Szenen eines Umzugs

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Einen entspannten Eindruck macht Anna Maria Eisenschink. "Wir sind bestimmt eher fertig", sagt die Pflegedirektorin des Uni-Klinikums und blickt auf die Armada an Krankenwagen, 38 an der Zahl, sie sind vor dem Haupteingang der alten Klinik am Safranberg aufgefahren. 7.54 Uhr, der erste Patient, ein junger Mann, wird von Sanitätern ins Fahrzeug geschoben. "Alles klar?" Er nickt. Die Begleitperson steigt ein. Jeder Patient hat einen persönlichen Betreuer, er ist Ansprechpartner für den Patienten, kümmert sich um ihn bis zur Ankunft im neuen Zimmer am Oberen Eselsberg. 7.59 Uhr, der Krankenwagen fährt los . . .

Erwartungsvoll, einen Fotoapparat in der Hand, steht Prof. Rainer Wirtz, Chef der Neurochirurgie, auf der Balustrade über dem Hintereingang zur neuen Chirurgie, wo die Krankenwagen im Minuten-Takt einrollen. 8.15 Uhr, gleich soll der erste von insgesamt sechs Patienten für seine Station eintreffen, ein Wirbelsäulenverletzter. Wirtz beschreibt seine Stimmung als "freudig erregt". Das liege auch daran, dass er heute erstmals seit Jahren einen Tee mit klarem Leitungswasser zubereitet habe. "In der alten Chirurgie kam morgens immer braunes Wasser aus den Leitungen."

Anästhesie-Chef Prof. Michael Georgieff läuft mit grimmiger Miene aus dem Hintereingang der neuen Chirurgie, es ist 8.45 Uhr und er ist ungehalten. "Das sind die absoluten Penner", schimpft er auf das Rote Kreuz. Am Safranberg seien einige Fahrzeuge nicht gleich abfahrbereit gewesen, als es darum ging, Intensivpatienten zu verlegen. Außerdem hätten die passenden Beatmungsgeräte gefehlt.

Ja, ist das hier ein Feldlazarett? Man könnte es fast meinen. Der Eingangsbereich der alten Klinik sieht ein bisschen so aus; fünf, sechs Betten mit Patienten stehen dort, Ärzte, Pfleger, Sanitäter wuseln herum. Mittendrin Horst Hartmann, er ist "Streckenposten", im Normalberuf arbeitet er als OP-Pfleger. Dass die richtige Person mit den richtigen Papieren im richtigen Krankenwagen landet, das ist der Job des Streckenpostens. "Wir sind voll in der Zeit", sagt Horstmann. Und im Hintergrund läuft die Uhr - Zeit bis zur Eröffnung der neuen Chirurgie: 1 Stunde, 42 Minuten, 7 Sekunden. . .

Bettenstation E 4 in der neuen Chirurgie. Es ist 7.30 Uhr, noch kein Patient da, 19 sind für heute angekündigt. Schwestern räumen auf und beziehen die letzten Betten. Aufgeregt? "Ich hab drei Wochen Schulung hinter mir, ich kenn mich jetzt gut hier aus", sagt der stellvertretende Stationsleiter Mike Müller. "Im Alltag ändert sich ja nichts."

Achtung Verletzungsgefahr - 14 Journalisten treffen eine Patientin. Wenn das mal gut geht. Elisabeth Bloching ist heute so etwas wie die Vorzeigepatientin, die 61-Jährige lässt den Presserummel in Zimmer 1.71 fast professionell über sich ergehen. Wow, sagt sie, das ist ja der Wahnsinn. Und alles wegen ihres frisch operierten Knöchels. Sie lacht, sie war noch nie im Krankenhaus - und jetzt? Jetzt liegt sie an einem Tag gleich in zwei Kliniken. Wenig später wird sie in den Krankenwagen geschoben. Auf zur Stadtrundfahrt, sagt sie. Alles auf Kosten der Krankenkasse.

Die Krankenwagen fahren ein und aus, und Peter Vogel sitzt da. In seinem Pförtnerhäuschen. Er hat auf den Bildschirmen, die vor ihm stehen, vor allem die Fahrstühle im Auge. Wenn die jetzt ausfielen, "das wäre ganz schlecht", sagt er. Vogel scheint der einzige zu sein, der Trauer trägt. "Schade, dass man 100 Jahre Klinik am Safranberg nicht feiert. Das hätte sie verdient." Hier seien Menschenleben gerettet worden, hunderte, tausende . . .

Prof. Florian Gebhard freut sich, dass er endlich die alten grünen Kacheln im OP-Saal los wird. Was er, der Chirurgie-Chef, nach dem Umzug noch vorhat? "Ich werde meine alten Schlüssel abgeben."

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