Rock your life: Studenten unterstützen Schüler auf dem Weg ins Berufsleben

Neu-Ulm.  "Rock your life!" So lautet die Botschaft. Dahinter steckt eine Studenten-Initiative, die Schülern dabei hilft, ihren eigenen Weg in die Berufswelt zu finden. 22 Jugendliche aus drei Schulen machen mit.

Beschnuppern, erstes Kennenlernen, Speeddating - man kann viele Worte finden, um das erste Aufeinandertreffen der Ulmer Studenten mit ihren künftigen Schützlingen an der Peter-Schöllhorn-Schule zu beschreiben. Wobei "Schützlinge" nicht passt. "Die Coaches begegnen den Schülern auf Augenhöhe", sagt Christopher Meyer zu Reckendorf. Das ist ein wichtiges Element bei "Rock your life", vielleicht sogar das Wichtigste.

Was aber steckt hinter der Idee? Die Bildungsinitiative wurde 2008 von Studenten an Friedrichshafen gegründet. Auslöser war eine Diskussion mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück über die Frage, wie das Phänomen der vererbten Perspektivlosigkeit, die mangelnde soziale Mobilität in Deutschland, zu beheben sei. Hört sich hochtheoretisch an, blieb es aber nicht, denn eine Gruppe um Stefan Schabernak beschloss, etwas daran zu ändern. Parallel dazu gewannen die Studentinnen Elisabeth Hahnke und Christina Veldhoen mit ihrem Konzept, wie man Schüler in Job- und Schulfragen unterstützen kann, ein Stipendium für soziale Projekte. Beide Gruppen fanden sich zusammen und gründeten 2008" Rock your life". Zwei Jahre später wurde daraus eine gemeinnützige GmbH. Schabernak, Hahnke und Veldhoen sind heute deren Geschäftsführer.

Inzwischen hat "Rock your life" 21 Standorte. Überall haben sich Teams gefunden, die an ihren Studienorten mit Haupt-, Mittel- Werkreal- und Realschulen zusammenarbeiten. Sie gehen zu den Schülern und begleiten sie in der Regel zwei Jahre lang. Das Konzept überzeugt, zahlreiche Auszeichnungen hat es schon gegeben. Peer Steinbrück ist einer der Schirmherren.

In Ulm steht man noch am Anfang. Im Juli wurde der Verein gegründet, Studenten haben sich inzwischen die als Coaches ausbilden lassen und das Konzept wurde vorgestellt: Die Emil-Schmid-Schule, die Peter-Schöllhorn-Schule und die Adelbert-Stifter-Schule ließen sich begeistern. Insgesamt 22 Jugendliche haben sich gemeldet. "Es ist gut angelaufen", sagt Meyer zu Reckendorf: "Wir haben für alle Schüler einen Coach gefunden, bis auf einen Fall, da betreut einer zwei Schüler, aber das ist okay, weil die beiden eng befreundet sind."

Nach dem "Matching", dem ersten gemeinsamen Kennenlernen, haben sich die Paare schon getroffen, im Café, in der Eislaufanlage, wo auch immer. Es geht erst einmal darum den Kontakt weiter aufzubauen. Was der Coach letztlich tun wird, hängt davon ab, was der Jugendliche will und braucht. "Es geht nicht um Nachhilfe, wenngleich das natürlich auch mal vorkommen kann. Vor allem aber soll der Coach dem Jugendlichen helfen, seine Stärken zu erkennen, vielleicht mal ein Praktikum anstoßen oder ihn bei der Bewerbung zu unterstützen", schildert Meyer zu Reckendorf mögliche Hilfestellungen.

Im besten Fall sieht der Jugendliche seinen Coach als Komplizen, als Kumpel, der ihm beim Sprung in eigenverantwortliche Leben unterstützt: Wie eine solche Beziehung endet, ist offen. Ob es von der Werkreal- oder Mittelschule in die duale Ausbildung geht oder weiter zum mittleren Schulabschluss, in eine weiterführende Schule - das alles ist im Moment noch völlig offen. Der Weg wird gemeinsam gesucht. Auge in Auge.


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Autor: UTE GALLBRONNER | 23.02.2012

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