Professor der Uni Ulm: Smartphone lenkt von Arbeit ab

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Bei der Arbeit nebenbei einen Facebook-Kommentar absetzen, abends auf der Couch noch schnell E-Mails checken und sich morgens vom Smartphone mit dem aktuellen Wetter wecken lassen. Das Mobiltelefon ist immer und überall dabei und hat unser Leben grundlegend verändert. Welche Auswirkungen die Smartphone-Nutzung auf die gesamte Produktivität während eines Arbeitstages hat, hat nun der Psychologe Prof. Christian Montag von der Uni Ulm untersucht. Das Ergebnis: Es besteht ein Zusammenhang zwischen häufiger Ablenkung durch das Smartphone und einer verminderten Produktivität und Effizienz bei der Arbeit. Das teilt die Uni Ulm mit.

Prof. Montag, Leiter der Abteilung Molekulare Psychologie des Instituts für Psychologie und Pädagogik, hat zusammen mit Éilish Duke von der University of London die Smartphone-Nutzung von 262 Studienteilnehmern, darunter 168 Frauen und 94 Männer, untersucht. Die Auswahl-Kriterien für die Befragten waren: erwerbstätig und Besitzer eines Smartphones. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei „abhängigkeitsgefährdeten“ Studienteilnehmern auch negative Auswirkungen auf die gesamte Tagesleistung nachzuweisen waren. „Wie erwartet haben wir festgestellt, dass Personen, die eine höhere Affinität zur Smartphone-Übernutzung berichten, weniger produktiv sind“, beschreibt Montag den Zusammenhang.

19 Stunden pro Woche

Dass das Smartphone auch in der Freizeit intensiv genutzt wird, konnte die Studie ebenfalls nachweisen. Rund 13 Stunden in der Woche, so die Befragten, würden sie das Smartphone für Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel für Spiele, nutzen. Die Wissenschaftler gehen aber von einer weitaus höheren Nutzungsdauer aus. Rund 160 Minuten Handy-Nutzung am Tag summieren sich nach dieser Untersuchung auf rund 19 Stunden wöchentlich.

Warum aber nun wenden sich Menschen während der Arbeit so oft ihrem Smartphone zu und nehmen mangelnde Konzentration und damit eine niedrige Produktivität in Kauf? Die Untersuchung legt nahe, dass Nutzer nicht nur zum Smartphone greifen, wenn sie sich unwohl fühlen oder sich nicht in der Lage sehen, effizient zu arbeiten. Sondern sie versuchen so auch möglicherweise Stress und Überforderung zu kompensieren. „In diese Richtung sind weitere Untersuchungen nötig. Erst dann können wir sagen, warum der Mensch überhaupt zum Smartphone greift – sei es, ob er via WhatsApp Unterstützung von Freunden sucht oder mit Videos und Spielen komplett der Realität entfliehen möchte“, schlussfolgert Montag.

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29.08.2017 17:43 Uhr

Ausgehebelte Mechanismen der Leistungsbegrenzung und ihre verheerenden Folgen

Insofern in menschllicher Arbeitskraft eine Naturkraft ihren Ausdruck findet (MEW 19: 15), sind vor allem diejenigen Praktiken Dritter in den Blick zu nehmen, welche dem Einzelnen die Arbeitsleistung unmöglich machen und ihm dadurch einen zunehmend eskalierenden Stress bereiten sowie ihm das Gefühl der Überforderung bis ins Unerträgliche hinein steigern. Hielten jene Zeitgenossen in solch vorsätzlich verübtem Unfug inne, nähme die Nutzung des Smartphones überproprotional ab, weil es keiner Kompensation der infolge dessen eintretenden Lebensnot (Freud, 1926: 524) mehr bedarf. Wissenschaftlich inkriminiert sind somit sämtliche Formen der Rationalisierung menschlicher Arbeit, bei denen "der Arbeitsprozeß ... zum Gegenstand systematischer Untersuchungstätigkeit mit dem Ziel (wird), die Mechanismen der Leistungsbegrenzung im Arbeitsvollzug zu erkennen und auszuschalten" (Kern, 1979: 231), weil auf diese paradoxe Weise nur fiktiv die Profitabilität des eingesetzten Kapitals sich erhöht, realiter aber dramatisch abnimmt und rasch gegen Null tendiert. Zu hinterfragen wäre demnach das Selbstverständnis einer so bezeichneten Forschung, die offenkundig nichts unversucht lässt, den wirtschaftlichen Erfolg zu vereiteln. Letztlich erfährt der globale Wettbewerb in der Konsequenz eine Verfälschung, die nicht zuletzt auf die Belegschaften der hiesig ansässigen Industriebetriebe als dem Herzen der Ökonomie eine immens zerstörerische Wirkung entfaltet und sie an Leib und Leben existenziell gefährdet. Offen daher, weshalb nicht schon längst die für Offizialdelikte ausschließlich zuständigen Staatsanwaltschaften für die ohnehin vom Souverän gebotene Aufklärung sorgen.

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