Psychosomatische Sprechstunde direkt am Arbeitsplatz

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Lange Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeit, Frührente – psychische Erkrankungen ziehen unbehandelt oft gravierende Folgen nach sich. Schätzungsweise jeder zweite deutsche Erwachsene ist mindestens einmal im Leben von kurz oder länger andauernden seelischen Leiden wie Depressionen oder Angststörungen betroffen, viele während des Berufslebens. Doch längst nicht alle suchen Hilfe, obwohl in Deutschland die Kosten für eine Psychotherapie meist von den Krankenkassen übernommen werden.

Wissenschaftler der Uni-Klinik Ulm haben nun gemeinsam mit Tübinger Forscherkollegen nachgewiesen, dass psychosomatische Sprechstunden am Arbeitsplatz einen besseren Zugang zu Therapien und damit den frühzeitigen Behandlungsbeginn ermöglichen können. Um herauszufinden, ob therapiebedürftige Menschen besser und früher erreicht werden, wenn ihnen gleich im Job Hilfe angeboten wird, haben die Wissenschaftler um Erstautorin Dr. Eva Rothermund und Prof. Harald Gündel ein neues Versorgungsmodell geprüft, teilt die Uni-Klinik mit. Eingeführt wurde das Modell in Zusammenarbeit mit dem Tübinger Institut für Arbeits- und Sozialmedizin, der Sektion Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung sowie mit Unternehmen aus der Region Ulm und Stuttgart, darunter Airbus. Gemeinsam mit Kliniken vor Ort richteten die Firmen eine „Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb“ ein.

Für die Untersuchung waren 370 Versuchspersonen rekrutiert worden. Fast die Hälfte habe das Versorgungsmodell der psychosomatischen Sprechstunde am Arbeitsplatz wahrgenommen, die restlichen Teilnehmer nutzten demnach die Ambulanz an einer psychosomatischen Klinik. Es habe sich gezeigt, dass Betroffene mit deutlich schlechterer physischer und seelischer Gesundheit eher die etablierten Ambulanzen an einer Klinik aufsuchten. Die Sprechstunde im Betrieb hingegen habe vor allem Personen erreicht, die am Anfang einer seelischen Belastung stehen.

Zudem sei die Betriebssprechstunde von verhältnismäßig mehr Männern genutzt worden als bei ambulanten Angeboten üblich. Das neue Versorgungsmodell könne ergo der bislang unterversorgten Gruppe betroffener Männer helfen, den Weg zu einer adäquaten Behandlung zu finden, heißt es.

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