Sicherheit: Sonderkommission jagt Einbrecher

Die Polizei beiderseits der Donau verstärkt ihren Kampf gegen Wohnungseinbrüche. Das Präsidium in Kempten hat jetzt eine Sonderkommission dauerhaft eingerichtet.

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Im Landkreis Neu-Ulm ist die Zahl der Wohnungseinbrüche angestiegen.  Foto: 

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit rechnet die Polizei wieder mit steigenden Zahlen bei den Wohnungseinbrüchen. Etwa zwei Drittel aller Taten werden in den Wintermonaten begangen, wenn es früh dunkel wird und sich die Einbrecher sicherer fühlen. Das auch für Neu-Ulm zuständige Polizeipräsidium Schwaben/Südwest in Kempten hat jetzt deshalb eine Sonderkommission (Soko) eingesetzt, die sich ausschließlich der Bekämpfung und Aufklärung von Wohnungseinbrüchen widmen soll.

Anders als in Ulm, wo es eine solche Einheit schon seit 2014 gibt, steigen die Fallzahlen im Präsidiumsbereich Kempten und vor allem auch in der Stadt und dem Landkreis Neu-Ulm an. Die Tatorte liegen hauptsächlich entlang der Autobahnen 7 und 8.  Insgesamt ist die Zahl der Einbrüche auf bayerischer Seite von 292 im Jahr 2012 auf 503 im vergangenen Jahr gestiegen.

„Die Zahl 500 akzeptieren wir nicht“, sagte Polizeipräsident Werner Strößner bei der Vorstellung des neuen Sicherheitskonzepts in Memmingen. Wohnungseinbrüche richteten nicht nur teilweise hohen finanziellen Schaden an. Die Verletzung der Privatsphäre ziehe oft eine starke psychische Verunsicherung bei den Bewohnern nach sich, weshalb es sich um ein Delikt von allerhöchster Relevanz handele.

Leiter der 25-köpfigen Sonderkommission, die in Neu-Ulm, Memmingen und Kempten angesiedelt wird, ist Kriminaldirektor Michael Keck, der am Standort Neu-Ulm obendrein auch Leiter der Kriminalpolizei mit zentralen Aufgaben (KPI-Z) ist. „Unser Ziel ist ganz klar die Reduzierung der Einbruchszahlen“, sagte Keck. Die Sonderkommission soll sich aus Beamten der Kriminal- und der Schutzpolizei zusammensetzen, die von allen sonstigen Aufgaben befreit sind und sich ausschließlich um die Aufarbeitung der Einbrüche kümmern.

Im Kern soll es nicht nur um die Aufklärung gehen, sondern durch ausgiebige Strukturermittlungen auch um die Verhinderung solcher Straftaten. Keck und Strößner rufen deshalb die Bevölkerung auf, auch kleinste Beobachtungen zu melden, weil alles zusammen ein großes Bild ergebe, das helfen könne, mehr über die Täter, deren bevorzugte Ziele und ihre Vorgehensweisen zu erfahren. Hauptziel seien mit 62 Prozent Einfamilienhäuser, wie der Präsident sagte.

Auch auf Ulmer Seite unternimmt die Polizei seit Jahren große Anstrengungen, um die Zahl der Wohnungseinbrüche zu begrenzen. Seit der Umsetzung der Polizeireform in Baden-Württemberg zum Jahresbeginn 2014 gibt es eine solche dauerhafte Sonderkommission. Zudem hat es in den vergangenen Jahren immer wieder grenzüberschreitend Ermittlungsgruppen  gegeben, die beispielsweise in zwei getrennten Verfahren fünf Verdächtige ermitteln und etwa 130 Aufbrüche aufklären konnten.

Im Unterschied zur bayerischen Seite sind die Zahlen in Ulm und im Alb-Donau-Kreis allerdings rückläufig. Ein Trend, der sich in diesem Jahr offenbar fortsetzt, wie Polizeisprecher Rudi Bauer sagte, ohne konkrete Zahlen zu nennen. „Wir haben das Thema dennoch immer auf der Tagesordnung.“

Statistik Im Landkreis Neu-Ulm steigen die Zahlen bei Wohnungseinbrüchen seit 2012 konstant an von damals 50 auf 87 im vergangenen Jahr. Allein im Stadtkreis Neu-Ulm wurden in den zurückliegenden Jahren im Schnitt zwischen 20 und 25 Wohnungen pro Jahr aufgebrochen. In Ulm liegen die Zahlen deutlich höher, sind aber rückläufig. Im Stadtkreis verringerte sich die Zahl von 2015 auf 2016 von 227 auf 140. Im Alb-Donau-Kreis sank die Zahl im selben Zeitraum  von 247 auf 198. Ganz wichtig ist nach den Worten des Ulmer Polizeisprechers Rudi Bauer eine gute Sicherheitstechnik an Häusern und Wohnungen, eine aufmerksame Nachbarschaft und die tätige Mithilfe der Bevölkerung. Bauer: „Das ist das A und O.“

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