Sparkasse muss sparen

Auch die Sparkasse leidet zunehmend unter der Niedrigzinsphase und muss sparen: Deshalb bleiben die Filialen mittwochnachmittags zu, ausgenommen Ehingen und Ulm. Es gibt aber keine Kündigungen.

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Voraussichtlich im Dezember eröffnet die neue Filiale der Sparkasse beim E-Center in Nasgenstadt. Franz Borst, Eigentümer der Immobilie, ist Bauherr, die Sparkasse wird Mieter. Auf 77 Quadratmetern entstehen Servicebereich und ein Beratungszimmer. "Wir sind dort, wo die Kunden sind", betonte Sparkassen-Sprecher Boris Fazzini (rechts). Jürgen Glökler (links), Filialdirektor Ehingen-Land, bewertet den Standort bei Möbel Borst, Toom und E-Center als Publikumsmagnet. Zudem profitierten davon auch Kunden aus Griesingen und Gamerschwang.  Foto: 

Wegen der für die Bankenlandschaft "gigantischen" Auswirkungen der Niedrigzinsphase strafft die Sparkasse ihr Filialnetz und schränkt Öffnungszeiten ein. Das gab Vorstandschef Manfred Oster gestern bei der Bilanzpressekonferenz bekannt. Die Sparkasse verzichtet demnach auch auf Neueinstellungen, so dass der Personalstand von 820 Vollzeitstellen im Lauf der nächsten fünf Jahre um 50 sinkt. Dies geschieht im Zuge der natürlichen Fluktuation im Betrieb, mit der jährlich mindestens zehn Mitarbeiter meist altersbedingt ausscheiden. Azubis sollen übernommen werden. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Oster aus.

Im Zuge der Sparmaßnahmen wandelt die Sparkasse fünf Filialen in Selbstbedienungs-Standorte um, darunter auch Ringingen. Ansonsten gelten 2016 neue Öffnungszeiten, wonach die Filialen mittwochnachmittags generell geschlossen bleiben - wie es hieß auch für die Weiterbildung von Personal. Ausnahmen: Ulm-Zentrum und Bahnhofstraße und Ehingen.

Die Effekte der Niedrigzinsphase werden bei der Sparkasse inzwischen schon am Betriebsergebnis deutlich, das wegen rückläufiger Zinsspanne um fast 10 Millionen auf rund 50 Millionen Euro zurückging. Oster machte keine Angaben, inwieweit daraus Rückstellungen für eine Niederlage in den Scala-Prozessen abgezweigt werden müssen.

Die Sparkasse will bekanntlich die Langzeit-Sparverträge mit hohen Bonuszinsen loswerden und ist mit dem behaupteten Kündigungsrecht in erster Instanz am Landgericht Ulm unterlegen. Das Kreditinstitut ist aus Osters Sicht gleichwohl "solide" unterwegs, liegt mit dem Eigenkapital im Durchschnitt der Landes-Sparkassen und kommt wegen langfristig hochverzinslicher Eigenanlagen - zwei Milliarden Euro - bis 2020 gut durch. Die überschaubare Perspektive für die nächsten Jahre erlaubt es der Sparkasse vorerst auch, ihr Filialnetz mit 85 Standorten unverändert aufrechtzuerhalten - eben mit einer Verschiebung zu Selbstbedienungsfilialen. Zwar schließt das Kreditinstitut die Zweigstelle Hausen am Bussen, eröffnet dafür jedoch eine Niederlassung bei Möbel Borst (siehe Foto).

Am 23. September ist die Berufungsverhandlung in Sachen Scala am Oberlandesgericht Stuttgart. Oster wollte nicht über den Ausgang spekulieren. Das Landgericht Ulm hat zuletzt auch die Zinsberech- nungsmethode der Sparkasse für Scala in Zweifel gezogen (wir berichteten). Oster deutete wie seine Münchner Anwälte an, das Gericht könne mit der Materie überfordert sein, weil es "im fachlichen Teil ins Eingemachte" geht. Die Sparkasse habe sich das Vorgehen bei Scala nicht einfach gemacht. Er müsse daher eingestehen, dass ihn der Scala-Prozess "furchtbar schlaucht". Es gehe für den Vorstand lediglich darum, die richtigen Entscheidung für die Bank zu treffen: "Wir sind nicht gegen die Sparer unterwegs."

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Kommentare

25.07.2015 12:18 Uhr

"Wir sind nicht gegen die Sparer unterwegs." - Doch, das ist die Sparkasse! - War der Neubau zu...

Klar, einen Millionenteuren Neubau hinstellen und dann den Service einstellen. Ganz toll!!

UNd von wegen '"Wir sind nicht gegen die Sparer unterwegs." - Warum dann benimmt sich die Sparkasse bei Scala so??

Und warum muss man bei der Sparkasse in den Pauschalmodell sogar noch für die SMs-Tans zahlen? Bei den Tanlisten war das Erstellen und versenden sicher ein größerer Aufwand. Und die Aussage, dass 'die SMS so teuer' wären, ist völliger Humbug: Für 10 € bekommt man eine SMS-flat. Wie viel die Sparkasse wohl dafür zahlt?

Immerhin bekommt man die SMS-tan bei anderern Instituten kostenfrei. Auch, wenn das die Herren von der Sparkasse nicht gerne hören. Da kann Sparkassen-Sprecher Boris Fazzini ncoh so viel schönschwätzen wie er will: Die Sparkasse wird so langsam teuer. Und wer jetzt keinen Zusammenhang mit dem teuren Neubau sieht, der glaubt auch an den Osterhasen. Oder an die soziale Ader von Bänkern.

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