Starthilfe ins Familienleben

Viele Infos rund um Kinderbetreuung und Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern, garniert mit netten Geschenken als herzliches Willkommen - das Projekt Babytasche kommt bei vielen jungen Eltern positiv an.

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  • Initiatoren und Nutzer der Babytasche: (von links) Kariluz Javier-DeSchneider mit Amado (vier Monate), Angela Gröner von der AG West, Iris Baechelen mit Charlotte (elf Monate) und Karin Pfalzer vom Guten Hirten. Fotos: Volkmar Könneke 1/2
    Initiatoren und Nutzer der Babytasche: (von links) Kariluz Javier-DeSchneider mit Amado (vier Monate), Angela Gröner von der AG West, Iris Baechelen mit Charlotte (elf Monate) und Karin Pfalzer vom Guten Hirten. Fotos: Volkmar Könneke
  • Body, Schühchen und die dicke Info-Mappe aus der Ulmer Babytasche. 2/2
    Body, Schühchen und die dicke Info-Mappe aus der Ulmer Babytasche.
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"Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Aber ich finde sie gut mit allen Informationen und auch süß mit den Geschenken." Iris Baechelen spricht von der Babytasche. Die 32-jährige Ulmerin hat Mitte Dezember vergangenen Jahres ihr erstes Kind bekommen - im Januar erhielt sie einen Brief von der Stadt Ulm mit dem Angebot, dass ihr eine Mitarbeiterin die Babytasche daheim vorbeibringt und als individuelle Beraterin zur Verfügung steht. Iris Baechelen nahm das Angebot an und ist angetan davon.

Das Projekt Babytasche gibt es seit drei Jahren in Ulm, gestartet ist es in der Weststadt. Seit 2012 gibt es das Angebot für Familien mit neugeborenen Kindern flächendeckend. Getragen wird es von der AG West und vom Guten Hirten, Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

In Ulm werden jedes Jahr rund 1100 Kinder geboren. Alle Familien bekommen sechs bis acht Wochen nach diesem freudigen Ereignis den Brief von der Stadt mit dem Angebot der Babytasche und dem persönlichen Besuch. Ein oder zwei konkrete Terminvorschläge liegen dem Brief schon bei. Rund 74 Prozent der Familien gehen darauf ein, in der Weststadt liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent.

In der geräumigen Umhängetasche befindet sich eine dicke Mappe mit Informationen rund ums Kind: alle Kindergärten und -krippen sind aufgeführt, Tagesmütter, Beratungsstellen für Eltern, Treffpunkte, Tipps zu finanziellen Hilfen und anderes mehr. Doch neben schnödem Papier sind auch nette Geschenke in der Tasche: ein Body mit dem Ulmer Spätzle als Motiv, ein Paar gestrickte Babyschuhe, eine Zahnbürste und verschiedene Kinderpflegeprodukte.

Für Iris Baechelen war die Babytasche hilfreich. Grob hatte sie sich während der Schwangerschaft schon umgehört, welche Kindertagesstätten es in ihrer Nähe gibt - aber jetzt hat sie die komplette Übersicht daheim, mit allen Kontaktdaten. "Ich habe mir damals gedacht: Ich lasse das Kind erst mal kommen, dann schaue ich weiter." Und nun ist sie froh, dass ihr das aufwendige Nachforschen in Sachen Kita abgenommen wurde. Denn das Leben mit der kleinen Charlotte ist "eine total neue Situation. Man weiß das zwar vorher, trotzdem ist es anders, wenn man drinsteckt."

Die Babytasche hilft aber auch Eltern, die bereits Kinder haben. Das berichtet Kariluz Javier-DeSchneider. Die 39-Jährige, die in der Dominikanischen Republik geboren ist und seit neun Jahren in Ulm lebt, hatte schon zwei Töchter, als sie Mitte Juli den kleinen Amado zur Welt brachte. "Ich war mitten im Stress, da war der Besuch der Frau mit der Babytasche wie eine Therapie", erinnert sich die dreifache Mutter. Die Mitarbeiterin ist mehrmals bei ihr gewesen. "Es gab zu viel zu reden für nur ein Mal."

Das ist auch die Idee des Projekts: Die Mitarbeiterinnen besuchen die jungen Familien zuhause, in den Gesprächen öffnen sich die Eltern und können auch von Schwierigkeiten berichten. Die geschulten Mitarbeiterinnen können Tipps geben oder professionelle Hilfe vermitteln, um problematische Situationen rasch zu entschärfen. Es geht darum zu verhindern, dass Familien in Krisen geraten. Daher gehört die Babytasche zu den frühen Hilfen, die in der Jugendhilfe verankert sind.

Gertrud Burghart, eine der sechs Babytaschen-Frauen, erlebt oft, dass viele Familien dankbar auf das Angebot reagieren. "Ich war bei einer Familie, die hatten das dritte Kind bekommen - und das schlief nie. Die Mutter war schon ziemlich fertig. Ich habe ihr die Schrei-Ambulanz empfohlen, dort konnte geholfen werden."

Wichtig ist ihr und ihren fünf Kolleginnen aber, dass "wir Hilfe anbieten, aber die Familien müssen den Schritt dorthin selbst tun". Anderen Familien wurde beispielsweise geholfen, zu einer größeren Wohnung zu kommen, Betreuungsplätze zu finden oder finanzielle Unterstützung zu beantragen. Einen Vorteil sehen die Babytaschen-Mitarbeiterinnen in ihrem Angebot, das kostenlos ist und auf freiwilliger Basis stattfindet: "Wir kommen nicht vom Jugendamt und nicht zum Kontrollieren." Das Info-Material der Tasche gibt es auch in Türkisch und Russisch. Eine Mitarbeiterin spricht darüber hinaus Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch.

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