Sophia Ulrich war für drei Monate in Ruanda

Für drei Monate nach Ruanda. Die Mutter war gar nicht begeistert, der Freund hatte große Sorgen. Wie sieht es aus mit sozialer Sicherheit, Gesundheit und Hygiene?

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Sophia Ulrich war für drei Monate in Ruanda  Foto: 

Sophia Ulrich hat sich davon nicht schrecken lassen. „Ruanda ist gar nicht so gefährlich“, erklärt sie. Anfang des Jahres war die 27-Jährige für drei Monate in dem ostafrikanischen Land. Nicht für einen ausgedehnten Urlaub, sondern zum Arbeiten. Im normalen Leben berät Ulrich Sparkassen-Kunden bei der Existenzgründung. In Ruanda war sie bei der Stiftung der Sparkasse als Junior Consultant, eine Art Fachberater, tätig, um den Menschen dort Sparen beizubringen oder sie bei der Existenzgründung zu unterstützen.

Auf das Projekt aufmerksam wurde Ulrich im Herbst in der Mitarbeiterzeitung der Sparkasse. Dass es für sie letztendlich nach Ruanda gehen sollte und dann für drei Monate, war ihr damals noch nicht bewusst. Die Stiftung suchte allgemein Kurzzeit-Experten. „Ich habe mit vier bis sechs Wochen gerechnet“, sagt Ulrich. „Dafür hätte auch mein Jahresurlaub gereicht.“ Nach dem Bewerbungsgespräch im November 2014 ging dann alles recht schnell.

Am 16. Januar saß sie im Flieger nach Kigali, der ruandischen Hauptstadt. „Meine Kollegen haben mich am Flughafen begrüßt, mich angestrahlt und umarmt. Da habe ich mich gleich wohl gefühlt“, erzählt Ulrich. Untergebracht war sie in einer Wohngemeinschaft mit vier weiteren Kurzzeit-Expertinnen der Sparkassen-Stiftung mitten in der Millionen-Stadt Kigali. „Die Hauptstadt ist außerhalb des Business-Zentrums noch sehr ländlich geprägt“, erzählt Ulrich. Frauen mit mit Körben auf dem Kopf seien keine Seltenheit auf den Straßen. „Wir hatten in unserer Unterkunft zwar kaum Internet, aber einen Wasseranschluss. Das ist dort keine Selbstverständlichkeit.“ Mittags wurde im Büro gegessen, abends in der WG gekocht. Kochbananen, Tomaten und Mangos gehörten meistens dazu. „Und Avocados. Frisch geerntet vom Baum vor dem Büro.“

Sophia Ulrich arbeitete vor allem im Büro. Schon deshalb gehörten die Ausflüge zu Schulen im ganzen Land zu den Höhepunkten ihres Aufenthalts. „Die Kinder kennen deutsche Fußballer wie Müller oder Schweinsteiger.“ In vielen Bars kämen die Leute zusammen, um Bundesligaspiele zu sehen. Ihre Aufgabe war es den Kindern zu erklären, wie sie Geld für ihre Zukunft sparen, um dann ein eigenständiges Leben zu führen. „Eine Kuh oder ein Fahrrad. Das sind die Wünsche der Kinder in Ruanda.“ Wobei beides sinnvoll sei. „Mit einer Kuh kann man seine Familie versorgen.“ Mit einem Fahrrad könne der Junge eine Art Taxi-Dienst betreiben.

Zehn Tage war Ulrich im Nachbarland Burundi – um ein Assessment-Center für Mitarbeiter einer neuen Niederlassung der Stiftung zu planen. „Die beiden Länder sind sich in Sprache und Kultur sehr ähnlich“, berichtet Ulrich. Doch Burundi sei noch ärmer als Ruanda. „Da war der Aufenthalt in der Hauptstadt Bujumbura noch unkritisch“, erklärt sie. Bereits seit April sei es aber in dem ostafrikanischen Land problematisch und Burundi stehe kurz vor einem Bürgerkrieg. Auslöser sind Unruhen rund um die Wahl des Präsidenten Pierre Nkurunziza, der sich entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit wählen ließ.

Verständigt hat sich Ulrich meistens auf Englisch. „Die älteren Leute konnten auch Französisch.“ Das sei noch ein Überbleibsel aus der Zeit, als Ruanda eine belgische Kolonie war. „Die Kinder haben schon gestrahlt, wenn ich sie auf ruandisch mit ,Amakuru’ (Wie geht’s?) oder ,Muraho’ (Hallo) begrüßt habe.“ Ein Ausflug zu der Großmutter einer Kollegin in ein entlegenes Dorf beeindruckte die Ulmerin. „Sie lebt dort mit ihren über 90 Jahren alleine ohne Wasser- und Stromanschluss auf einem Bauernhof.“ Auch Trips zu den ruandischen Berggorillas und dem Kiwu-See gehörten zum Programm.

„Wir hatten in unserer Unterkunft kein Radio und keinen Fernseher. Schon deshalb kuckst du, dass du raus unter Leute kommst.“ Gefährlich sei es nicht gewesen. „Du kannst dich als Frau alleine draußen bewegen und dir die Stadt anschauen.“ Sie habe bei ihren Ausflügen auf Schmuck und schicke Kleidung verzichtet, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Durch die Haare und Hautfarbe fällst du sowieso schon auf.“ Egal wo sie in Ruanda war, die Menschen seien immer gutherzig und unvoreingenommen gewesen – und auch stolz. Nur ein Grund, warum sie sofort wieder nach Ostafrika fliegen würde.

In der Welt tätig

Sparkassen-Stiftung Die Stiftung ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Sparkassen-Finanzgruppe. Der 1992 gegründete Verein hat seinen Sitz in Bonn und verfügt über einen Jahresetat von zehn Millionen Euro. Derzeit ist die Stiftung in 31 Ländern hauptsächlich in Asien und Afrika aktiv. Das Büro in Ruanda besteht seit 2008, dort arbeiten acht Mitarbeiter. Die Arbeit der Stiftung besteht in der Professionalisierung des Mikrofinanzsektors, wozu die finanzielle Bildung, der Aufbau eines Berufsbildungszentrums und die Stärkung der Kleinbanken vor Ort gehört.

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