Sternsinger sind in Ulm unterwegs

Caspar, Melchior, Balthasar und der Sternträger ziehen durch die Straßen, kommen in die Häuser, bringen den Menschen Gottes Segen und sammeln Spenden für Flüchtlingskinder. Das Sternsingen ist ein alter Brauch, den Kinder lebendig halten.

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Die Krone in allen Farben des Regenbogens trägt er auf dem Kopf, eine große, blaue Plastik-Tasche mit dem Gewand im Arm, als der Junge das katholische Gemeindezentrum St. Klara am Eselsberg betritt. Drinnen schwirren die Stimmen. „Kommt Jonas auch noch?“ „Mein Umhang ist viel zu lang.“ „Moritz pass auf, dass du niemanden mit dem Stern haust.“

Mehr als 50 Kinder, meist im Grundschulalter, sind an diesem Wochenende am Eselsberg als Sternsinger unterwegs. Sie alle müssen eingekleidet und ausgerüstet werden.

Jutta Schnitzler-Forster und Ulrike Beilenhoff behalten trotz des Gewusels und der von allen Seiten gestellten Fragen den Überblick. Und nach einer guten halben Stunde sitzen die königlichen Heerscharen sämtlich eingekleidet und mit den passenden Kopfbedeckungen auf den Stühlen im Kreis und singen: „Wir kommen daher aus dem Morgenland,/ wir kommen geführt von Gottes Hand./ Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr:/ Caspar, Melchior und Balthasar.“ Es ist ein Sternsinger-Klassiker, der seit Jahrzehnten so gesungen wird. Auch die Sprüche, die die Könige sagen, sind immer gleich.

Dann geht es an die Einteilung der Gruppen, viele bilden seit Jahren ein festes Team, andere finden sich neu. Jedes Team übernimmt eines oder zwei der 28 Gebiete, in die der gesamte Eselsberg für die Sternsinger-Aktion aufgeteilt ist. „So kann es jede Gruppe in zwei Tagen gut schaffen, alle Häuser dort zu besuchen“, sagt Ulrike Beilenhoff.

Die Sternsinger klingeln an allen Türen, nicht nur dort, wo katholische Leute wohnen. „Gottes Segen ist für alle Menschen da“, findet Schnitzler-Forster. Die meisten freuen sich darüber, selbst muslimische Familien, nur in ganz wenigen Fällen werden die Gruppen abgewiesen. Manchmal stehen sie auch vor ratlosen Menschen. „Am Eselsberg wohnen auch viele Familien aus anderen Ländern, die den Brauch nicht kennen. Denen müssen wir dann – manchmal auf Englisch – erklären, was wir tun“, berichtet Beilenhoff. Für solche Erklärungen sind die erwachsenen Betreuer zuständig, die die Kinder begleiten. Sie haben auch die offiziellen Bestätigungen der Gemeinde bei sich, mit denen sie sich bei Rückfragen ausweisen können.

Die drei Könige bringen nicht nur den Segen ins Haus: Sie schreiben das C + M + B mit weißer Kreide an die Türen oder haben für weiß lackierte Türen Aufkleber mit schwarzem Grund dabei. Die Abkürzung steht für „Christus mansionem benedicat“, zu Deutsch: Christus segne dieses Haus. Umrahmt wird es von der Jahreszahl. Der Segen kostet nichts. Trotzdem nehmen die Sternsinger Geld an: Sie sammeln Spenden für Flüchtlingskinder in Malawi und für andere Hilfsprojekte. Die Sammeldosen sind in diesem Jahr neu: Sie sehen aus wie kleine goldene Schatztruhen – und sie sind mit einem Siegel verschlossen. Jutta Schnitzler-Forster erklärt warum: „Damit sicher ist, dass niemand etwas von dem Spendengeld herausnehmen kann, sondern dass es voll bei unseren Hilfsprojekten ankommt.“ Gezählt und abgerechnet wird abends gemeinsam im Gemeindehaus, wenn die Sternsinger nach ihren Touren wieder zusammentreffen. Am Eselsberg kommen bei der Aktion jedes Jahr mehrere tausend Euro zusammen. „Es lohnt sich also wirklich, und die Kinder können darauf stolz sein“, sagt die Gemeindereferentin, deren eigener Sohn auch mitläuft. Hoch motiviert zogen die Sternsinger gestern Nachmittag am Eselsberg los, trotz des einsetzenden Regens. Heute sind sie wieder unterwegs. Mit ihren bunten und goldenen Kronen folgen sie ihrem Stern zu guten Taten.

Alle Sternsinger des Eselsbergs gestalten am Montag den Gottesdienst in St. Klara mit, der um 11.30 Uhr beginnt. In vielen Gemeinden der Region sind in diesen Tagen die Sternsinger unterwegs.

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