Stumpfe & Co: Von "geht so" bis erstklassig

"Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" bewegt sich textlich zwar gerne im Schwäbischen. Doch auch außerhalb desselben kann sie sich hören lassen.

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Die Welt ist kleiner als man denkt. Wem dies bis zum vergangenen Freitag nicht wirklich klar war, der konnte sich anhand der "Welttour"-Pläne von "Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" ein Bild davon machen. Deren Welt erstreckt sich nämlich im Wesentlichen von Bretzfeld bis Eybach.

Eine weitergehende Tourneeplanung würde auch keinerlei Sinn machen, denn die zum Teil äußerst betroffen machenden Texte des Quartetts versteht - auch im sehr nahen Ausland - kein Mensch. Schon nach den ersten Lauten ("Endlich ischs so weit"), die da von der Bühne ins genagelt volle Roxy drangen, war klar: "Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" ist ein original schwäbisches Produkt.

Nicht nur in akustischer Hinsicht trifft dies zu, auch die gesamte Bühnenlocation strahlte geballte Heimeligkeit aus. Lampen und Lämpchen, eine Sonnenblume, sogar der gute Teppich durfte nicht fehlen - der dann auch sofort das Schwaben-typische Kehrwochen-Gen der Musiker aktivierte: "Den hemmer vergessa zom sauga . . ."

Die Beliebtheit von Herrn Stumpfes Kapelle resultiert mit Sicherheit zum Großteil aus diesem hohen Maß an Bodenständigkeit. Oder sind es doch die zur Pause ins Publikum geschleuderten belegten Brote? Im Schwäbischen weiß man den Gratis-Faktor bekanntlich zu schätzen.

Sicher ist: Bodenständigkeit und Vesper allein würde die Säle nicht füllen: Die Zieh & Zupf- Kapelle hat auch musikalisch einiges vorzuweisen. Benny Banano, Flex Flechsler, Manne Arold und Selle Hafner sind allesamt Multiinstrumentalisten. Das geht vom Waschbrett über diverse Gitarren, Akkordeone, Blasinstrumente und Kontrabässe bis zum Klavier. Was da der Einzelne in welcher Qualität genau zupft und zieht und bläst, das zu prüfen würde eine exakte Buchführung während des Auftritts erfordern und würde den Rahmen dieser Ausführungen sprengen.

Es ist auch nicht so wichtig und geht jedenfalls von "geht so" (Flex Flechsler am Schlagzeug), bis "erstklassig" (Benny Banano am Kuhlo-Horn). Das gleiche gilt für die Auswahl der Stücke. Die sind zum Teil nicht der Rede wert und dann wieder sehr pfiffig und überraschend arrangiert.

Zweiteres trifft vor allem zu auf eingeschwäbelte Welthits, wie den Comedian-Harmonists-Ohrwurm "Ein Freund, ein guter Freund" ("A guatr Freind"), Chuck Berrys "You Never Can Tell" ("Jung gefreit") oder Peter Sarstedts "Where Do You Go To My Lovely?" ("An was denksch du morgens?"). Herr Stumpfe kann es aber - man höre und staune - auch ganz ohne Schwäbeln. Zum Beweis: "Caravan". Ein unter fliegendem Instrumentenwechsel prima gespielter Duke Ellington-Klassier. Nicht nur deswegen waren die Ulmer Fans komplett aus dem Häuschen.

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