Stadtwerke treiben zwei große Kraftwerksprojekte voran

Neues Jahr, neue Hoffnung? Nachdem zwischendurch unklar war, ob zwei Großkraftwerksvorhaben weiterverfolgt werden, jetzt ein klares Signal der Stadtwerke (SWU): Sie gründen Projektgesellschaften.

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Wird, sofern sie zustande kommt, eine große Koalition die Bedingungen am Strommarkt so verändern, dass sich Investitionen in herkömmliche Kraftwerkstechnik und damit in Versorgungssicherheit wieder lohnen? Kommunen mit eigenen Stadtwerken, die wie die SWU darauf gesetzt haben und weiter setzen wollen, verfolgen die Berliner Entwicklungen gespannt.

Das wurde im Hauptausschuss des Ulmer Gemeinderats deutlich. Er hat, wie kurz berichtet, gegen zweifelnde Stimmen aus der CDU und auch des FWG-Stadtrats Timo Ried beschlossen, Projektentwicklungsgesellschaften für zwei Kraftwerksvorhaben zu gründen. Und zwar für ein seit 1999 verfolgtes Pumpspeicherkraftwerk im Blautal, das 80 bis 100 Millionen Euro kosten wird; und für ein zehnmal teureres, also bis zu einer Milliarde schweres Gaskraftwerk in Leipheim, das Ersatz werden könnte für das Atomkraftwerk Gundremmingen. Dessen zwei Blöcke werden 2017 und 2022 abgeschaltet.

OB Ivo Gönner und Kämmerer Gunter Czisch sagten, solche Gesellschaften seien Voraussetzung, um Partner ins Boot holen und mit Volldampf voraus weiter planen zu können. Unabhängig von der aktuellen Finanzschwäche der SWU seien die Investitionsdimensionen nicht im SWU-Alleingang zu stemmen.

Die Ratsfraktionen teilen die Einschätzung, dass beide Projekte zukunftsträchtig sind. Das machten die Wortbeiträge Bruno Waidmanns, FWG ("Das Speicherkraftwerk muss sein, regenerative Energie ohne Speicherkapazität ist nicht nutzbar"), Martin Rivoirs, SPD, und Michael Joukovs, Grüne, deutlich.

Die CDU widersprach inhaltlich nicht, sieht aber aktuell keine Notwendigkeit für solche Gesellschaften. Fraktionschef Thomas Kienle plädierte vergeblich dafür, erst Risikoabschätzungen anzustellen und abzuwarten, wie der noch zu wählende Nachfolger des nach Kiel wechselnden SWU-Energie-Chefs Jürgen Schäffner die Lage beurteilt.

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Kommentare

14.12.2013 13:02 Uhr

Zunahme der Hochnebeltage um 14-20%

Das ergab ein Gutachten zum Gasdampfkraftwerk in Klagenfurt, das deswegen nicht gebaut wurde. Haben wir in der Region nicht schon genug Nebel? Dank an die SWU, die unsere Lebensqualität ruinieren wollen.

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14.12.2013 11:29 Uhr

SWU-Pumpspeicher: Landschaftsschutz bleibt auf der Strecke

Neben den enormen wirtschaftlichen Risiken gibt es auch viele Aspekte des Landschafts- und Naturschutzes, die gegen den Pumpspeicher Blautal/Hochsträß sprechen:

• Der Standort des PSW-Oberbeckens liegt im Landschaftsschutzgebiet, in welchem solche Bauten grundsätzlich nicht erlaubt sind.Weiterhin liegt er im städtischen Verdichtungsraum, in welchem solche Bauten grundsätzlich nicht erlaubt sind. Allerdings gibt es -wie immer- ein kleines verwaltungsrechtliches Hintertürchen nach dem Motto, "außer man will es unbedingt". Es genügt offensichtlich die Behauptung der Planer, dass es keinen anderen geeigneten Standort gäbe.

• Der sehr geringe Höhenunterschied von nur 160 Metern bedeutet, dass die beiden Becken unverhältnismäßig große Flächen verbrauchen, fast 30 Hektar (ca. 40 Fußballfelder!). Dies ist zweimal bis zehnmal (!) mehr als bei allen anderen deutschen PSW-Projekten, bezogen auf die gleiche Speicherkapazität. Dies alleine schon ist ein absolutes Ausschluß-Kriterium.
Durch diese großen Becken wird der Bau auch unverhältnismäßig teuer und hat dadurch einen massiven Wettbewerbsnachteil.

• Das ökologisch hochsensible Blautal, in das das Unterbecken direkt offen ins Grundwasser gesetzt wird, ist in extremer Gefahr. Bereits 2007 verkündeten die planenden Ingenieure voller "Berufsstolz" in einer Fachzeitschrift, dass dieses offene Becken so erstmalig in der Bundesrepublik geplant würde!
So können zum Bespiel Auswaschungen aus den Becken-Abdichtungen (Asphalt, also ein Erdöl-Produkt) in das Grundwasser einsickern. Schöne Aussichten! Die Bürger, das Blautal und das Hochsträß als Versuchskaninchen...

