Besuch im Klassenzimmer - Tablets im Unterricht

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Einsinger Schüler sind begeisterte Tablet-Nutzer: „Wir müssen nicht so viel fragen, sondern können selber machen.“  Foto: 

Dritte Stunde in der vierten Klasse der Grundschule Einsingen. Die 24 Schüler haben an diesem Tag bei ihrer Klassenlehrerin Ariane W. Unterricht im Fach Mensch-Natur-Kultur. „Wir machen was zum Thema Strom“, sagt Schülerin Lea (10). Dazu sitzen die Kinder vor Tablets und klicken sich durch ein interaktives Arbeitsblatt, wie etwa dem Bauplan einer Glühbirne. Taha hat seinen schon erstellt, jetzt ist sein Nebensitzer Felix an der Reihe, denn immer zwei Schüler nutzen ein Gerät. An der Tafel zu sehen ist in Dauerschleife ein Film zum Stromkreis, abgespielt am Laptop. So sieht der Unterricht an der Referenzschule für Medienbildung aus, der einzigen unter den 24 Ulmer Grundschulen.

Lea und ihre Nebensitzerin Hannah haben zwar auch ein Tablet vor sich liegen, aber sie füllen – ganz klassisch – mit Stiften Arbeitsblätter aus. Dazu sollen sie ein Bild des Erfinders der Glühbirne aufkleben, also von Thomas Edison. Das wird ausgedruckt. Weil das noch nicht über die Tablets funktioniert, wird dafür ein Laptop eingeschaltet. Lea holt einen Ausdruck von Edison am Drucker ab. Hannah wirft einen Blick darauf und meint. „Das ist scheußlich, so verpixelt. Ich mal den jetzt einfach.“

Handschrift stirbt nicht aus

Ein Beispiel, das zeigt, wie an der Grundschule Einsingen mit digitalen Medien gelernt wird. Tablets und Co. und die „großen Chancen, die drin stecken“ werden als „zusätzlicher Baustein“ gesehen, beschreibt es Schulleiterin Tanja Strobel. Das Lernen im herkömmlichen Sinn werde übers Tippen an der Tastatur nicht vergessen, sagt auch Klassenlehrerin Ariane W.. „Die Handschrift stirbt nicht.“ Bevor sich die Schüler etwa an die interaktiven Arbeitsblätter zum Thema Strom gesetzt haben, hatten sie alle schon Glühbirnen in der Hand gehalten, Stromkreise gebaut und einer Expertin der regionalen Energieagentur zugehört.

Klassensatz mit 16 Tablets

Die Ausstattung der Grundschule kann sich sehen lassen: Neben 16 Tablets für die Schule stehen in jedem Klassenzimmer Medienwagen mit Notebook, Beamer und Dokumentenkamera. In jedem Klassenzimmer sind Drucker installiert. Den Löwenanteil der Kosten hat die Stadt übernommen. Dort hat man sich darauf geeinigt: „Alle Schulen werden nach und nach mit IT-Technik ausgestattet“, formuliert es Gerhard Semler, der Leiter der städtischen Abteilung Bildung und Sport. Pro Jahr sollen vier Grundschulen ausgestattet werden. Geschehen ist das an der Schaffner-, Gutenberg-, Riedlen-Grundschule und der Grundschule am Tannenplatz.

Bei den weiterführenden Schulen kommen in diesem Jahr die Gymnasien an die Reihe, die Realschulen (2018), die Gemeinschafts- und Werkrealschulen (2019) und die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (2020). Schließlich seien nach vier bis fünf Jahren „die Rechner durch“, sagt Semler. Wobei nicht die Endgeräte so teuer sind, sondern der Netzausbau mit Glasfaser, sagt Christine Baumgartel, für die IT-Ausstattung der Schulen zuständig.

Referenzschule für Medienbildung ist die Einsinger Grundschule zum Januar geworden. Die Schule musste sich beim Landesmedienzentrum Karlsruhe darum bewerben. Ein Grund dafür war, dass Baden-Württemberg mit der Bildungsplanreform 2016 die Medienbildung erstmals festgeschrieben hat. Alle Schüler quer durch alle Schularten sollen demnach zu einem „selbstbewussten und kompetenten“ Umgang mit Medien befähigt werden. In Einsingen habe man überlegt, wie man dem Anspruch gerecht werde. Der Vorteil als Referenzschule: Sie wird für eineinhalb Jahre vom Kreismedienzentrum Ulm fünf Stunden pro Woche betreut. Der Schulnetzberater Esat Sentürk und der medienpädagogische Berater Simon Leinmüller sind zuständig. Darüber ist Strobel froh, denn längst laufe nicht alles rund.

Bei einem Elternabend stellte sich heraus, dass die meisten Eltern den Tablets „offen gegenüber stehen“ (Strobel). Die Schülerinnen Hannah und Lea beurteilen das Arbeiten damit so: „Das ist voll cool. Wir müssen nicht mehr so viel fragen, sondern können selber machen.“

Vorgaben Bereits in der jüngsten Sitzung des Schulbeirats und einer Sitzung des Ausschusses Bildung und Soziales standen die künftigen Kosten für die IT-Ausstattung auf der Tagesordnung. Alle einigten sich darauf, für das kommende Haushaltsjahr 550.000 Euro bereitzustellen, im Jahr 2019 nochmal 450.000 Euro und für 2020 dann 390.000 Euro. Laut Semler läuft es in Sachen IT-Ausstattung in Ulm „sehr gut. Wir versuchen vorne mitzuspielen“. Was ihn ärgert ist, dass das Land keine klaren Vorgaben gibt, wie die Schulen auszustatten sind. Gleichwohl: „In Ulm ist man dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen.“

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