Süddeutsche Meisterschaft im Science Slam im Roxy

Je zehn Minuten hatten die fünf Science Slammer im Roxy, um das Publikum zu überzeugen. Sieger sind Jens Dittrich und der Ulmer Henning Beck.

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Was ist der Unterschied zwischen einem Physiker und einem Informatiker? Auf einer Party nach seiner Tätigkeit gefragt, kann der Physiker nicht antworten, so kompliziert ist die Materie. Das Problem hat der Informatiker nicht – er wird erst gar nicht eingeladen.

Wer seine wertvollen zehn Science-Slam-Minuten mit einem derart charmanten Witz beginnt wie der Informatiker Jens Dittrich aus Saarbrücken, dem sind die Herzen seines Publikums schon einmal geneigt. Erobert hat er die der Menschen im ausverkauften Roxy, als er verkündete, er widme seinen Vortrag lieber einem Spiel als der Informatik. In den mit viel Witz und Ironie gespickten zehn Minuten ist es am Ende dann doch um die Informatik gegangen, was das Publikum mit tosendem Applaus honoriert. Wer hätte auch gedacht, dass schnöde Computersoftware einem unterhaltsamen Strategiespiel gar nicht so unähnlich ist?

Dass Dittrich seine drei Vorredner im Kampf um die süddeutsche Meisterschaft im Science Slam praktisch in die Tasche gesteckt hatte, schien am Dienstagabend sicher. Dabei hatten Prof. Eduard Heindl mit „Schwerkraft statt Atomkraft“, Markus Berg mit „Verdammt, wo ist der Ton?“ und Fabian Oberfahrenhorst mit „Leben und leben lassen“ durchaus unterhaltsam komplizierte Themen wie alternative Energiegewinnung, die Tücken der Liveübertragung von Tonaufnahmen und dem bunten Leben auf mittelalterlichen Friedhöfen in die Kürze der zehn Minuten, die jedem Slammer zustanden, gepackt.

Nur hatte Dittrich eben den besonderen Dreh raus, das Publikum zum Ausflippen zu bringen. Nicht einfach für den letzten Kandidaten, den Ulmer Biochemiker und Fast-Doktor Henning Beck, danach anzutreten. Aber Beck gelang das fast Unmögliche: Von seinem Vortrag „Speed up your mind“ über das Zustandekommen von Geistesblitzen waren die Zuhörer ebenso begeistert wie von Dittrichs.

Kein Wunder, erklärte Beck doch, warum Hamburger und Würstchen eher einen Geistesblitz hervorbringen können als etwa Äpfel. Zumindest hat es die fett- und eiweißreiche Kost unseren Nervenzellen offenbar im Laufe der Evolution ermöglicht, Impulse mit bis zu 400 Stundenkilometern zu übermitteln. Dagegen sieht eine Raupe mit 10 km/h ganz schön alt aus. Ob weitere Burger zu mehr Geistesblitzen verhelfen, sei aber dahingestellt. Obwohl: „Wenn man das Essen in der Mensa anschaut – so viel Fett und Eiweiß“, schiebt Beck nach. „Die wollen uns sicher etwas Gutes tun.“

Bei allem Witz, den wissenschaftlichen Ernst ließ auch Beck nicht aus den Augen. Sein Team forscht über die Bedeutung eines bestimmten Genschalters, der die für die Impulsübertragung unerlässlichen Verbindungen von Nervenzellen und „Helferzellen“, den Oligodendroglia, ermöglicht. „Das könnte helfen, Krankheiten wie Multiple Sklerose besser zu verstehen“, fasst Beck zusammen.

Wäre es am Ende um die Frage gegangen, ob Beck oder Dittrich lauteren Applaus bekommen hat – denn der entscheidet über den Sieg –, wäre es nochmal nervenaufreibend geworden im Roxy. Zum Glück dürfen zwei Vertreter aus Süddeutschland am 9. November zum Bundesfinale nach Karlsruhe.

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