Studie: Bundesstraßen bedeutend für LKW-Verkehr

Der Schienen-Güterverkehr in der Region ist stark und an seiner Kapazitätsgrenze. Ein Ausbau wäre wünschenswert, meint die IHK-Ulm im Zusammenhang mit einer Studie.

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Der Containerbahnhof Ulm-Dornstadt ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Die Betreiberfirma DUSS verhandelt bereits über den Ausbau.  Foto: 

Wohin transportieren Unternehmen ihr Waren, wie viel im Jahr, womit findet der Transport statt, auf welchen Routen und welche Probleme gibt es dabei? Das sind im Kern die Fragen, mit der sich eine Studie des Fraunhofer Instituts beschäftigt hat. Auftraggeber waren vier Industrie- und Handelskammern im bayerisch-württembergischen Grenzbereich: Schwaben, Ulm, Ostwürttemberg und Bodensee-Oberschwaben.

„Befragt wurden 505 Unternehmen“, sagte Matthias Proske, Leiter der Abteilung Standortpolitik bei der IHK Ulm, der die Ergebnisse gestern vorstellte. Sinn der Studie: Was kann man verbessern, wo gibt es Handlungsbedarf, reicht die vorhandene Infrastruktur aus?

„Der gemeinsame Hauptnenner war die Anzahl der Tonnagen pro Unternehmen im Jahr 2013“, führte Proske weiter aus. Sie wurden je nach Art der Güter in 13 Gruppen aufgeteilt. Abgesehen davon, dass sich heraus kristallisierte, welche Güter in der Großregion am häufigsten verlassen, und gleichzeitig, welche am häufigsten eingeführt werden, haben sich folgende Erkenntnisse ergeben:

Viele Bundesstraßen beiderseits der Landesgrenzen sind für die regionale Wirtschaft genau so wichtig wie Autobahnen. „Auf einigen dieser Straßen werden fünf bis zehn Millionen Tonnen pro Jahr bewegt“, erläuterte Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. Das bestätige, dass die Haltung der Kammern zum Bundesverkehrswegeplan  2030 richtig sei: „Der Ausbau der B 311 bei Erbach etwa, um regionale Engpässe zu beseitigen, ist von enormer Wichtigkeit.“ Sälzle nannte in diesem Zusammenhang auch die B 312 Biberach-Memmingen, deren Ausbau laut Bund jedoch in den kommenden 15 Jahren kaum eine Chance hat. Das sei angesichts einer prognostizierten Zunahme von 38 Prozent des Straßengüterverkehrs bis 2030 ein falsches Signal.

Gerade Staus auf den Straßen sowie mangelnde, allgemeine Kapazitäten würden von den Unternehmen beklagt. Als am meisten belastete Straßen seien unter anderen die A7 und A8 sowie die B10, 29, 30 und 31 genannt worden, sagte Sälzle.

Was den Güterverkehr auf der Schiene betrifft, so gibt es mehrere Erkenntnisse: Zum einen liegt die Region weit unter dem deutschen Durchschnitt: Nur 1,5 Prozent der Waren werden mit Zügen transportiert (sonst acht Prozent). Auffallend: Es werden annähernd doppelt so viele Güter in der Region über die Schiene entladen wie die Region über die Schiene verlassen. Ursache dafür sind vor allem Transporte von Massengütern, bei denen die Region „Importeur“ ist, insbesondere Mineralölprodukte, sagte Proske.

Zum anderen seien die Umschlagbahnhöfe Augsburg sowie Ulm-Dornstadt stark ausgelastet. Letzterer sei mit  annähernd 100 000 Containern pro Jahr mittlerweile fast vier Mal so groß wie der vorherige im Stadtgebiet Neu-Ulm. Aber: „Die Kapazitätsgrenze ist erreicht“, sagte Sälzle. Wünschenswert deshalb seitens der IHK und der Betriebe wäre aus ökonomisch und ökologischen Gründen eine Erweiterung der Gleise. „Wir möchten vor allem eine Anbindung an die Südbahn erreichen, die Güter nach Österreich und Italien transportiert.“ Die Fraunhofer-Studie liefere Argumentationsmaterial dafür. Gut zudem, dass ein erster Schritt zum Ausbau bereits absehbar sei: Zu Beginn des Jahres 2017 werde ein dritter Portalkran in Dornstadt installiert.

Engpässe im Güterverkehr auch Richtung Stuttgart

Schiene Nicht alle Produkte eigneten sich für diese Art Transport, erklärte Matthias Proske. Neben verderblichen Waren auch jene, die termingebunden beim Kunden ankommen müssten, die in geringer Stückzahl verschickt werden, nicht auf Paletten verladen werden können und sehr teuer sind. Geeignet sei beispielsweise die so genannte Weißware, also Haushaltsgeräte sowie Futtermittel.

Güterverkehr Engpässe auf der Schiene hat die Studie auch Richtung Stuttgart ausgemacht. Auf der Neubaustrecke der Bahn von Ulm nach Stuttgart werden jedoch bekanntlich keine Güterzüge fahren. Sie ist zu steil. Dennoch werde sich nach Ansicht Sälzles die Lage verbessern, wenn die neue Strecke fertig ist: „Die bisherige Strecke durchs Filstal hat ja dann mehr Kapazitäten als jetzt.“

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