Spedition Harder expandiert: für Kuka, Liebherr, Evobus

Ein Elektro-Scooter für Azubis – so kommt die Spedition Harder an den dringend nötigen Nachwuchs. Der Spezialist für Betriebsverlagerungen wächst.

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Marcello Danieli, Firmenchef von Harder, im speziell gesicherten Depot für die Lagerung sensibler Akten von Anwälten und Arztpraxen.  Foto: 

Für eine expandierende mittelständische Firma wie die Spedition Harder ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar. „Ich brauche Leute, auch Flüchtlinge“, sagt Firmenchef Marcello Danieli, in dessen auf Firmenumzüge spezialisierten Betrieb man anpacken muss. Und: „Ich könnte fünf Azubis einstellen.“

Bei den Lehrlingen ist Danieli zuletzt jedoch mit einer Anzeigen-Kampagne weitergekommen. Darin wird jedem neuen Auszubildenden ein eigener Elektro-Roller zugesagt. Daraufhin haben sich gleich zwei junge Leute für eine gewerbliche Ausbildung bei Harder gemeldet. Danieli griff mit der Idee auf die Geschichte seines Vaters zurück, der als italienischer Gastarbeiter nach Deutschland einwanderte und von seinem Betrieb ein Moped bekam.

Sein Sohn war nach einem Betriebswirtschaftsstudium anfangs im Computervertrieb, er stattete dabei auch die auf Betriebsverlagerungen spezialisierte Spedition Stamm aus und blieb dort hängen: „Ich wusste zunächst nicht mal, wie viel man auf einen Lkw laden kann.“  Mit dem Know-how der Spedition, die später durch mehrere Krisen ging, übernahm Danieli 2003 dann die Spedition Harder in Vöhringen: „Ich musste wieder bei null anfangen.“

Seither hat das Unternehmen, das zwischenzeitlich in der Max-Eyth-Straße in Neu-Ulm angesiedelt ist, aber eine „rasante Entwicklung“ durchlaufen. Der Schwerpunkt sind erneut Betriebsverlagerungen und Firmenumzüge: weltweit.

Aus der komplexen Materie heraus, für die Danieli beispielsweise beim Ab- und Aufbauen von Maschinen Spezialisten wie Mechaniker und Elektriker braucht, hat die Firma ergänzende Geschäftsfelder entwickelt. Dazu gehört das Clean-up, das auch beim Umzug des Moco-Sägewerks in der Blaubeurer Straße gefragt war, mit Rückbau aller Leitungen und Recycling des Materials. Ein weiteres Spezialgebiet ist die sichere Einlagerung von Akten – wie für Rechtsanwaltskanzleien, mit strikten Zutrittskontrollen. Zudem macht die Spedition 1700 Privatumzüge pro Jahr – mit allen Spezialfahrzeugen.

Solche Fahrzeuge kamen zuletzt zum Einsatz als Harder für Diehl Aircabin in Laupheim zwei 30-Tonnen-Pressen in einer Halle wegen niedriger Deckenhöhe ohne Kran übereinander aufbauen musste. Für das Abladen der Pressen konnte die Spedition zwar Kräne verwenden, für die man wegen des benachbarten Flugplatzes allerdings das Plazet des Luftfahrtbundesamts brauchte.

Vor allem, wenn es darum geht, schwere Lasten zu transportieren, scheut Harder keinen Aufwand.  So hat Danieli einen Spezialisten für den Transport von tonnenschweren Tresoren aus dem Ruhestand wieder aktiviert. Der Experte soll auch jüngeren Leuten beibringen, wie man die Panzerschränke bewegt. Das Prinzip ist wie bei den Steinen zum Bau der Pyramiden in Ägypten: auf rollenden Untersätzen.

Auch für Kuka in Augsburg hat Harder nicht nur 2500 Büroarbeitsplätze umgezogen, sondern 120 Roboter eines Schulungszentrums. Der Umzug der Evobus-Verwaltung von Kirchheim nach Neu-Ulm lief ebenfalls über Harder. Für Konzerne wie Beiersdorf ist die Spedition global tätig. Das Tätigkeitsfeld reicht bis China sowie Nord- und Südamerika.

Eines der Großprojekte war 2013 der Umzug der Chirurgie in Ulm. In den Hallen an der Max-Eyth-Straße sind auch medizinische Geräte des BWK zwischengelagert. Dort betreibt Harder auch Logistik-Veredelung, die über Transporte hinausgeht: mit der Montage von Glastüren mit Türgriff. Klassischer Versand von Stückgut ist dagegen kein Thema.

Daten und Fakten

Strategie Die Spedition Harder beschäftigt 85 Mitarbeiter, Umsatzziel: zehn Millionen Euro. Auf dem Firmengelände in der Max-Eyth-Straße 39 verfügt das Logistik-Unternehmen über 18.000 Quadratmeter Freifläche und 12.500 Quadratmeter Hallen. Um das Segment Betriebsverlagerungen strategisch auszubauen, hat Firmenchef Marcello Danieli (54) zuletzt Hermann Allgaier in die Geschäftsführung berufen. Der 50-Jährige ist schon seit 2015 bei Harder tätig und für die Abwicklung komplexer Industrieprojekte verantwortlich. Ein großer Kunde auf diesem zentralen Geschäftsfeld ist auch die Liebherr-Gruppe, für die Harder zuletzt ein Lager mit 78.000 Teilen umgezogen hat.

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