Supermarkt auf Uni-Campus: Diskussion um Standort

Dass der Uni-Campus einen Supermarkt braucht, darüber herrscht Konsens. Aber: Wo soll er hin? Beim Standort gehen die Meinungen auseinander.

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Rechts vom Parkhaus gäbe es ein freies Grundstück für einen kleinen Supermarkt, doch der ist schon reserviert für ein anderes Bauvorhaben  Foto: 

Rund 14.000 Menschen fahren werktags auf den Oberen Eselsberg, um dort zu studieren oder zu arbeiten - die Wissenschaftsstadt ist quasi ein Stadtteil für sich. Größer beispielsweise als die Oststadt, Söflingen oder Böfingen. Mit dem Unterschied: Geschlafen wird woanders. Eingekauft auch? Das ist die Frage, die die SPD-Fraktion auf der Klausurtagung des Ulmer Gemeinderats aufgeworfen hat. Die Genossen sehen nach dem Umzug der Chirurgie und dem Bezug zweier Campus-Wohnheime den Bedarf für ein Nahversorgungszentrum auf dem Campus. Das Kundenpotenzial habe sich dadurch erhöht, "wir beantragen, dass die Verwaltung eine entsprechende Grundsatzentscheidung über einen Standort trifft und mit potenziellen Investoren Kontakt aufnimmt", heißt es im SPD-Antrag.

Volker Jescheck würde die Vorlage lieber heute als morgen aufnehmen und umsetzen, steht ein Lebensmittelmarkt doch auf der Agenda des Masterplans Wissenschaftsstadt. Der Ulmer Stadtplaner hat auch schon ein Grundstück im Auge, "zentral, direkt an der Einstein-Allee, neben dem Klinik-Parkhaus", als hätte es nur drauf gewartet, für diesen Zweck bebaut zu werden. Kein großflächiger Markt übrigens, weil dafür die so genannte Mantelbevölkerung fehle, wie Jescheck erklärt. Mähringen, Lehr und Jungingen seien gut versorgt, Mähringen sogar mit einem Dorfladen. "Das sind schützenswerte Zentren, deshalb kommt nur ein kleiner Supermarkt auf dem Campus in Frage, einer, der keine Konkurrenz darstellt." Die Stadt sei zwar mit dem Land im Gespräch, könne aber nur vermitteln. Der Grund: Die Grundstücke auf dem Oberen Eselsberg gehören fast alle dem Land. Besagtes natürlich auch.

Und mit dem hat der Leiter des Ulmer Amtes Vermögen und Bau Baden-Württemberg gänzlich anderes im Sinn. "Wir wollen dort eine Anlaufstelle für Studierende schaffen, ein studentisches Dienstleistungszentrum", sagt Wilmuth Lindenthal. Bleibe noch eine Fläche übrig, kann er sich dort eine Bäckerei und eine Filiale der Sparkasse vorstellen, "weil wir dort oben schon Infrastruktur benötigen". Gegen einen Supermarkt an dieser Stelle sprächen aber die fehlenden Parkplätze entlang der Einstein-Allee. "Ich sehe das momentan eher zurückhaltend. Wir haben keinen Druck, ein solches Projekt muss reifen", sagt Lindenthal. Das gilt im Übrigen auch für den Alternativ-Standort, den Jescheck als "Plan B" ins Spiel bringt und der von der SPD-Fraktion favorisiert wird: den Parkplatz, der im Zwickel zwischen Berliner Ring und Einstein-Allee liegt.

Claus Kaiser, Geschäftsführer des Studentenwerks, weiß von der Suche nach einem Standort für eine Supermarkt. Wo der letztlich entstehen wird, ist ihm eigentlich egal. "Was die Versorgungsstruktur der Studierenden verbessert, unterstützen wir", vertritt Kaiser einen eher pragmatischen Ansatz. Für ihn stellt sich die Frage: Sieht ein Investor überhaupt einen Markt?

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