Starker Standort Ulm

Die produzierende Industrie bildet ein solides Fundament für den Wirtschaftsstandort Ulm. Das wurde bei der Vorstellung einer IHK-Studie deutlich. Es bleiben Probleme wie die Versorgung mit Wohnraum.

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Die Region Ulm bleibt ungeachtet des jüngsten Stellenabbaus bei Evobus, Iveco, Nokia und Centrotherm ein namhafter Industrie- und Produktionsstandort. Dies war der Tenor bei der Präsentation einer IHK-Standortumfrage im Rathaus. Die nun auf 13 Kommunen heruntergebrochene Umfrage (siehe Infokasten) stellt Ulm mit der Schulnote 1,9 ein gutes Zeugnis aus.

IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle sagte vor interessierten Unternehmern und Stadträten im großen Sitzungssaal, Produktionsstandorte hätten die globale Krise am besten überstanden. Ulm habe zweifelsohne einen Strukturwandel durchlaufen: „Magirus hatte 12 000 Arbeitsplätze.“ Das Industriegebiet Donautal bilde jedoch wie Ulm-Nord ein Zentrum für produzierende Firmen. So habe man in Norden Waffen-Walther halten können.

Beim Ausbau der Dienstleistung seien zudem viele unternehmensnahe Dienstleister entstanden. Die Zahl der Arbeitsplätze während des Strukturwandels sei gleich geblieben. Ein wichtiger Punkt für Oberbürgermeister Ivo Gönner: „Die Gesamtbilanz der Arbeitsplätze ist positiv.“ Es habe aber zweifelsohne eine Verschiebung zur Dienstleistung gegeben: Iveco fahre die Aktivitäten nach dem Ende der Lkw-Montage auf den Brandschutz zurück, und Betriebe wie Kässbohrer oder AEG hätten früher ebenfalls mehr Mitarbeiter beschäftigt als dies bei den Nachfolgern der Fall sei.

Der Geschäftsführer von Waffen-Walther, Manfred Wörz, sah die Zukunft der Produktion bei der Diskussion ausschließlich in der Hochtechnologie, da man nicht mit Billiglohnländern konkurrieren könne. Andererseits berichtete die Ulmer Brauerei Gold Ochsen, dass es vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels nicht mehr möglich sei, zuverlässige Staplerfahrer zu finden.

Gönner legte den mittelständischen Unternehmen der Region ein besseres Marketing nahe, nachdem eine Umfrage der Hochschule Neu-Ulm bei Studenten miserable Bekanntheitswerte aufgezeigt hatte: „Diese Umfrage war schockierend.“ Das Stadtoberhaupt versicherte ansonsten, die Kritikpunkte, die in der IHK-Studie zutage treten, Punkt für Punkt abzuarbeiten. Dabei geht es nicht zuletzt um die Verfügbarkeit von Wohnraum, bei der Ulm viel schlechter abschneidet als das vergleichbare Reutlingen, jedoch besser als Tübingen; um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf; den Arbeitskräftemangel; Verkehr und Parken für Berufspendler; hohe Strompreise – aber gute Versorgung – und hohe Abgaben, fehlende Gewerbeimmobilien. Positiv: Einkaufen; Hochschulen; Breitbandnetz.

Für das Rathaus ist es nicht leicht, allen Bedürfnissen gerecht zu werden, erläuterte Gönner: Jeder will schnelles Internet, aber die wenigsten nehmen den ausgebauten Anschluss; die Stadtwerke sorgen für die Strom-Infrastruktur, aber Firmen sind die ersten, die bei Preiserhöhungen wechseln. Trotz der Bildungsoffensive gebe es Beschwerden von Eltern, wenn zu viele Ausländerkinder in Grundschulklassen seien – laut Sälzle fast 50 Prozent in Ulm. Bereits 45 Prozent der Kindergartenkinder weisen Sprachschwächen auf. Sälzle führt dies mit auf Satelliten-TV in der Muttersprache zurück. Für Gönner gehört angesichts dieser Zahlen das Thema Migrationshintergrund eindeutig der Vergangenheit an, er denke nur in „sozialen Milieus“ der Familien. Und: „In zehn Jahren ist das auf dem Land genau dasselbe“. Beim Wohnbedarf seien zwei Drittel des Problems hausgemacht: durch mehr Flächenbedarf der Menschen und zunehmende Scheidungen. Lediglich ein Drittel entfalle auf Zuzug.

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