Sprache drückt aus, was man denkt

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Das Wort „völkisch“ solle nicht mehr so negativ verstanden werden, schließlich sei es ja lediglich eine Ableitung des Begriffs „Volk“, hatte jüngst die AfD-Vorsitzende Frauke Petry gesagt. Es sei eine „unzulässige Verkürzung, wenn gesagt werde, „völkisch“ sei rassistisch.

Aber Sprache bedeutet Denken und Meinung. „Sprachspuren offenbaren Denkmuster“, sagt dazu die Professorin vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, Heidrun Kämper. Zum 14. Jahrestag der „Stiftung Erinnerung Ulm“ analysierte die Germanistin Legitimationsvokabeln aus dem Grundsatzprogramm der AfD. Im Vergleich dazu präsentierte sie Auszüge aus dem NSDAP-Parteiprogramm von 1920 und zeigte anhand von Textstellen aus Hitlers „Mein Kampf“, dass sich die Sprache im aktuellen rechtspopulistischen Diskurs ebenjener Aggressivität von damals bedient.

An sprachlicher Aufklärung will sich auch das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) aktiv beteiligen. „Wer hätte vor Jahren noch gedacht, dass sich nationale Stimmungen wieder breit machen in unserer Gesellschaft“, sagte Ilse Winter, Vorsitzende der Stiftung, deren zentraler Zweck die Förderung der Arbeit des DZOK ist.

Mit 50 000 Euro wird die Stiftung das neue Pilotprojekt „Man wird ja wohl noch sagen dürfen…“ über den Zeitraum von drei Jahren fördern. Finanzielle Unterstützung dafür kommt auch mit 60 000 Euro von der Paul-Lechler-Stiftung, weitere 15 000 Euro von der Bürgerstiftung Ulm. Weil Verrohung der Sprache besonders bei Jugendlichen Eingang in ihren Wortschatz findet, will das Projekt versuchen, den geschichtlichen Kontext besonders für jüngere Menschen wieder herzustellen und nachvollziehbar zu machen. „Es muss die Jugendlichen irgendwie berühren um sie zu erreichen, sonst hat das keinen Sinn“, sagte Wenge.

Das Projekt sei notwendig, ergänzte Winter, denn: „Mit der Sprache formt sich auch das Denken.“ lms

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