Man ist der "Autor seines Lebens"

Die Humboldt-Professur der Uni Ulm hat in diesem Jahr Peter Bieri inne. Die meisten kennen ihn jedoch als Pascal Mercier, Autor des Bestsellers "Nachtzug nach Lissabon". Er referierte jetzt zwei Mal in Ulm.

Allein der Roman "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier wurde in 30 Sprachen übersetzt und über drei Millionen Mal verkauft. Kaum ein anderes deutschsprachiges Buch dürfte in den letzten Jahren so eine hohe Auflage erreicht haben. Die Popularität des Schriftstellers lockte so viele Interessierte in die Villa Eberhardt. dass man seinen Vortrag in einen weiteren Saal übertragen musste.

Als Philosoph führt Pascal Mercier seinen bürgerlichen Namen Peter Bieri. Er wurde am 23. Juni 1944 in Bern geboren, studierte Philosiophie, Klassische Philologie, Indologie und Anglistik in London und Heidelberg und hatte Professuren in Bielefeld, Marburg, Heidelberg, Berlin und Bielefeld inne. 1993 wurde er als Nachfolger von Ernst Tugendhat auf den Lehrstuhl für Sprachphilosophie und Analytische Philosophie an die Freie Universität Berlin berufen. 2001 erschien "Das Handwerk der Freiheit" (Fischer Verlag, 13,95 Euro). Es wurde einer der wenigen philosophischen Bestseller.

Gesprochen hat der Philosoph jetzt in Ulm über das Thema "Was wäre ein selbstbestimmtes Leben?" Der Konjunktiv ist wichtig, denn es gibt diesbezüglich allenfalls eine Annäherung. Das Spiel äußerer und innerer Kräfte, von Sozialisation, Prägung und Determination, gilt es zu begreifen um der "Autor seines Lebens" zu sein.

Prägung als "Verbindung zum Rest der Welt" verstanden, kann aktiv oder passiv verlaufen, je nachdem wie stark wir uns in unserem Erleben selbst zum Thema werden. Die Reflexion über unser Erleben sei, so Peter Bieri, ein Prozess der Aufklärung und somit schon ein Akt der Selbstbestimmung. Wenn das Erleben so wichtig ist, muss es die Erinnerung auch sein, dieses Erzählen über uns selbst: "Wir müssen uns zu Wort kommen lassen".

Hier kommt der Philosoph nun zu seiner zweiten Profession, der Literatur, deren Verfahren er quasi als verdichteten Erlebnisraum begreift, mit dem die "innere Zensur" gelockert werden könne. Wo der analytische Philosoph Peter Bieri endet, beginnt also der Schriftsteller Paul Mercier seine Arbeit. Wie der vorgeht, wie er Inhalt, Handlung und Thema zueinander stellt, wobei das Thema das wichtigste sei, denn ohne Thema werde der Roman platt, darum drehte sich der größte Teil des Vortrags am Freitag im gut besuchten Stadthaus. Figuren und Handlung entwerfe man, so Paul Mercier, um ein Thema darzustellen. Neben anderem ist dabei nun der gewählte Stil von besonderer Bedeutung. Die Form, "diese Inszenierung der Worte", sei es, die uns ein Buch mehrmals lesen lassen.

Info Für seinen ersten Roman "Perlmanns Schweigen" (1995) erfand Peter Bieri das Pseudonym Pascal Mercier. Unter diesem Namen veröffentlichte er die Romane "Der Klavierspieler" (1998), "Nachtzug nach Lissabon" (2004) und die Novelle "Lea" (2007). 2006 wurde Paul Mercier mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis, 2007 in Italien mit dem Premio Grizane Cavour für den besten ausländischen Roman geehrt.


Kommentare (1)

26.07.2010 13:24 Uhr |   Armin

Lame Duck

Das von Bieri in der Villa Eberhardt Referierte genügt nicht im Mindesten zumal der Ulmer Humboldt-Professur, weil es zweifelsohne keinerlei Anstalten unternahm, den aktuellen allgemein erlangten Erkenntnisstand einzuholen.

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Autor: OTFRIED KÄPPELER | 26.07.2010

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