Tage der Chor- und Orchestermusik enden mit Festakt und Auszeichnungen

Drei Tage lang machten 900 singende und musizierende Menschen Ulm und Neu-Ulm zu deutschen Musikhauptstädten. Am Sonntag endeten diese Tage der Chor- und Orchestermusik mit einem Festakt.

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Das Finale erklang schon mittendrin. Freilich war es das Finale aus Dvoraks Neunter, das die Sinfonietta Ulm gestern während des Festakts zum Abschluss der Tage der Chor- und Orchestermusik straff und bewundernswert klangvoll spielte. Dabei war es mehr als angemessen, dass im gut gefüllten Edwin-Scharff-Haus die jungen Ensembles aus der Region im Mittelpunkt standen: Stellte doch die Schulmusik einen Schwerpunkt dieser drei Tage dar, an denen die Amateurmusik in Deutschland hochgehalten und gefeiert wurde.

Andererseits ging es dabei durchaus auch um Tradition: Höhepunkt des Festakts war die Verleihung der Zelter- und Pro-Musica-Plakette – und die bekommen Chöre und Instrumental-Ensembles für mehr als 100-jähriges Bestehen verliehen.

Nach schwungvoller musikalischer Begrüßung im Foyer durch das Akkordeonorchester Kammeltal und einem pointierten Auftritt der Münchner „VoicesinTime“ war die Zeit fürs große Loben und Danken gekommen. Hans Jaskulsky, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände, schwärmte, er habe selten „solche Intensität und Freude am Musizieren und dabei eine solche Vielfalt“ wie an den drei Tagen in Ulm und Neu-Ulm erlebt.

In der Tat: 29 Vokal- und 15 Instrumental-Ensembles aus Süddeutschland, insgesamt rund 900 Mitwirkende, hatten die Donaustädte von Freitagabend an vielen Orten und auf vielen Bühnen erfreut, mit weltlicher und kirchlicher Musik, mit Singen und Jodeln, mit Streicherklang und Blechkraft, mit Renaissancemusik und Zeitgenössischem.

Die Bundesvereinigungen der Chor- und Orchesterverbände, die diese musikalischen Feier-Tage organisieren, „haben keinen Moment bereut, dass wir uns für Ulm und Neu-Ulm entschieden haben – es war ganz toll hier“, lobte Jaskulsky.

Bayerns Justizministerin Beate Merk beschwor Musik als gemeinsame Sprache der Welt und Bewahrerin regionaler Vielfalt. Ingeborg Berggreen-Merkel, die Kunst-Staatsminister Bernd Neumann vertrat, betonte, dass Musik nie unpolitisch sei. Und Claudia Rose vom Kunstministerium Baden-Württemberg kürte Laienmusikvereine zu „tragenden Säulen des Gemeinwesens“.

Angesichts der vielen Ansprachen zitierte Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats, einen T-Shirt-Aufdruck: „Red kein Blech, spiel’s lieber!“, betonte aber ebenso, man könnte die Amateurmusik nicht genug loben. Gerade auch Laien „machen Deutschland zum Musikland“. Die Veranstaltung finde in einer herausragenden „Jugend musiziert“-Region statt, sagte Krüger, und hob die Bedeutung der musikalischen Bildung hervor – gerade Ulm setze „fabelhafte Zeichen, was Schulmusik betrifft“.

Nach so vielen Wortbeiträgen sangen die Ulmer Spatzen mit Brahms „Wer da nicht zu seufzen weiß“, lieferten mit fein vorgetragenem Jazzig-Sakralem und ulkig choreografiertem Gospelschwung sogleich einen Beweis für die Klasse des vielgepriesenen Nachwuchses. Und die Junge Bläserphilharmonie Ulm legte deftig unter anderem „Riverdance“-Auszüge hin.

Krönung der Gala war die Verleihung der höchsten Auszeichnungen in der deutschen Amateurmusik: der Zelter-Plakette für Chöre und der Pro-Musica-Plaketten für Instrumental-Ensembles. 110 der Plaketten verleiht der Bundespräsident dieses Jahr, stellvertretend wurden gestern die Stadtkapelle Leipheim und die Sängerabteilung des TSV 1889 Bad Überkingen ausgezeichnet – Letztere dankten mit einem heimatlichen Sangesgruß.

Nach zweieinhalb Stunden ließen Bläserphilharmonie und Spatzen den Festakt mit einem verfrühten „Abendsegen“ ausklingen. Aber wenn mittendrin ein Finale erklingt, kann einen auch ein „Abendsegen“ in den Mittag entlassen. Hauptsache, die Musik wird mit Liebe dargebracht. Amateur kommt schließlich von „amare“ – lieben.

Kommentar, Seite 28

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