Stadt fördert Traumaforschung mit 150.000 Euro

Soll die Stadt Ulm die Traumaforschung fördern? Die Stadträte meinen ja und bezuschussen dieses junge Projekt der Wissenschaftsstadt mit 150.000 Euro.

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Thomas Wirth: Die Traumaforschung braucht angemessene öffentliche  Anerkennung.  Foto: 

Ist es Aufgabe einer Kommune, in diesem Fall der Stadt Ulm, die Wissenschaft finanziell zu fördern? Diese Frage der Ulmer Grünen-Stadträtin Lena Schwelling, „die man stellen darf“ (OB Gunter Czisch), hat der Hauptausschuss des Gemeinderats in großer Einmütigkeit beantwortet. Einstimmig – auch  Schwelling hob den Arm – hat er beschlossen, der 2015 in Ulm gegründeten Deutschen Traumastiftung einen Zuschuss zu gewähren. Und zwar 150.000 Euro, die von 2016 an in drei Jahresraten zu je 50.000 Euro ausbezahlt werden.

Prof. Thomas Wirth, Vizepräsident der Stiftung, und Michael Drechsler, Geschäftsführer, hatten zuvor Sinn und Zweck der Stiftung erläutert. Deren Ziel ist es, der Traumaforschung in Deutschland zu angemessener öffentlicher Reputation zu verhelfen und die Bevölkerung besser aufzuklären. Stärker vernetzt werden sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Traumatologie auf den physischen und psychischen Ebenen. Unterstützt wird das Bestreben des Forschungsstandortes in der Wissenschaftsstadt, nationales Zentrum für interdisziplinäre Traumaforschung zu werden – samt Kooperation mit der Traumforschung in den USA. Dazu sei es nötig, Drittmittel zu gewinnen. Um in die Ebenen anerkannter Exzellenz-Forschung vorzustoßen, seien zweistellige Millionen-Beträge nötig, sagte CDU-Fraktionschef Thomas Kienle.

Die von den anderen Fraktionen als provokativ empfundene Frage Schwellings löste reihenweise Bekenntnisse zur Wissenschaftsstadt aus. Martin Rivoir (SPD): „Das ist aktuelle Standort-Politik.“ Die Stadt habe immer wieder Beiträge zur Stärkung des Wissenschaftsstandortes geleistet, beispielsweise durch Finanzierungsbeteiligungen an Lehrstühlen. Erik Wischmann (FDP): „Diese Förderung ist Mittel zum Zweck. Wir brauchen in Ulm außeruniversitäre Einrichtungen.“ Helga Malischewski (FWG): Es gehe um die Reputation, darum, den Boden zu bereiten, um verstärkt Drittmittel an Land zu ziehen  – da nütze es immer, wenn die Stadt mit an Bord sei. Nochmals Kienle: „Der Faktor der Förderung  wird ein Vielfaches sein, sobald Projekte generiert werden.“  OB Czisch wies darauf hin, es handele sich um eine „Anschubfinanzierung“. Anders als häufig im Sozialbereich, wo auf den Einmalzuschuss auf dem Fuß der Antrag auf Dauerförderung folge.

Stadträtin Dorothee Kühne (SPD) schließlich regte an, die Traumastiftung solle auf das bereits renommierte Ulmer Zentrum für Folteropfer zugehen; sie sehe in ihm einen potenziellen Kooperationspartner.

Die Stiftung

Gegründet 2015 Die Traumastiftung ist 2015 in Ulm gegründet worden. Ihre Protagonisten sind Unfallchirurgen, Psychiater, Psychotherapeuten. Präsident ist der ärztliche Direktor der Klinik für Unfallchirurgie Prof. Florian Gebhard. Als Vizepräsidenten agieren der Chef des Instituts für physiologische Chemie Prof. Thomas Wirth und der Chef der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, Prof. Jörg Fegert.

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Kommentare

13.06.2016 17:56 Uhr

Fragwürdige Traumastiftung

Obwohl von mir der realiter niemals trennbare Zusammenhalt des "sozialen Bandes", von dem der französische Soziologe Durkheim schon vor rund einem Jahrhundert theoretisch sprach, im Zuge einer Studie zur notwendigen Restrukturierung industrieller Arbeit empirisch verifiziert wurde, behauptet das Regierungspräsidium in Tübingen, dass ich von falschen Voraussetzungen ausgehe; ohne allerdings den von mir erhobenen Befund jemals falsifizieren zu können. Weil offenkundig die Behörde das staatliche Gewaltmonopol zugunsten blanker Chimären missbraucht und sich dadurch weigert, die Aufsicht nicht zuletzt über die Traumastiftung zu führen, sind die Grundlagen, auf denen ihr Stiftungszweck fußt, mehr als fragwürdig. Entspricht sie den ungebrochen geltenden Anforderungen des Regierungspräsidiums, geht sie flugs ihrem Anspruch verlustig, Wissenschaftlichkeit zu fördern und frönt mehr über kurz als lang bloßem Dilettantismus.

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13.06.2016 10:07 Uhr

Behandlungsbedürftiger Einstein?

Selbst der in Ulm geborene Physiker Albert Einstein sah sich zeitlebens dem Vorwurf ausgesetzt, beliebige Forschung zu betreiben; wobei die zunehmend haltlose Kontroverse zur Relativitätstheorie über seinen Tod hinaus bis heute existiert (Wazeck: Einsteins Gegner, Frankfurt/Main, 2009, S. 385). Insofern also Dritte die Integrität seiner Person dadurch willkürlich in Abrede stellen, diagnostizierte ihm bislang kein Psychiater ein Trauma, welches wissenschaftlich auszuloten ist. Noch bevor demnach der dortige Gemeinderat der im Jahr 2015 gegründeten Traumastiftung öffentliche Gelder in Höhe von € 150.000 verfügbar macht, bleibt geboten, deren Voraussetzungen zu klären, um nicht den größten Sohn der Stadt fälschlich als ein prominentes Beispiel für eine Behandlungsbedürftigkeit zu bezeichnen, die keinen Aufschub duldet.

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