Stiftung für schwer traumatisierte Kinder

Die Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung Guter Hirte wird zum zweiten Mal von Helma Fink-Sautter mit einer Stiftung bedacht. Sie ist gedacht für schwer traumatisierte Kinder.

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Rolf Lerch (von rechts) von der Stiftung Guter Hirte und OB Gunter Czisch freuen sich über die erneute Zuwendung von Helma Fink-Sautter.  Foto: 

Einen großen Auftritt mag Helma Fink-Sautter nicht. Auch nicht, wenn sie zum sechsten Mal eine Stiftung gründet. So war es nur eine bescheidene Feier im kleinen Kreis, als die gebürtige Söflingerin der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung Guter Hirte zum zweiten Mal 100.000 Euro zukommen ließ. Die Stiftung heißt nach der Gründerin – „sie ist die erste, bei der ich auf die Idee kam, ihr meinen Namen zu geben“, sagte Helma Fink-Sautter bei der Feier im Café Schubert in der Friedrichsau.

Die Stifterin wurde 1924 in Söflingen geboren und ist als Ur-Ur-Urenkelin die letzte lebende Nachfahrin von Albrecht Berblinger, dem Schneider von Ulm. Sie und ihre beiden Geschwister hatten von den Eltern vier Grundstücke in Ulm mit Häusern darauf geerbt. Zudem lebte die Stifterin immer sehr bescheiden.

Fink-Sautter hatte noch eine weitere Idee. Auslöser war die anhaltende Niedrigzinsphase. Da bei Stiftungen das Kapital unangetastet bleibt und nur Zinserträge sowie Spenden ausgeschüttet werden dürfen, fürchtete Fink-Sautter, dass trotz ihrer eingesetzten 100.000 Euro nicht viel Geld für die Arbeit mit besonders belasteten Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen könnte. Die Lösung war eine Verbrauchsstiftung. Bei dieser Art von Stiftung kann auch das Kapital angetastet und sogar vollständig ausgeschüttet werden.

Der Gute Hirte will vorerst nur einen Teil des Geldes verwenden: für ein Projekt mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, sagte Rolf Lerch, Vorsitzender der ebenfalls von Fink-Sautter gegründeten Guter- Hirte-Stiftung. Die Einrichtung hat den Bauernhof der Lebenshilfe bei Beimerstetten gekauft und will dort eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche einrichten, die schwerst verhaltensauffällig oder traumatisiert sind und die Schule verweigern.

„Was diese Kinder mitgemacht haben, das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man in einer normalen Familie aufgewachsen ist“, sagte OB Gunter Czisch. Er dankte Helma Fink-Sautter im Namen der Stadt. Mit ihren großzügigen Stiftungen habe sie „vielen Menschen schon anhaltende Freude bereitet“.

Auf dem Bauernhof sollen sieben Kinder ab zehn Jahren in Intensiv-Wohngruppen betreut werden, sagte Guter-Hirte-Leiterin Susanne Denoix. Durch besonders qualifiziertes Personal, darunter Trauma- Pädagogen, Erlebnispädagogik und Unterricht soll ihr Alltag wieder eine Struktur bekommen. Ziel ist die Eingliederung in eine Regelschule.

Ein gutes Projekt, findet Helma Fink-Sautter. Und eines, das wie ihre anderen Stiftungen weitere Unterstützung vertragen könnte. Die Gründerin formulierte ihren Wunsch gegenüber OB Czisch so: „Ihr Vorgänger hat gesagt: Wichtig ist, das Geld dazukommt.“

 

Ein Kommentar von Chirin Kolb: Ein Engel für viele

Was wäre Ulm ohne Helma Fink-Sautter? Nun, in einigen Bereichen eine buchstäblich ärmere Stadtgesellschaft. Und das in doppelter Hinsicht. Zum einen natürlich finanziell. Mit ihren großzügigen Zuwendungen hat die gebürtige Söflingerin ihre Heimatstadt mit Stiftungen bereichert. Sie fördern im Sozialen, in der Kultur und der Völkerverständigung Sinnvolles wie Notwendiges – und einiges, das erst durch Helma Fink-Sautters Geld ermöglicht wurde.

Zum anderen profitieren Ulm, die Ulmer  und die Menschen aus der Region von Fink-Sautters Wohltaten und ihrem ausgeprägten Gemeinsinn. Mit der Stiftung Guter Hirte und der neuen Helma-Fink-Sautter-Stiftung können Kinder und Jugendliche unterstützt werden, die Schlimmes erlebt haben, die aus zerrütteten Familien stammen, die schon in jungen Jahren einen Haufen Probleme haben, der für ein ganzes Leben reichen würde. Stiftungen wie für die Junge Bläserphilharmonie, fürs Hospiz, für die Jüdisch-Deutsche Verständigung sowie die Söflinger Bürgerstiftung kommen einer breiten Öffentlichkeit zugute. All diese Einrichtungen machen das Leben in Ulm reicher.

750.000 Euro hat Helma Fink- Sautter schon in Ulmer Stiftungen gesteckt. Sie selbst, die sehr bescheiden lebt, freut sich an dem, was durch ihre Zuwendungen möglich wurde. Damit ist die Nachfahrin Albrecht Berblingers ein Vorbild und ein Engel für alle, die von ihrem Gemeinsinn profitieren.

Große Wohltäterin

Stiftungen
Helma Fink-Sautter hat in ihrer Heimatstadt Ulm bereits sechs Stiftungen gegründet. Die gebürtige Söflingerin hat 2004 die Söflinger Bürgerstiftung ins Leben gerufen und mit 30.000 Euro ausgestattet. Im selben Jahr erhielt die Stiftung Ulmer Knabenmusik (heute: Junge Bläserphilharmonie Ulm) von ihr 50.000 Euro; den selben Betrag steuerte Udo Botzenhart bei. 2005 gründete Helma Fink-Sautter die Ulmer Hospiz-Stiftung mit 100.000 Euro. Sie rief zudem die Guter-Hirte-Stiftung mit 100.000 Euro ins Leben und 2014 ebenfalls mit 100.000 Euro die Stiftung „Jüdisch-Deutsches Kulturzentrum Ulm“, die Begegnungen zwischen jüdischen und christlichen Bürgern aus Ulm, Neu-Ulm und der Region fördern soll. Die neue Stiftung, die ebenfalls der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung Guter Hirte zugute kommt und mit 100.000 Euro ausgestattet wurde, trägt den Namen der Wohltäterin: Helma-Fink-Sautter-Stiftung.

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