Simon Palaoro korrigiert historisches Vorurteil über die Reichsstadt Ulm

Verkrustet und unfähig zur Reform: So sah die Geschichtsschreibung bislang die Reichsstadt Ulm kurz vor ihrem Ende. Simon Palaoro sieht sie anders.

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Simon Palaoro hat das schlechte Image der Reichsstadt korrigiert.  Foto: 

Es waren eben keine verknöcherten Spießer, die um 1800 die Reichsstädte bewohnten, sondern Bürger, die - hoch aktuell - um Bürgerbeteiligung kämpften. Das ist eines der Ergebnisse, zu dem der Historiker Simon Palaoro in seiner Doktorarbeit kommt, die jetzt in Buchform vorliegt und im Haus der Stadtgeschichte von Oberbürgermeister Ivo Gönner und Stadtarchiv-Chef Michael Wettengel der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Palaoro geht es um die Frage, wie die Ulmer Bürger das Ende ihrer Reichsstadt 1802, den damaligen Übergang nach Bayern und einige Jahre später ins Königreich Württemberg bewältigten. Haben sie sich in die neuen Staaten integriert? Oder sind sie im Herzen und im Hirn Reichsstädter geblieben? Bruch oder Kontinuität?

Auf der Suche nach der Antwort demontiert Palaoro das Bild der verkrusteten Reichsstadt. Zwar war das patrizisch dominierte Stadtregiment tatsächlich in einer Kruste erstarrt. Darunter aber brodelte eine höchst aufgeweckte Bürgerschaft, die in zwei langwierigen Prozessen vor dem höchsten Gericht des alten Kaiserreichs um mehr Bürgerbeteiligung kämpfte. Ihr Ziel war letztlich eine durchaus denkbare Änderung der reichsstädtischen Verfassung.

Doch bevor es so weit kam, fiel Ulm unter bayerische Herrschaft. Auch wenn das viele begrüßten: Die republikanische Verantwortung für die eigene Stadt war ihnen wichtiger als die Integration ins Kurfürstentum Bayern. Ihr kontinuierliches Streben nach mehr Bürgerbeteiligung kam schließlich im Königreich Württemberg zum Zuge - allerdings auch dort erst nach mehrjährigem Verfassungskampf.

Info
Simon Palaoro: Städtischer Republikanismus, Gemeinwohl und Bürgertugend. Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Band 33. 360 Seiten, 36 Euro.

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