Takata sichert Standort - Sitzgurte statt Airbags

Takata muss Millionen Autos wegen defekter Airbags zurückrufen. In diesem Umfeld kursierten Gerüchte, am Standort Ulm werde massiv Personal abgebaut. Das Forschungszentrum verlegt sich aber auf Gurte.

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Der Standort von Takata im Science Park II in Ulm soll zum einzigen europäischen Forschungszentrum für Sicherheitsgurte ausgebaut werden.  Foto: 
Der Takata-Standort Ulm im Science Park hat das Debakel des japanischen Autozulieferers mit der größten Airbag-Rückrufaktion aller Zeiten ohne tiefe Einschnitte überstanden. Das Entwicklungszentrum am Oberen Eselsberg musste zwar die Airbag-Forschung an die Werke Berlin und Miskolc (Ungarn) abgeben. Der Standort in der Lise-Meitner-Straße wird im Gegenzug jedoch zum einzigen europäischen Zentrum für Sicherheitsgurte ausgebaut, berichtete am Mittwoch Standortleiter Dr. Alfred Bahnmaier. Daher gebe es keinen Personalabbau. Vielmehr sollen Ingenieure, die zuvor Airbags entwickelt haben, nun an den Gurten forschen. Bahnmaier mit Blick auf die Takata-Produktsparte Seat Belts: „Wir haben große Aufträge von deutschen Kunden.“

Vor diesem Hintergrund hat Takata neue Büroräume in der Lise-Meitner-Straße angemietet und investiert drei Millionen Euro in den Standort Ulm – vor allem für Gurt-Testanlagen. Sicherheitsgurte bestehen aus etwa 40 Komponenten, die in der Entwicklung entsprechend überprüft werden müssen. Angesichts der guten Auftragslage war Personalabbau wegen der Airbag-Krise nach Bahnmaiers Worten „überhaupt kein Thema“. Es habe dazu auch eine Versammlung des Betriebsrats gegeben, mit dem man vertrauensvoll zusammenarbeite.

Wie zu hören ist, beschäftigt der japanische Konzern in Ulm sogar etwa 20 Ingenieure als Leiharbeiter, um Engpässe in der Entwicklung zu überbrücken. Im Zuge des Ausbaus in Ulm wird Takata auch ein neues Lager in Dornstadt anmieten. Der Konzern mit Sitz in Tokio verfügt insgesamt über 58 Werke in 21 Ländern und fast 50 000 Mitarbeiter.

In Ulm war Takata 1993 eine der ersten Firmen, die sich damals im Science Park ansiedelten: im ersten Gebäude an der Helmholtzstraße. Das 20-Jährige wurden 2013 gefeiert. Der Standort beschäftigt heute 300 Mitarbeiter, dazu kommen die Leiharbeiter. Deutschland-Sitz ist Aschaffenburg, wo Takata den deutschen Airbag-Hersteller Petri übernommen hatte. Daher lautete der Firmenname zwischenzeitlich Takata-Petri, nun jedoch Takata AG. In Ulm hatte Takata zuletzt 2012 etwa 20 Stellen abgebaut, aber ohne Kündigungen. Auch in der Krise 2008/ 2009 wurde Personal reduziert, später allerdings wieder aufgebaut.

34 Millionen Autos müssen in die Werkstätten

Rückruf Im Rahmen der größten Airbag-Rückrufaktion aller Zeiten müssen allein in den USA rund 34 Millionen Autos in die Werkstätten. Ältere Gasgeneratoren der Takata-Airbags können bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit - vor allem in entsprechenden Klimazonen - bersten. Es gab so schon Tote und Verletzte.

Austausch Die Metallteile der Generatoren fliegen anscheinend wie Schrapnelle durch die Luft. Takata fährt die Produktion neuer Generatoren zum Austausch hoch. Von September an betragen die Produktionszahlen in den weltweiten Werken eine Million Stück pro Monat.

Autos Fahrzeuge vieler Hersteller, vor allem japanischer Autoproduzenten, sind vom Rückruf betroffen. Für Schlagzeilen sorgte außerdem, dass bei mehr als 800 Ferrari die Airbags von Takata rausmüssen – wegen Problemen der Luftkissen auf der Fahrerseite.

 

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