Spaßbäder voller Nichtschwimmer

Immer weniger Kinder können schwimmen. Kaum zu glauben, aber wahr: Ein Grund dafür liegt in der Zunahme an Spaßbädern.

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Hauptsache Spaß: Wer rutscht, der muss nicht unbedingt schwimmen können.  Foto: 

Wie effizient ist der Schwimmunterricht an unseren Schulen? Erik Wischmann, Ulmer Stadtrat der FDP, wirft den ökonomischen Blick auf das Problem. Dieses bringt Gerhard Semler in einem schlichten Satz auf den Punkt: „Immer weniger Kinder können schwimmen.“ Diese Erkenntnis gilt landauf, landab – und auch in Ulm.

Als Chef der städtischen Abteilung Bildung und Sport so was wie der Ulmer Oberbademeister findet Semler eine von mehreren Erklärungen darin, dass vor Bildschirmen und an Spielekonsolen aufwachsende Kinder eine zunehmende Abneigung gegen jede Art von Bewegung entwickeln, weil sie zu selten dazu animiert werden.

Ein zweiter, auf den ersten Blick absurd anmutender Grund: Alles rennt heutzutage in die vielerorts entstandenen Spaßbäder. Dort aber tollen sich die lieben Kleinen zwar stundenlang im 28 Grad warmen, allenfalls brusthohen Wellenbad oder scheuern sich auf kurvigen Abenteuerrutschen die Badehosen durch. Schwimmen aber ist nicht, hat Semler auch im Ulmer Freizeitbad Wonnemar festgestellt. Dort existiert hinten rechts zwar ein stinknormales Schwimmerbecken, in dem aber eher Herz- und Kreislaufkranke ihre stillen Bahnen ziehen, denn dass Kinder darin schwömmen.

Nicht vorangebracht hat das Kinderschwimmen bisher auch die Einführung eines Frauenbadetags im Ulmer Westbad. Er ist ja nicht zuletzt gedacht für Frauen muslimischen Glaubens, die ihren Kindern deswegen aber auch nicht vermehrt das Schwimmen beibringen. Erkenntnis der Stadtoberen jedenfalls: Anteil nichtschwimmender Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich hoch.

Im schulischen Schwimmunterricht, und somit kehren wir zur Anmerkung des liberalen Stadtrats Wischmann zurück, wirkt sich erschwerend aus, dass der Sportlehrer nicht ins Becken darf, um bei Schwimmübungen behilflich zu sein. „Er muss am Rand Aufsicht führen“, berichtet Semler. Damit Ulmer Schülern das Schwimmen dennoch hautnah beigebracht werden kann, hat die Stadt mit der DLRG ein Konzept entwickelt, das sie sich etliche zehntausend Euro im Jahr kosten lässt. Sie finanziert damit Mitglieder der Lebensrettungsgesellschaft, die den Kindern im Wasser zeigen, wie Schwimmen geht.

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Kommentare

31.12.2013 12:54 Uhr

Frauenbadetage

Glaubt Herr Semmler ernsthaft,eine Dame im Burkini ,die selber kaum schwimmen, kann nimmt ihre
kopftuchtragende Tochter (den Sohn darf sie ja nicht mitnehmen ,es ist FRAUENtag)mit ins Westbad, um ihr das Schwimmen beizubringen?
Dieser Frauenbadetag ist ein Zeichen falsch verstandener Toleranz. und diskriminiert alle Männer als Spanner und potentielle Vergewaltiger.
Wie mein Vorgänger schreibt,vor 30 Jahren ging man den ganzen Sommer an den Baggersee oder ins SSV-Bad,jeder Schüler (egal ob er oder sie,Christ,Jude oder Mulim,diese Mischung gab es damals schon)MUSSTE 1x die Woche zum Schwimmunterricht ins Ulmer Stadtbad,das leider nicht mehr exisitiert(was die Frage aufwirft,wie man ein so schönes ,traditionelles Bad in eine Musikschule umwandeln kann ,um sich dann zu wundern, dass die Kinder nicht schwimmen lernen).
Auch im Spassbad muß man schwimmen können,man lasse sich nur mal durch den künstlichen Fluß treiben.Das Problem ist,das der Burkini im Spaßbad nicht gut ankommen dürfte.
Liegt es also an uns,der Gesellschaft(dazu gehören nicht nur Deutsche,sondern alle Menschen die hier leben) dass die Migrantenkinder nicht schwimmen lernen,oder am mangelnden Integrations (Achtung: NICHT Assimilations-)willen der Migranteneltern?

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31.12.2013 09:03 Uhr

traurig

Die Schuld den Spaßbädern zuzuschreiben halte ich für falsch. Wer lernt schwimmen um in einem vergleichsweise langweiligen Becken auf und ab zu schwimmen? Keiner.
Zu meiner Grundschulzeit konnte die Hälfte der Schüler bereits von sich aus schwimmen, weil man die Zeit noch nicht vor der Glotze sondern in Schwimmbad oder See verbracht hat.
Damals war es den Eltern noch nicht so egal was die Kinder tun und als Kind hatte man den Ehrgeiz endlich auch schwimmen zu können.
Heute müssen die Lehrer den jahrelang kaputt (v)erzogenen Kids beibringen wie man einen Stift zwischen den Fingern hält und wie man sitzt ohne vom Stuhl zu fallen.
Merkt ihr den Unterschied?

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