Söflinger Ferienheim feiert 70-jähriges Bestehen

Pfarrer Eugen Rohrer hatte 1947 das Ferienheim in Söflingen initiiert. Bis heute erfreut es sich großer Beliebtheit. Jetzt wurde das 70-jährige Bestehen gefeiert.

|
Viele der Kinder, die heute im Söflinger Ferienheim betreut werden, werden später selber Betreuer.  Foto: 

Das katholische Ferienheim der Mariä-Himmelfahrt-Kirche ist so populär, dass Eltern, die als Kinder dort gewesen sind, ihre Kinder wieder dorthin geben – es ist eine Art Generationenvertrag. Der ehemalige Söflinger Stadtpfarrer Eugen Rohrer hatte 1947 das Ferienheim an der Harthauser Straße initiiert, am vergangenen Wochenende wurde die 70. Auflage gefeiert.

Bei der Premiere waren die Vorzeichen anders: Roher wollte kriegstraumatisierten Kindern eine unbeschwerte und schöne Zeit ermöglichen. Heute verbringen die Enkel und sogar Urenkel der ersten Ferienkinder-Generation einen Teil der Ferien in der Söflinger Zeltstadt. Die Freizeit dauert zwei Wochen. Die Kinder sind in Gruppen aufgeteilt, jede Gruppe hat zwei bis drei Betreuer. Diese wiederum sind selbst fast noch Kinder, eben ehemalige Ferienkinder. Das Angebot richtet sich an 7- bis 14-Jährige, Und wer 15 Jahre alt ist, kann eine Betreuerausbildung absolvieren und selbst eine Gruppe übernehmen.

Die 17-jährige Nina Franz hat viel Freude mit „ihren“ Kindern. „Ich habe eine Gruppe mit Neunjährigen. Die Mädchen wollen eher basteln, die Jungs Fußball spielen.“ Die Gymnasiastin opfert gerne zwei Wochen ihrer Ferien für die Kinder. „Ich mag Kinder, bin auch Babysitterin.“ Lukas Schimmel (17) ist Auszubildender und nimmt extra Urlaub. „Wir waren als Kinder hier, und nun geht unsere Kindheit quasi ein bisschen weiter.“

Drei Mahlzeiten für 230 Personen

Einige Ehemalige betreuen auch die Küche. Das machen seit 21 Jahren Barbara Ilg und Margit Hübler, natürlich ehrenamtlich. „Ich liebe das Kochen, war selbst Ferienkind und Betreuerin“, sagt die 64-jährige Margit Hübler. Barbara Ilg kocht ebenfalls, aber sie organisiert die Arbeiten und besorgt die Zutaten. Drei Mahlzeiten für 230 kleine und große Leute muss sie zusammen mit bis zu neun Helferinnen zubereiten. Die Kinder bekommen ein zweites Frühstück, Mittag- und Abendessen. Denn sie sind von 8.30 bis 17 Uhr da. „Schnitzel lieben die Kinder am meisten, aber auch Nudeln und Kartoffeln. Wir haben täglich Salat oder Gemüse.“

In den zwei Ferienwochen steht Ilg von 8.30 bis 18.30 Uhr in der Küche. Sie selbst war ebenfalls Betreuerin, bevor sie in die Küche wechselte. Es macht ihr Spaß, mit den anderen Frauen zu kochen und zu sehen, wie die Kinder dann richtig zuschlagen.  „Nach den zwei Wochen lege ich mich erstmal zwei Tage ins Bett“ erzählt die 66-Jährige.

Was gefällt den Teilnehmern am besten? Gabriel und Isabelle überlegten nicht lange: das erstens das leckere Essen. Aber auch noch mehr: „Hier ist viel los und es ist besser, als in den Ferien langweilig auf dem Sofa zu sitzen“, meint der zwölfjährige Gabriel. „Die  Ausflüge sind toll, und ich habe den ganzen Tag Spaß mit meinen Freundinnen“, erzählt Isabelle.

Die katholische Freizeit ist unabhängig von der Konfession für alle Söflinger Kinder offen. „Wenn wir uns nicht auf Söflingen beschränken würden, könnten wir die Flut der Anfragen nicht bewältigen“, sagt Wolfgang Ilg. Er organisiert das Ferienheim und ist zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Dieses Jahr musste er erstmals die Plätze auslosen, weil er nicht alle Anmeldungen berücksichtigen konnte. 190 Kinder besuchen derzeit das Ferienheim. Sie werden von 40 ehrenamtlichen Helfern betreut. Und weil nur Kinder aus dem Stadtteil zugelassen sind, treffen sich oft halbe Grundschulklassen in der Freizeit wieder.

Eltern und Helfer kennen sich auch, weil sie oftmals selbst schon dabei gewesen sind und nun die eigenen Kinder oder Enkel hinschicken. Eben familiär, eben eine große Ferienfamilie.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drei Millionen Euro für neue SSV-Duschen

Nach heftiger Debatte über die Sporförderung hat der Rat die Sanierung des Baus an der Gänswiese einstimmig durchgewunken. weiter lesen