Sommerbühne am Blautopf: Wahn in der großen und kleinen Welt

Götz Frittrang ist ein junger, noch weniger bekannter Kabarettist vom Bodensee. Auf der Sommerbühne plauderte und schimpfte er abwechselnd.

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Am vorletzten Abend der diesjährigen Spielzeit auf der Sommerbühne am Blautopf standen die Vorzeichen auf feuchtes Wetter. Da nicht ganz so viele Zuschauer zu erwarten waren, wurde statt der Tribüne die überdachte Bühne für die Zuschauer bestuhlt. Dort oben war es dann mit etwa 180 Besuchern überraschend kuschelig eng. Das kam Götz Frittrang durchaus zugute. Der Kabarettist aus Friedrichshafen ist noch keine vierzig Jahre alt und blickt schon auf eine Vielzahl prominenter Auszeichnungen.

Sein Programm "Wahnvorstellung" begann in der Heimat am Bodensee, der Karibik Deutschlands. Frittrang zog von dort nach Oldenburg, dessen ständiger Regen Obst, Gemüse und Gesichter vermoosen lässt, bevor er über das schwäbisch unterwanderte Berlin in Bamberg landete und die Region mit dem anmutigen Auenland bei Tolkiens "Herr der Ringe" verglich, wo die Franken wie Hobbits umhertapsen, deren Sprache sich am besten imitieren lässt, wenn man sich die Zunge ganz oder teilweise betäubt. Doch am Schönsten ist es eben daheim im tropischen Klima.

Aus der harmlosen Plauderei entspann der Großgewachsene im schwarzen Anzug immer wieder urplötzlich Gedanken, die durchaus vertraut schienen, doch so noch nicht gedacht worden sind: Warum nicht Raketen zur Bekämpfung von Taliban und IS verwenden? Auch Terroristen seien ja Naschkatzen.

Immer wieder folgten Szenarien, in denen der große Bub mit der Mutter zum Hosenkauf muss. Da Söhne wohl vor Erreichen von 67 Jahren nicht erwachsen werden, halte dieses Martyrium an. Um dem zu entgehen, könnte er höchstens zum Mörder werden, eingesperrt endlich fern der Mutter leben. Oder durch schwäbisch-fettiges Essen zu dick werden. . .

So plauderte Frittrang mal locker flockig, um dann wieder wie ein Berserker loszuschimpfen. Der Hass auf Katzen, die Kinskis des Tierreichs und Todfeinde der Menschen, wurde dabei ebenso thematisiert wie das lästige Haustür-Klingeln der Zeugen Jehovas. Da war es auch nicht verwunderlich, dass er erst nach 165 Minuten und einer Zugabe die Bühne verlassen durfte.

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