SWP-Debatte zum Innenstadtleben: Einigkeit über mehr Konsequenzen gegen Auswüchse

Eine SWP-Debatte im Stadthaus fragte nach dem Leben in der Innenstadt zwischen laut und leise. 200 Interessierte kamen. Konsens ist: Regeln müssen eingehalten und es muss stärker kontrolliert werden.

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"Von leise bis laut": Die Debatte über das Leben in der Innenstadt ist ein Dauerbrenner und füllte am Dienstag auf Einladung der SÜDWEST PRESSE den Stadthaussaal. Viele Besucher beteiligten sich an der Diskussion, die sehr emotional, aber nur ganz selten polemisch geführt wurde. Foto: Matthias Kessler

Die Diskussion über das vor allem nächtliche Treiben in der Ulmer Innenstadt reißt seit Jahren nicht ab und findet weiter reges Interesse: Am Dienstagabend sind 200 Ulmer auf Einladung der SÜDWEST PRESSE zu einer Debatte über das Thema in den Stadthaussaal geströmt, die zeigte: Die Argumente mögen alle ausgetauscht sein, aber praktische Lösungsansätze sind nach wie vor nicht in Sicht, geschweige denn ein goldener Weg. So lief die Diskussion, moderiert von SWP-Online-Redakteurin Dana Hoffmann und SWP-Redakteur Willi Böhmer, am Ende auf die Stadträte zu: Was hat der Gemeinderat eigentlich bisher getan, um die Situation zu entschärfen?

Unmut und Frust der Anwohner jedenfalls sind riesengroß und konnten sich an diesem Abend in vielen Beispielen artikulieren, für viele war da auch einfach mal Kropfleeren angesagt. Dabei geht es weniger um die Ausschweifungen an Schwörmontag, dieser wird als einmaliger Festtag im Jahr so durchaus akzeptiert. Was vielmehr nervt, ist der Dauerstress mit lauten Kneipengästen, Betrunkenen und durchgedrehten Autofahrern, wie eine Anwohnerin aus dem Fischerviertel sagte: "Mein Problem sind Donnerstagnacht, Freitagnacht, Samstagnacht..." Obendrein wird der fortdauernde Festbetrieb moniert, wenn es zum Beispiel gleich nach Schwörmontag mit dem Aufbau des Ulmer Weinfests weitergeht.

Die Analyse, dass das Leben in der Stadt keine Pause mehr macht, war auf dem Podium nicht umstritten. Roland Häußler, Leiter der städtischen Bürgerdienste: "Die Stadt kommt nicht zur Ruhe." SPD-Stadtrat Martin Rivoir: "Das Leben kommt nicht mehr runter." Das hat mit Ladenöffnungszeiten, praktisch aufgehobenen Sperrzeiten für Kneipen und verändertem Freizeitverhalten zu tun. Dietmar Reinborn von der Regionalen Planungsgruppe Mitte/Ost spitzte dies mit Blick auf die Partygänger so zu: "Die Leute kommen mit dem letzten Bus oder Zug nach Ulm und fahren mit dem ersten zurück."

Trotzdem konnte Häußler nur von "relativ wenig" Beschwerden berichten. Er forderte die Kritiker auf: "Sie müssen auf uns zukommen." Erst dann könne man reagieren. Für Rivoir und seinen Stadtratskollegen Christof Nagel von der CDU ist das rege Treiben erst mal Ausdruck der Attraktivität der Stadt. Tenor allerdings auch unter denen, denen das Kneipenleben lieb ist, ist, dass Regeln eingehalten werden müssen.

Das heißt für Häußler im Umkehrschluss erstens, Veranstalter und Wirte noch stärker in die Pflicht zu nehmen, vor der eigenen Haustür zu kehren, und zweitens, stärker zu kontrollieren, wobei die Stadt hierbei an personelle Grenzen stoße. Rivoir bekräftigte: "Wir sollten die Polizeipräsenz in der Nacht verstärken." Und vielleicht auch beim Kommunalen Ordnungsdienst nachsteuern. Das wurde im Publikum begrüßt. Dieser wird derzeit von zwei Doppel-Streifen geleistet. Dahinter steckt aber auch ein Dilemma, wenn Häußler sagt: "Wir füllen mit dem Kommunalen Ordnungsdienst die Lücke im Stadtbild, die die Polizei hinterlässt."

Auch Präventivmaßnahmen wurden ins Spiel gebracht. Nagel denkt da neben der "wichtigen Polizeipräsenz" an mehr mobile Jugendarbeit, um den Alkoholkonsum unter Jugendlichen in den Griff zu bekommen. Reinborn kann sich gezielte Angebote seitens der Stadt vorstellen, "Nachtsport" zum Beispiel.

So oder so: Wie viel unterschwellige Wut in der ganzen Debatte weiter drin ist, zeigte eine Bemerkung Reinborns, die unfreiwillig polemisch rüberkam: "Wer in die Innenstadt zieht, weiß, worauf er sich einlässt." Das löste das größte Gejohle des ganzen Abends aus.

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Kommentare

28.09.2012 01:19 Uhr

Münsterglocken

Ich habe diese Diskussion sehr interessiert verfolgt,und bin generell der Ansicht,dass man in der Innenstadt als Anwohner mehr vertragen muß als ausserhalb.Noch interessanter war aber danach das Gespräch mit einer Touristin aus Istanbul(Christin!): Wie man denn den Münsterplatzanwohnern dieses extrem laute Kirchengebimmel die ganze Nacht zumuten könne,das ja eigentlich völlig unnötig sei.Sie selbst wohne im Hotel am Münster, und könne in keinster Weise diese Folter nachvollziehen!Sie sei im Übrigen auch der Ansicht,dass das allmorgendliche Geschrei der Muezzine in Istanbul genauso verboten gehöre.Beides gehört zum jeweiligen Kulturkreis,hat sich aber möglicherweise auch beides überholt.

In der Diskussion selbst war mir aufgefallen,dass die Dame mit dem Mikrofon im Publikum mit ihren Klapperstöckelschuhen das Zuhören häufig durch entrechendes herumklappern sehr beeinträchigt hat.Das nächste Mal sollte sich diese Dame vielleicht etwas professioneller vorbereiten(Turnschuhe).

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