• Der renommierte Geologie-Professor Goldscheider sagte zum Thema „Bohrversuche im Karstgestein“ zur Untersuchung der Beckenstandorte, dass man hier immer mit Überraschungen rechnen müsse. Wenn an einer Stelle das Gestein fest ist, dann könne das 5 Meter daneben ganz anders aussehen. "Expect the unexpected" -erwarte das Unerwartete-, hat er abschließend zusammengefasst.
Selbst wenn die Test-Bohrungen in der notwendigen Dichte durchgeführt werden, bleibt die Aussage des Professors bestehen!

• Speicherbecken im Karstgebiet sind sicher? Nein, nicht wirklich! Im Nürnberger Land gab es schon eine spektakuläre Havarie, deren Ursachen und Folgen bis heute noch nicht geklärt sind, von den Multi-Millionen Euro Schaden ganz zu schweigen:

http://archiv.n-land.de/lokales/lok-detail/datum/2011/01/27/ellenbacher-blicken-besorgt-gen-oberbecken.html

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14.12.2013 10:34 Uhr

Großprojekte fûr lange Laufzeit

Was passiert, wenn zwar die aktuelle Regierung Gesetzte im Sinne der SWU machen sollte, die nächste Regierung nach vier Jahren wieder in eine andere Richtung tendiert? Was, wenn der Ausbau der regenerativen Energien weiterhin stürmisch vorangeht, was passiert, wenn es zu einem Durchbruch bei der Stromspeichertechnologie kommt? Die Projekte sind wohl längerfristig ausgelegt. Eine weitere Spekulation der SWU auf Kosten der Bürger.
Das Gaskraftwerk in Leipheim wird die gesamte Region vernebeln. In Klagenfurt wurde deswegen solch ein Projekt gestoppt. Den SWU ist sowas völlig egal.

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14.12.2013 10:19 Uhr

Ergänzung zu „SWU: Hochrisiko-Projekt Pumpspeicher Blautal/Hochsträß”

Auch interessant ist, dass alle PSW-Projekte derzeit auf Eis liegen wegen fehlender Wirtschaftlichkeit, und die bestehenden PSWs häufig Verluste erzeugen wegen geringer Laufzeiten.
Auch könnte (muss aber natürlich nicht, liebe SWU) die Tatsache, dass die RWE gerade aus dem PSW-Großprojekt Atdorf im Schwarzwald komplett aussteigt, den einen oder anderen dazu bringen, die Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit solcher Projekte sehr kritisch zu hinterfragen.

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14.12.2013 10:11 Uhr

SWU: Hochrisiko-Projekt Pumpspeicher Blautal/Hochsträß

Im Ratsinformationssystem der Stadt Ulm findet sich zur Hauptauschuß-Sitzung am 12.12.13 unter anderem ein sogenannter „Sachbericht“ zur Gründung der „PSW Blautal GmbH“ mit mancherlei interessanten Informationen.
Dort wird u.a. ausgeführt, dass durch den Gesteinsabbau des Steinbruches der Aushub des Unterbeckens bereits vorhanden sei. Dazu heißt es dann, Zitat: „Für die SWU würden große Teile der Baukosten entfallen, weil das Unterbecken bereits bestehen würde“ und das wird als erheblicher Wettbewerbsvorteil dargestellt.
Absolut richtig ist, dass die SWU die bezogen auf das Gesamtprojekt geringen Kosten für den bloßen Aushub beim Unterbecken sparen würde. Nicht richtig ist aber, dass dadurch das Unterbecken bereits besteht. Neben dem bloßen „Loch“ muss der Untergrund natürlich noch geformt, das Becken betoniert und mit der entsprechenden Infrastruktur versehen werden. Der Haupteil der Kosten entfällt übrigens auf die gepanzerte Druckleitung und das Kraftwerkshaus mit den Pumpturbinen. Hier gibt es natürlich durch den Steinbruch keinerlei Kostenvorteile.
Viel spannender ist aber, was in dem Sachbericht zu den Kosten NICHT erwähnt wird. Das PSW Blautal wird bezogen auf die gleiche Leistung zu den teuersten Projekten gehören im Vergleich zu allen derzeit geplanten PSWs in Deutschland. Dies wurde unter anderem vom unabhängigen PSW-Moderator Ökoinstitut festgestellt bei den öffentlichen Informationsveranstaltungen. Dabei bezog sich diese Feststellung auf angenommene Kosten von 70 Millionen. Inzwischen soll das PSW ja bis zu 100 Millionen kosten, die Situation ist also noch viel schlechter!
Weiterhin gilt, dass das PSW bezogen auf die gleiche Speicherkapazität sogar das absolut teuerste PSW-Projekt in Deutschland sein wird. Dies würde bedeuten, dass es, anders als im „Sachbericht“ dargestellt, für das PSW Blautal eben massive Wetttberwerbs-NACHTEILE geben würden gegenüber konkurrierenden PSWs, mit den absehbaren schlimmen wirtschaflichen Folgen.
Wie kann es sein, dass in dem „Sachbericht“ solche -vorsichtig formuliert- sehr unvollständigen Informationen enthalten sind, die als Grudlage für wichtige Entscheidungen im Gemeinderat dienen?
Ist das Nachlässigkeit oder sollen damit „bestimmte“ Entscheidungen entsprechend beeinflusst oder befördert werden?
Diese Frage soll sich jeder Bürger, jeder Gemeinderat und jder SWU-Aufsichtsrat selber beantworten…

