Sozialplan am RKU: Ende des unwürdigen Schauspiels

Der ausgehandelte Sozialplan für 60 Mitarbeiter am RKU ein Erfolg ist eine Niederlage für die Beschäftigten - Sie werden kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Von Geschäftsführer Uwe Gretscher war wenig anderes zu erwarten.

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Als noch Hoffnung bestand: Unterschriftenaktion für die Beschäftigten am RKU im vergangenen Jahr.  Foto: 

Für welche Seite der ausgehandelte Sozialplan am RKU ein Erfolg ist, sei dahingestellt. Sowohl Geschäftsführung als auch Betriebsrat werten die 1,8 Millionen für Abfindungen als zufriedenstellendes Ergebnis. Wohlgemerkt, die nackte Zahl. Unterm Strich freilich ist die Einigung eine Niederlage. Eine Niederlage für die 60 Mitarbeiter, die seit einem Jahrzehnt, zwei Jahrzehnten oder noch länger in der Klinik am Oberen Eselsberg arbeiten - darunter Frauen aus Küche, Cafeteria oder Hauswirtschaft, die teils schwerbehindert sind und die wohl keinen Arbeitgeber finden werden. Männer aus der Haustechnik, die um die 60 sind und nur wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Sie werden noch in der Karwoche ihre Kündigungen erhalten, und dass etliche in Hartz VI landen, dazu bedarf es keiner prophetischen Gaben.

Was Wunder, dass die Stimmung auf der Betriebsversammlung der einer Trauerfeier glich. Resignation herrschte vor - und Wut auf den RKU-Geschäftsführer und Sana-Generalbevollmächtigten Dr. Uwe Gretscher.

Die Frage ist: Was hatten die Mitarbeiter von diesem Mann erwartet? Dass er einlenkt und von Ausgliederung und Kündigungen Abstand nimmt? Gretscher stellte während des vergangenen Jahres mehr als einmal unter Beweis, dass Anstand und Menschlichkeit im Berufsleben offenbar Begrifflichkeiten sind, mit denen er, vorsichtig gesagt, eher weniger anfangen kann.

Menschen mit Erwerbsminderung auszubilden und dann auch am RKU zu beschäftigen, war ein Markenzeichen der Klinik. Von Anfang an wurde dieser karitative Gedanke am RKU gelebt. Für Gretscher steht die Rendite im Vordergrund. Er habe, das betonte er mantraartig, einen Auftrag. Abwickeln und Ausgliedern - das ist sind sein Geschäft. Im Namen der Sana-Kliniken AG, die sich als "Toparbeitgeber in der Gesundheitsbranche" bezeichnet, und des Universitäts-Klinikums, das mit 50 Prozent am RKU beteiligt ist und sich in dieser Sache ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert hat.

"Sie werden sich wundern, wie viele Mitarbeiter wir unterbringen werden." So hatte der Klinikmanager noch im Oktober vollmundig getönt, als ihm der Betriebsrat rund 3500 Unterschriften Ulmer Bürger für den Erhalt der 75 Stellen übergab. Fakt ist: Die Mitarbeiter haben sich gewundert - und waren heftig erbost. Zum einen über geschmacklose Stellenangebote, die ihnen die RKU-Geschäftsleitung ins Haus schickte: als Pizzalieferant oder Leichenträger! Zum anderen darüber, wie Gretscher Mitarbeiter unter Druck gesetzt hat, beispielsweise die Haustechniker, die er in die Bettenzentrale versetzen ließ.

Sana-Mann Gretscher spielte auf Zeit und mit Menschen. Und dies in einer Klinik, die seit eh und je Millionenbeträge erwirtschaftet. Sprich: Es wurde und wird gut gearbeitet am RKU - nicht wegen, sondern trotz des Geschäftsführers Gretscher. Bei einem Fünftel der 75 Mitarbeiter ging seine Rechnung auf: Sie kündigten von sich aus, acht wurden übernommen.

Mag der eine oder andere mit dem Sozialplan auch unzufrieden sein - vor dem Hintergrund, wie dieser "Top-Arbeitgeber" mit ihnen umgesprungen ist, müssen die RKU-Mitarbeiter fast froh sein, dass dieses unwürdige Schauspiel ein Ende hat. Freilich, Gretscher zieht weiter, dorthin, wo sich die Sana eingekauft hat: nach Biberach, Laupheim und Riedlingen. Zum Abwickeln und Ausgliedern.

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Kommentare

11.03.2013 15:39 Uhr

Was verdient dieser unsägliche Geschäftsführer?

Herr Gretscher könnte ja sicher auch in der FDP Karriere machen (falls er nicht schon Mitglied ist).
Vielleicht eine passende "Anschlußverwendung" als Röslers Vize?

Wieder ein Beispiel für unmenschliche und rücksichtslose Wirtschaftspolitik und das noch in einem
Unternehemen, wo die öffentliche Hand beteiligt ist.

Wohin soll das noch führen?

Danke für den tollen Bericht, wenigstens funktioniert unsere freie Presse noch!

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09.03.2013 13:24 Uhr

Pizzalieferant

Was ist an einem Jobangebot als Pizzalieferant so schändlich?
Wenn ich die Wahl hätte für 6.50/H die Toiletten im RKU zu putzen unter einem Sklaventreiber Gretscher ,oder Pizza zu fahren......

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09.03.2013 09:50 Uhr

Rudi (Kübler) ist Toll!

Kompliment, der Artikel ist wieder gut!

Danke, Herr Kübler!

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09.03.2013 09:28 Uhr

Gute journalistische Arbeit. Danke.

Ich hoffe, verehrter Herr Kübler, sie bewahren sich das Engagement und die Courage, die sie die letzten Monate bewiesen haben, und sprechen auch weiterhin eine so deutliche Sprache wie hier in diesem Kommentar über das RKU; denn auch in der Ulmer Kommunalpolitik gibt es leider Personen, denen es an Überblick und Verantwortlichkeit mangelt und denen genauer auf die Finger geschaut werden sollte.

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