Sparkasse Ulm schränkt Öffnungszeiten ein

Wegen der für die Bankenlandschaft „gigantischen“ Auswirkungen der Niedrigzinsphase strafft die Sparkasse Ulm ihr Filialnetz und schränkt Öffnungszeiten ein.

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Wegen der für die Bankenlandschaft „gigantischen“ Auswirkungen der Niedrigzinsphase strafft die Sparkasse Ulm ihr Filialnetz und schränkt Öffnungszeiten ein. Das gab Vorstandschef Manfred Oster am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz bekannt. Die Sparkasse verzichtet demnach auch auf Neueinstellungen, so dass der Personalstand von gegenwärtig 820 Vollzeitstellen im Lauf der nächsten fünf Jahre um etwa 50 sinkt. Dies geschieht über die natürliche Fluktuation im Betrieb, mit der jährlich mindestens zehn Mitarbeiter – oft altersbedingt – ausscheiden. Azubis sollen übernommen werden. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Oster aus.

Im Zuge der Sparmaßnahmen wandelt die Sparkasse fünf Filialen in Selbstbedienungs-Standorte um: in Ulm im Donautal und in Ermingen sowie in Asselfingen, Feldstetten, Ringingen. Ansonsten gelten 2016 neue Öffnungszeiten, wonach die Filialen mittwochnachmittags generell geschlossen bleiben – wie es hieß auch für die Weiterbildung von Personal. Ausnahmen: Ulm-Zentrum und Bahnhofstraße, Ehingen. Die Mittagspause dauert von 12.30 bis 13.30 Uhr. Montag und Donnerstag ist bis 18 Uhr offen.

Die Effekte der Niedrigzinsphase werden bei der Sparkasse inzwischen schon am Betriebsergebnis deutlich, das durch die rückläufige Zinsspanne um fast zehn Millionen Euro auf rund 50 Millionen zurückging. Oster machte keine Angaben, inwieweit daraus Rückstellungen für eine Niederlage in den Scala-Prozessen abgezweigt werden müssen.

Die Sparkasse will bekanntlich die Langzeit-Sparverträge mit hohen Bonuszinsen loswerden und ist mit dem behaupteten Kündigungsrecht in erster Instanz am Landgericht Ulm unterlegen. Das Kreditinstitut ist aus Osters Sicht gleichwohl „solide“ unterwegs, liegt mit dem Eigenkapital im Durchschnitt der Landes-Sparkassen und kommt wegen langfristig hochverzinslicher Eigenanlagen – zwei Milliarden Euro – bis 2020 gut durch. Die Finanzbranche fahre bei anhaltend niedrigen Zinsen wegen der unklaren Zukunft schon 2017 in eine „Nebelwand“.

Die überschaubare Perspektive für die nächsten Jahre erlaubt es der Sparkasse vorerst auch, ihr Filialnetz mit 85 Standorten unverändert aufrechtzuerhalten – eben mit einer Verschiebung zu Selbstbedienungsfilialen. Zwar schließt das Kreditinstitut die Zweigstelle Hausen am Bussen, eröffnet dafür jedoch eine Niederlassung bei Möbel Borst. Die Sparkasse Neue Mitte in Ulm liegt nach Osters Worten voll im Zeitplan und kann sogar etwas früher bezogen werden als geplant. Im August ziehen die ersten Abteilungen ein, und Ende Oktober soll die neue Kundenhalle mit fast 700 Quadratmetern öffnen. Die Sparkasse siedelt rund 500 Mitarbeiter in den zwei neuen Gebäuden an und schließt dafür das Back-Office Hauffstraße.

Mitten in den Umzug fällt die Berufungsverhandlung in Sachen Scala am Oberlandesgericht Stuttgart am 23. September. Oster wollte nicht darüber spekulieren, ob die Sparkasse erneut eine Schlappe kassiert oder das Blatt sich wendet: „Spekulationen überlassen wir anderen.“ Das Landgericht Ulm hat zuletzt auch die Zinsberechnungsmethode der Sparkasse für Scala in Zweifel gezogen.

Oster deutete wie seine Münchner Anwälte an, das Gericht könne mit der Materie überfordert sein, weil es „im fachlichen Teil ins Eingemachte“ geht. Die Sparkasse habe sich das Vorgehen bei Scala nicht einfach gemacht. Er müsse daher eingestehen, dass ihn der Scala-Prozess „furchtbar schlaucht“. Es gehe für den Vorstand lediglich darum, die richtigen Entscheidung für die Bank zu treffen: „Wir sind nicht gegen die Sparer unterwegs.“

 

Wichtige Kennzahlen

Bilanz 2014
Das Betriebsergebnis der Sparkasse vor Risikorücklagen beträgt 49,8 Millionen Euro oder 0,89 Prozent der Bilanzsumme. Damit ist die Sparkasse erstmals seit langer Zeit unter den Richtwert von 1 Prozent gesunken. Weil mehr Risiken aufgelöst als neue Rückstellungen gebildet wurden, beträgt das Ergebnis nach Risikoauswertung aber 0,92 Prozent. Die Ertragskraft zeigt sich an der im wesentlichen unveränderten Steuersumme von 19 Millionen Euro. Bilanzsumme: 5,57 Milliarden Euro (plus 3,9 Prozent), Kredite 3,60 Milliarden (plus 3,2), Einlagen 4,34 Milliarden (plus 1,1). 1264 Mitarbeiter nach Köpfen.

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Kommentare

25.07.2015 19:45 Uhr

die rückläufige Zinsspanne um fast zehn Millionen Euro auf rund 50 Millionen zurückging.

war das für die "Experten" der Sparkasse nicht irgendwie ersichtlich ?

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25.07.2015 12:01 Uhr

Bausünden...

es ist schon eine Leistung, in unsicheren Zeiten gleich zwei Bausünden so nah beieinander hinzustellen...das schafft nur die Sparkasse

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24.07.2015 16:10 Uhr

Schon erstaunlich,

dass man sich in so unsicheren Zeiten einen 80 Millionen Neubau hinstellen muss. Wer weiß, ob man ein Gebäude dieser Größe in ein paar Jahren überhaupt noch braucht. Die Kunden wandern zunehmend ins Internet ab. Die Sparkasse Ulm hat sich ihren guten Ruf dank Scala selbst ruiniert.

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