Stand-Up-Paddling: Balancieren auf Wellen

Stehend übers Wasser paddeln. Stand-Up-Paddling nennt sich der Wassersport, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Wir haben erste Stehversuche in einer körperlich anspruchsvollen, spaßigen Sportart unternommen.

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Hin und wieder ist ein Stück Hawaii auf dem Bodensee zu sehen. Immer dann, wenn Menschen auf Surfbrettern stehen und paddeln. Seit fünf Jahren geht das schon so. Stand-Up Paddling, SUP oder Suppen nennt sich der Sport, der einst auf der Pazifikinsel bekannt war. 

Ehemalige Windsurfer haben den Sport von Hawaii nach Europa gebracht. Und Markus Rhomberg hat den Sport an und auf den Bodensee gebracht. Rhomberg ist Sportökonom, besitzt eine eigene Surfschule in Wasserburg. Er ist ein Surfertyp. Braun gebrannte Haut, Kinnbart, muskulöser Oberkörper. Die Muskeln lassen sich zumindest unter dem weißen T-Shirt erahnen.

"Ihr macht das, als ob ihr das Paddel in einen Sandkasten stecken möchtet", sagt Rhomberg. Durchziehen und abstoßen. Möglichst nahe am Board. Das ist schon alles. Vor ihm stehen fünf Redakteure aus verschiedenen Medienhäusern. Hinter ihm liegen fünf Surfbretter im Gras. Zumindest sind die Redakteure der Meinung, es seien Surfbretter. Für Rhomberg sind es Boards. Boards und Redakteure, die will Rhomberg an diesem Medientag - organisiert von den Veranstaltern der Interboot-Messe - zusammenbringen und auf den See hinausschicken.
 

Stand-Up Paddling ist für Rhomberg ein Crosstraining. Auf Neudeutsch bedeutet das, dass die Muskeln an Füßen, Beinen, Po, Bauch, Rücken und an den Schulterpartien gleichermaßen trainiert werden. Dazu Seeluft und Wassergeräusche. Für Rhomberg ideal, um einseitige Belastungen und Stresssituationen, wie sie im Büroalltag entstehen, auszugleichen.

Die Einweisung dauert keine zehn Minuten. Dann greift sich jeder der Redakteure ein Board und tapst langsam barfüßig über den Steinstrand in Richtung Wasser. Schildkröten kämen ähnlich schnell voran. Im See angekommen, klatschen die Boards auf die Wasseroberfläche und werden noch einige Meter hinausgeschoben. "Kniet euch hin und paddelt ein Stück hinaus, bevor ihr aufsteht", hat Rhomberg noch gesagt. Denn wer im Stehen umkippt, könnte sich im seichten Wasser verletzen. Sicherheit geht vor.

Das erste laute Platschen lässt nicht lange auf sich warten. Eine Redakteurin aus Balingen hat gleich nach dem Aufstehen das Gleichgewicht verloren. Sekunden später taucht ihr Kopf wieder auf, ihre roten Haare hängen überall im Gesicht, hier und da auch etwas Seegras. Aber alles kein Problem. Raus aus dem Wasser. Zurück aufs Board. Neuer Versuch.

"Ganz schön schwierig", ruft sie den anderen zu. Die hören sie, stieren aber geradeaus. Jeder versucht konzentriert, das Gleichgewicht zu halten. Wackelkandidaten eben, die über die Wellen balancieren. Jeder Wellenschlag muss ausgeglichen werden. Besonders die leichten und schlanken Race-Boards reagieren empfindlich auf jede Bewegung, ob vom See her oder vom Stand-Up-Paddler selbst.

Wie in jeder Sportart unterteilt sich die Ausrüstung in verschiedene Kategorien. Die Race-Boards gleiten zügig durch jedes Gewässer, einen sicheren Stand und ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl vorausgesetzt. 700 Euro und mehr müssen Interessenten für die mehr als zwei Meter langen Boards ausgeben. Langsamere, breitere Boads sind etwas günstiger und lassen sich leichter beherrschen. Und laut Rhomberg sind mittlerweile auch aufblasbare Bretter für alle Varianten ausgereift. 900 Euro und mehr kosten die einfacher zu transportierenden Boards. Carbon-Paddel inklusive. Surfschulen verleihen die Ausrüstung auch an Interessierte. Ideal, um die Sportart spontan einmal auszuprobieren. Rhomberg etwa verlangt in seiner Surfschule 10 Euro pro Stunde oder 25 Euro am Tag. 

Die Wackelkandidaten auf dem See sind nach wenigen Minuten verschwunden. Jetzt sind Menschen auf Boards zu sehen. Den Blick an den Horizont gerichtet, paddelt jeder Redakteur über das Wasser. Hier und da zeigen sich noch Gleichgewichtsprobleme. Nass aber wird keiner mehr. "Wenn man ein bisschen Gleichgewicht hat, kann man's in fünf Minuten lernen", hat Rhomberg zu Beginn gesagt. Wassersport, der Spaß und Lust auf mehr macht.
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