Söflinger Metzgerei Hörmann hört auf

Eine feste, traditionsreiche Größe im Lebensmittel-Handwerk der Stadt UIm hört auf: Die Metzgerei Hörmann in Söflingen übergibt im Juli an Kleiber.

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Die Metzgerei Hörmann in Söflingen schließt schon nächsten Monat und übergibt an Kleiber.  Foto: 

Das ist zweifellos ein Einschnitt in Söflingen: Die Metzgerei Hörmann hört nach 66 Jahren auf. Firmenchef Raimund Hörmann (59) verpachtet das Geschäft in der Söflinger Straße an die Memminger Metzgerei Kleiber: „Am 23. Juli ist der letzte Verkaufstag.“ Kleiber baut den Laden im August vollständig um und eröffnet anschließend unter eigenem Namen an der Stelle neu. Für die Metzgerei, die sich bereits am nördlichen Münsterplatz einen guten Namen gemacht hat, ist es die zweite Filiale in Ulm. Hörmann verfügt seit 1957 auch über ein zweites Geschäft am Eselsberg, das schon Anfang Juli schließt. Die Metzgerei beschäftigt 16 Mitarbeiter.

Hörmann hat bereits sechs Kündigungen ausgesprochen. Davon sind in erster Linie Metzger in der Produktion betroffen, weil Kleiber auf Fleischprodukte aus eigener, zentraler Herstellung setzt. Aus Sicht Hörmanns können die Metzger jedoch problemlos einen neuen Job in der Branche finden.

Andererseits übernimmt Kleiber das Verkaufspersonal, das nach Hörmanns Worten zunehmend schwer zu finden ist. Der Personalmangel und verstärkte eigene Einsatz im Betrieb war nach seinen Worten einer der Gründe für die Betriebsaufgabe. Weil sein Arbeitstag von halbfünf morgens bis halbacht abends gehe, habe er sich zuletzt das Ziel gesetzt, mit 60 aufzuhören. Er hatte das Geschäft von seinem Vater damals im Jahr 1986 übernommen.

Der längerfristig angelegte Deal mit Kleiber war aus Sicht Hörmanns die ideale Gelegenheit, eine Nachfolgelösung für das Traditionsgeschäft zu finden – zumal seine zwei Kinder nicht einsteigen wollten. Hörmann beklagt selber den zunehmenden bürokratischen Aufwand für Metzger und übertriebene Lebensmittelkontrollen, die eigentlich für die Industrie gedacht waren und nun zunehmend auf das Handwerk ausgeweitet würden. Früher habe man einfach eine neue Wurstsorte entwickeln und in den Verkauf bringen können. Das sei heute kaum möglich: „Die Kreativität wird gekappt.“

Dazu komme der verschärfte Engpass beim Personal. Er sei angesichts dessen überzeugt, dass Beschäftigte im Handwerk bald so viel verdienen wie Ingenieure. Die ganze Lage führe dazu, dass Interessenten für eine Betriebsübernahme rar seien: „Da stehen nicht etwa zehn Schlange.“ Bei Kleiber passten eben auch die Qualitätsstandards. Der Kontakt sei erst dieses Jahr entstanden.

Hörmanns Ausstieg aus dem Beruf führt auch dazu, dass er als Organisator des Saumarkts künftig nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Die 40. Auflage am vergangenen Wochenende bildete den Schlusspunkt: „Das war mein letzter Saumarkt.“ Hörmann hofft, dass 10.000 Euro für das Münster zusammenkommen.

Er zieht sich auch aus dem von ihm mitgegründeten regionalen Biofleisch-Verbund Ulmer Land zurück, über dessen Zukunft die angeschlossenen Betriebe in Kürze noch sprechen wollten.  Als Obermeister der Metzgerinnung hatte Hörmann sich nach elf Jahren in dieser Position schon zurückgezogen.

Der passionierte Ruderer und Olympiasieger im Doppelvierer von 1984 will in Zukunft wieder mehr Sport treiben. Er habe die letzten fünf Jahre praktisch durchgearbeitet, während der Sommersaison keinerlei Sport mehr gemacht und brauche nun dringend eine Auszeit.

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