für den Besucher werden könnte. Scherben kaputter Glaskugeln liegen dort, wo sonst an Heiligabend die Geschenke zu finden sind.

Mauch ist überrascht, wie schnell der Baum die Äste hängen ließ. „So was habe ich noch gar nie gesehen. Der Baum wurde frisch geschlagen, bevor wir ihn Anfang Dezember im Foyer aufgestellt haben.“ Vielleicht, meint er, liegt es an der Sorte. „Es ist keine normale Fichte, sondern irgendwas besonderes.“ Am Donnerstag wurde dann auch das traurige Schauspiel beendet: Die Kugeln wurden abgehängt und der Baum entsorgt.

Doch ist ein solcher Baum in einem Haus der Kunst nicht viel mehr? Es könnte eine Dekonstruktion des immer mehr verklärten Weihnachtsfests darstellen. Oder ein modernes, vergängliches Kunstwerk sein. Am Schluss ist es aber doch nur ein Christbaum, der seinen Dienst getan hat.

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