Spaziergänger fotografierte vermeintliche Spuren vom Wolf bei Merklingen

Der Wolf ist zurück im Alb-Donau-Kreis – und schon in der Wahrnehmung der Menschen angekommen. Mehrere Leser unserer Zeitung berichten von Sichtungen. Immer fehlt aber ein letzter Nachweis.

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Die Spuren des Wolfs bei Merklingen - Das Tier ist von Kopf bis Rumpf zwischen 100 Centimetern und 150 Meter lang und hat eine Schulterhöhe zwischen 60 und 90 Centimeter.  Foto: 
Einen ausgeprägten Ballen an der Pfote und Spuren, die meist geradeaus verlaufen: Ein Leser unserer Zeitung, der ungenannt bleiben möchte, hat bei Merklingen im Mai 2015 und im Dezember 2013 Spuren im Waldboden fotografiert, die von einem Wolf stammen könnten. Sicher, dass es sich um Wolfsspuren handelt, ist der 58 Jahre alte Diplom-Biologe nicht. „Es ist wirklich schwierig, große Hunde vom Wolf zu unterscheiden“, sagt der Mann, der in Ulm lebt und regelmäßig bei Merklingen spazieren geht.

Autofahrer haben kürzlich auf der A 8 den Kadaver eines Jungtieres entdeckt, das aus den Alpen oder aus Nord-Ost-Deutschland stammt. Ein DNA-Test soll das klären. Der Fund ist der erste Nachweis eines Wolfes in Württemberg seit 1847.

Warum der Mann die Fotos nicht schon direkt nach der Aufnahme hat prüfen lassen? „Ich wollte den Wolf in Ruhe lassen.“ Und er sei davon ausgegangen, dass es sich um ein durchziehendes Tier handelt.

„Leider ist es anhand einzelner Trittsiegel nicht möglich, einen Wolf zu identifizieren“, sagt der Wildtierökologe Dr. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg. Tendenziell seien die Pfotenabdrücke von Wölfen zwar etwas langgestreckter und eher oval als rund. Allerdings könnten auch einige Hunde diese Kriterien wunderbar erfüllen, bestätigt Herdtfelder die Angaben unseres Lesers.

Deshalb wird immer der Verlauf der Spuren verglichen, was ein Foto aber nicht wiedergeben kann. Etwa 100 Meter Fährte braucht es, um sich die Abdruckfolge genau anschauen zu können. Denn ein Wolf sei sehr energiesparend unterwegs, laufe meist geradeaus, sagt Herdtfelder. Hunde dagegen liefen mal nach rechts, mal nach links.

Auf den Fotos fehlen laut Herdtfelder außerdem genaue Maßangaben, um die Abdruckgröße exakt bestimmen zu können. Der Schuh erlaubt lediglich einen vagen Vergleich. Sollte es sich allerdings bei den beiden Fotos mit identischen Spuren tatsächlich um einen Wolf handeln, könnte zumindest die Spur von vor zwei Jahren nicht von dem nun überfahrenen Wolf stammen. Entweder gibt es dann mindestens ein weiteres Tier in der Gegend; oder aber ein anderes war vor zwei Jahren auf Durchreise.

Auch Herdtfelder hat zuletzt Anrufe erhalten, in denen ihm von Wolfssichtungen berichtet wurde. Ein Beleg für die Sichtung – etwa ein Foto – konnte aber keiner vorlegen. Ähnliches berichtet Max Wittlinger, Kreisjägermeister im Alb-Donau-Kreis, der mit einer Familie im nördlichen Alb-Donau-Kreis in Kontakt stand, die ein ganzes Wolfsrudel beobachtet haben wollte. Es habe sich aber im weiteren Gespräch schnell ergeben, dass das vermeintliche Rudel etwa zwei Kilometer entfernt gewesen sei. „Vermutlich war es dann doch eine Rotte Wildschweine“, sagt Wittlinger.

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Kommentare

05.12.2015 11:16 Uhr

Antwort auf „Wolf”

Man braucht nur dafür zu sorgen das er weiss wie ein Eisbär gestrichen wird, oder sich irgendwie einer Untergruppe der Delphine zuordnen lässt. Dann interessieren sich wenigstens Kinder-/Jugendgruppen und Greenpeace dafür. Gut man könnte auch auf die Grünen setzen, aber wie bereits Künast immer wieder meint, wenn verstärkter Tierschutz Arbeitsplätze kostet, wird das nix mit Tierschutz. ;)

Ich denke die Jägerschaft wird sich ganz bestimmt für Wölfe interessieren, weil zwischen Fasan Auerhuhn und Hirschgeweih noch soviel Platz an der Wand frei ist. ;)

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05.12.2015 10:32 Uhr

Wolf

Es sind wieder Wölfe im Land. Na sowas.

In den letzten 20-30 Jahren haben wir uns drüber beschwert, wie unsere Vorfahren gnadenlos Jagd auf diese Wildtiere gemacht und sie in Deuschland so ziemlich ausradiert hatten.

Jetzt sind ein paar von den " todgeglaubten" wieder da und wir als "zukunftsorientierte,hippe,smartphoneglotzende" Gesellschaft drehen am Rad nur weil einer dieser erbarmungswürdigen Kreaturen auf der Autobahn überfahren wurde ?

Wollen wir sie haben, oder nicht? Wenn nicht, dann laßt uns sie nochmals ausradieren. Wir schaffen das:

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