Stadtbibliotheks-Leiter Martin Szlatki steht vor großen Zukunftsaufgaben

Kommendes Jahr wird die Ulmer Stadtbibliothek 500. Aber enge Spielräume und digitaler Wandel stellen das Haus vor Herausforderungen - der Kulturausschuss hat daher das Budget moderat erhöht.

|
Seit April 2014 leitet er die Ulmer Stadtbibliothek: Martin Szlatki.  Foto: 

"Alle haben Fragen - wir haben Antworten." Der Slogan der Ulmer Stadtbibliothek ist griffig und klingt überzeugend. Doch um auch in Zukunft Antworten geben zu können, müssen die Bedingungen in der Glaspyramide und in den Stadtteilbüchereien stimmen. Bibliotheksleiter Martin Szlatki, seit eineinhalb Jahren im Amt, hat daher im Kulturausschuss eine "Zielkonzeption 2022" vorgelegt. Die Stadträte waren nicht nur voll des Lobes, sondern haben auch einige Weichen gestellt. Was ja auch immer Monetäres bedeutet.

Ganz konkret wurden drei Anträge einstimmig angenommen. Erstens: Von 2016 an bekommt die Stadtbibliothek eine neue bibliothekspädagogische Stelle. Zweitens: Das Sachmittelbudget wird um 65.000 Euro jährlich erhöht, vor allem für den Medienetat sowie die Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Und drittens: Die Stadtverwaltung geht die Zukunft der Stadtteilbibliothek Eselsberg an und wird womöglich einen Neubau planen.

Die Ulmer Stadtbibliothek hat in den vergangenen Jahren in Rankings und Nutzerumfragen stets erfreulich gut abgeschnitten. Dennoch sieht Martin Szlatki Tendenzen, die ihm Sorgen bereiten. Vor allem ist seit zehn Jahren - damals zog die Zentralbibliothek vom Schwörhaus in die Glaspyramide - ein Nutzerrückgang zu verzeichnen: von 23 000 auf knapp 20 000. Und die Zahl der Entleihungen sank von 1,2 auf 1,1 Millionen.

Dafür gibt es etliche Ursachen, und natürlich ist da der demografische Wandel zu nennen. Aber Martin Szlakti weiß: "Das hängt auch mit Ressourcen zusammen." Das Personal der Ulmer Stadtbibliothek wurde in den vergangenen 20 Jahren um ein Viertel reduziert; zwar konnten viele Arbeitsabläufe verdichtet werden, aber letztlich sind die Aufgaben sogar mehr geworden. In den vergangenen Jahren hat die Bibliothek 2,3 Stellen aus dem eigenen Budgetübertrag finanziert (also quasi selbst erwirtschaftet), aber aufgrund rückläufiger Einnahmen sind diese Polster weggeschmolzen. "Die Spielräume sind enger geworden", fasst Szlatki zusammen.

Ebenso gravierend sieht es bei den Sachmitteln aus. Dabei geht es vor allem um den Medienetat, denn nur ein attraktiver Bestand an Büchern und anderen Medien hält die Nutzer bei der Stange. Die Ulmer liegen dabei deutlich unter den Empfehlungen des Deutschen Bibliotheksverbands: Lediglich 360.000 statt 420.000 Euro pro Jahr kann die Stadtbibliothek ausgeben. Bei den Sachmitteln sei man leider "wieder auf Schwörhaus-Niveau angekommen" sagt Szlatki, "aber wir sollten wieder auf Glaspyramiden-Niveau unterwegs sein". Zumal man Nutzer, die man erstmal verloren hat, nicht so einfach zurückgewinnt.

Einen Nachholbedarf hat die Stadtbibliothek, so modern sie scheint, in etlichen Aspekten der IT-Ausstattung. Online-Angebote müssen ausgebaut werden, zudem wird die RFID-Technologie für eine zeitgemäß einfache Entleihe und Rückgabe von Medien eingeführt.

Die Stadtbibliothek hat einen wichtigen gesellschaftspolitischen Auftrag, sagt Szlatki: Sie soll "Bildungs- und Kulturort für möglichst alle Menschen - real und virtuell - sein". Da ist auch über die genannten Themen hinaus einiges zu tun: Wie erreicht man bildungsferne Schichten? Sollte es nicht auch mehr Veranstaltungen für Erwachsene geben? Und wie können die Öffnungszeiten optimiert werden?

In der "Zielkonzeption 2022" - Szlatkis Vorgänger Jürgen Lange hatte 1995 und 2008 solche Papiere vorgelegt - sind auch gleich konkrete Ziele benannt: Die Ausleihzahlen sollen auf 1,1 Millionen stabilisiert werden, die Zahl der Besuche soll auf 65.000 steigen, und es soll 95 Prozent Kundenzufriedenheit erreicht werden. Wenn das so kommt, hat die Stadtbibliothek offenbar weiterhin die richtigen Antworten.

Zahlen und Fakten

Stadtbibliothek Die Ulmer Stadtbibliothek besteht aus der Zentralbibliothek am Marktplatz, vier Stadtteilbibliotheken (Böfingen, Eselsberg, Wiblingen, Weststadt) sowie der Fahrbibliothek. Der Bestand beträgt insgesamt 621.000 Medien, davon sind 307.000 Printmedien. Vergangenes Jahr wurden 1,1 Millionen Entleihungen gezählt, davon 752.000 bei Printmedien, auf die Kinderbibliothek entfielen 150.000 Entleihungen. Die Onleihe zählte rund 83.000 Entleihungen. Die Stadtbibliothek hat derzeit knapp 20.000 aktive Nutzer, 35 Prozent von ihnen kommen mindestens einmal pro Woche. Noch eine Zahl: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 672 Veranstaltungen durchgeführt.

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gibt es weiße Weihnachten?

In der Adventszeit ist es die Fragen aller Fragen: Gibt es weiße Weihnachten? Die Antwort ist klar: vielleicht! weiter lesen