Standort trotz Abbaus sicher

Das Rüstungsunternehmen Cassidian baut im Werk Ulm 80 bis 100 Stellen ab – jedoch auf sozialverträgliche Weise und ohne Kündigungen. Die Zukunft des Radar- und Funkstandorts im EADS-Konzern ist sicher.

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Radaranlage des Rüstungsherstellers Cassidian (EADS) bei Erbach.  Foto: 

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS muss in der Verteidigungssparte Cassidian sparen, stellt aber keine Standorte in Frage. Das Werk in der Ulmer Weststadt ist sogar ein Schlüsselstandort für Radartechnologien, die in Zukunft verstärkt in unbemannten Flugzeugen zum Einsatz kommen, sagte Cassidian-Chef Bernhard Gerwert bei einem Vorort-Besuch. Dennoch ist das Werk in der Wörthstraße vom verkündeten Sparprogramm betroffen, das insgesamt den Abbau von 850 Arbeitsplätzen vorsieht. In Ulm fallen demnach 80 bis 100 Stellen in der Verwaltung weg – sozialverträglich über Altersregelungen und Abfindungen. Gerwert: „Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen.“ Die Mitarbeiterzahl in Ulm: 2800.

Der Abbau betrifft nach Gerwerts Worten ausschließlich die administrativen Bereiche und das Management, nicht jedoch die Ingenieure in der Entwicklung und die Produktion. Denn Cassidian befinde sich in der glücklichen Lage, dass die Auslastung bei im wesentlichen stabilen Umsätzen stimmt (siehe auch Infokasten). Dies werde ungeachtet nicht erfüllter Hoffnungen im Export – so sind die Verhandlungen mit Indien über den Eurofighter vorerst gescheitert – auch die nächsten zwei bis drei Jahre so bleiben.

Während die Plattformen für fliegende Systeme in Manching bei Ingolstadt entstehen, ist Ulm für die Sensorik – sprich Radarsysteme – verantwortlich. Seit dem Erwerb von Zeiss Optronics im Oktober hat der Standort außerdem die Verantwortung für in Oberkochen entwickelte Kamerasysteme. Gerwert: „Das wird von Ulm aus geführt.“

Im Werk in der Weststadt entstehen darüber hinaus komplette Systeme für militärische Missionen, beispielsweise für das neue Transportflugzeug A 400 M. Und: „Ulm macht heute schon Elektronik für unbemannte Fluggeräte“, berichtet Gerwert über die Einsatzmöglichkeiten in Drohnen. Eine der Zukunftsaufgaben für die Ingenieure lautet: Das Radar muss für solche Anwendungen leichter werden.

Bei Cassidian sieht man das Thema Drohnen jedoch nicht nur unter militärischen Aspekten. Aus Sicht Gerwerts eignen sich die ferngesteuerten Flugmaschinen auch für den Einsatz in Grenzsicherungssystemen des EADS-Konzerns. Der nächste Schritt seien unbemannte Frachtflugzeuge. Dabei gehe es insbesondere darum, diese Flugzeuge in den zivilen Luftraum zu integrieren, was genehmigungstechnisch aber etliche Jahre dauern werde.

Der zivile Aspekt spielt vor allem beim Digitalfunk eine Rolle. Am Cassidian-Standort Ulm liegt die Verantwortung für das gesamte digitale Funksystem der deutschen Behörden. „Das ist nach dem Eurofighter der größte Vertrag, den wir in Deutschland haben“, sagte Gerwert. Derzeit verfügen 280 000 Benutzer über entsprechende Endgeräte in dem sicheren Funknetz. Im Endausbau 2015 soll die Zahl auf 500 000 Nutzer steigen: „Das ist das größte digitale Funknetz der Welt.“

Als weiteres ziviles Wachstumsfeld betrachtet Gerwert die Cyber-Security, also die Absicherung von Computern gegen Angriffe aus dem Internet. Der EADS-Konzern müsse im eigenen Interesse bestmögliche Vorkehrungen gegen Hacker und Industriespionage treffen und könne dieses Wissen in Form von Hochsicherheitslösungen weitergeben.

Gerwert kennt das Werk in Ulm genau. Er war bis 2007 Standortchef, wechselte nach Manching und übernahm dann vergangenen September die Gesamtverantwortung für Cassidian. Er wohnt in Erbach.

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