Quelle: http://buergerinfo.ulm.de/vo0050.php?__kvonr=3159&voselect=6264

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14.12.2013 08:59 Uhr

Sorry

Sorry für die nicht ganz wenigen Tippfehler!

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14.12.2013 08:50 Uhr

SWU und Stadt Ulm: Volldampf voraus in den Abgrund

Es geht weiter.
Man sollte sich die Aussage von OB Gönner und Finanzbürgermeister Czisch genau betrachten, die von einer „AKTUELLEN FINANZSCWÄCHE“ reden, Was bedeutet hier „aktuell“ und was „Finanzschwäche“?
Gestern haben wir erfahren, dass die Städte Ulm und Neu-Ulm alleine dieses Jahr weitere ca. 17 Millionen in die SWU stecken müssen, um massive Verluste der SWU mit ihren fernen Trianel-Kraftwerksbeteiligungen in NRW abzufangen. Wie z u lesen war, waren es schon 2010 12 Millionen und 2012 sogar 20 Millionen. Zusammen sind wir also jetzt schon bei ca. 49 Millionen. Alleine für die nächsten 3 Jahre setzt Finanzbürgermeister Czisch weitere jährliche zehn bis elf Millionen Euro an. Dann sind wir also schon bei 80 Millionen (!) Euro Verlust nur durch diese beiden Kraftwerke.
Allerdings ist zu beachten, dass Prognosen der SWU über kommende verluste in der Vergangenheit immer zu niedrig angesetzt waren und SWU-Chef Berz und auch die politisch Verantwortlichen in 2012 von den 20 Millionen Verust am Jahresende absolut und völlig überrascht waren. Das sagt einiges über die Management-Qualitäten der SWU-Verantwortlichen aus.
Am schlimmsten ist aber, aber die Verlust auch in drei Jahren nicht vorbei sind. Die Trainel-Beteiligungen laufen fest über 20 Jahre mit festen Abnameverpflichtungen und -Preisen. Auch in den Jahren ab 2017 werden deshalb mit größter Wahrscheinlichkeit weitere massive Verluste generiert. Von anderen beteiligten Stadtwerken war zu lesen, dass sie mit einer Verlustphase für die nächsten 7-10 Jahre rechnen für Lünen und Hamm. Das würde bedeuten, dass die SWU-Verluste sich alleine für diese beiden Kraftwerke auf weit über 100 Millionen Euro summieren werden, vielleicht bis inden Bereich von 150 Millionen?
Die weiteren Problemprojekte Holzgaskraftwerk Senden und Windpark Borkum werden dabei noch gar nicht betrachtet, ebensowenig die ca. 17 Millionen jährlicher Verlust im SWU-Nahverkehr, die kaum zu reduzieren sein werden.
Es mag also jeder Bürger von Ulm und Neu-Ulm selber entscheiden, ob es sich hier nur um eine „aktuelle“ Problematik handelt und ob der Begriff „Finanzschwäche“ hier die desaströse Finanzsituation der SWU nicht lediglich sehr verniedlichend und sehr verharmlosend beschreibt.

Weiterhin darf gefragt werden, ob jetzigen SWU-Verantwortlichen aus der Geschäftsführung und der lokalen Politik (SWU-Chef BBerz, OB Gönner, SWU-Aufsichtsrat und Ulmer Gemeindrat, sowei die Neu-Ulmer Gremien) wirklich noch das geeignete Personal sind, um die SWU durch diese schlimme Misere zu steuern?
Schließlich haben diese Personen in der Vergangenheit die Beschlüsse zum Kauf der völlig überhöhten Anteile an Lünen und Hamm gefasst und damit die Risikotragfähigkeit der Stadt bei weitem überschritten, die jetzt zu dem Finanzdesaster führen.
Weiterhin, und das ist Schlimmste, sind diese Personen offensichtlich gerade dabei, genau diese Fehler mit dem PSW Blautal und dem GuD Leipheim zu wiederholen.

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Schwere Zeiten für die Stadtwerke Ulm

Die Stadtwerke Ulm sind mit 1100 Beschäftigten das größte Kommunalunternehmen, das zu 93 Prozent Ulm und zu 7 Prozent Neu-Ulm gehört. Lange Zeit war das Unternehmen ein Goldesel für die Städte, dank der hohen Einnahmen aus dem Energiegeschäft. Doch das läuft nicht mehr so richtig. 2012 haben die SWU einen Verlust von 15 Millionen Euro ausgewiesen.

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