Siegfried Weishaupt: Das Ulmer Kulturleben befeuert

Von seiner Wohnung in Laupheim aus blicke er auf seine "Heimatlandschaft", sagte Siegfried Weishaupt einmal: auf Schwendi, wo er aufgewachsen ist und wo seine Firmenzentrale steht. Auf den Bussen, den heiligen Berg Oberschwabens - und auf den Turm des Ulmer Münsters.

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Weder ehrgeiziger Entdecker noch Kunstspekulant: Siegfried Weishaupt.  Foto: 

Wenn der Mensch und Unternehmer diese Kirchturmspitze sieht, weiß auch der Sammler, wo er heimatlich verortet ist: Unweit des Münsters baute er seine 2007 eröffnete Kunsthalle Weishaupt.

Es gibt den "Schraubenkönig" Würth oder den "Brennerkönig" Weishaupt, man krönt auch gerne in bürgerlichen Gesellschaften. Aber diese Männer haben sich ihren Erfolg hart erarbeitet. Ihre Leidenschaft für die schönen Künste, ihr großzügiges Mäzenatentum erinnert an barock-aristokratische Zeiten, nur dass diese Firmenchefs ihr Geld dafür verdienen müssen.

Siegfried Weishaupt, 1939 geboren, tritt ja eher zurückhaltend auf, im Medienrummel, gar im Jetset sonnt er sich nicht. Er gehört zu den Mäzenen, die viele Kulturmacher auch mit kleinen Beträgen unterstützen und nicht gleich mit ihrem Namen als Sponsor laut plakatiert werden wollen. Aber die Kunsthalle Weishaupt, der moderne Museums-Riegel in der Neuen Mitte, sie ist natürlich das unübersehbare Zeichen privaten Engagements eines Unternehmers, dessen Firma für Heiz- und Brennsysteme weltweit rund 3000 Menschen beschäftigt und weit mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz macht.

Die Heizungsanlagen von Weishaupt finden sich auf Schloss Neuschwanstein, in der Sixtinischen Kapelle oder im Frankfurter EZB-Hochhaus. Und in Ulm befeuert Weishaupt das Kulturleben. Rund zehn Millionen Euro ließ sich der Sammler seine Kunsthalle kosten, die Ulmer stellten dafür das Grundstück zur Verfügung. Nach 66 Jahren, im Jahre 2073 (!), geht das Gebäude - aber nicht die Kunst - laut Vertrag dann in den Besitz der Stadt über. Einstweilen bezahlt sie für dieses Geschenk den Unterhalt. "Ein Glücksfall für Ulm", gratulierte Oberbürgermeister Ivo Gönner sich und den Bürgern damals auch deshalb, weil die Kunsthalle ein "qualitätsvoller städtebaulicher Abschluss des neu belebten Zentrums" von Ulm sei. Der renommierte Architekturkritiker Dieter Bartezko lobte den noblen Charme des Bauwerks, die gelungene "Balance aus Wucht und Anmut".

Dass Siegfried Weishaupt Ulm als Standort für seine Kunsthalle auswählte, hat sicher viele Gründe - zum Beispiel hat er es mit seiner Frau Jutta nicht weit von zu Hause, um die in seiner gewissermaßen riesenwohnzimmermäßigen privaten Kunsthalle ausgestellten Sammlungsstücke zu genießen und seine Tochter Kathrin, die Direktorin, zu besuchen. Aber die Initialzündung für Siegfried Weishaupts Liebe zur Kunst und damit für den Aufbau der Sammlung war die Ulmer Hochschule für Gestaltung.

Schon sein Vater hatte zu Beginn der 60er Jahre Kontakt zur HfG aufgenommen, der Designer Hans Sukopp kam nach Schwendi und krempelte in der Firma alles um: vom Produktdesign bis zur Büroeinrichtung. Der Grafiker Josef Müller-Brockmann entwarf das bis heute gültige Firmenlogo. Das Bauhaus zog auch privat bei den Weishaupts ein. Der Blick öffnete sich für die Arbeiten von HfG-Gründungsrektor Max Bill oder von Josef Albers. Und das erste Gemälde, das Siegfried Weishaupt kaufte, war eines von Richard Paul Lohse mit dem Namen "Acht Farbgruppen mit horizontalem Zentrum", dem ein Rastersystem zugrunde liegt mit dem Grundmodul Quadrat . . . Das Konstruktive und das Geometrische - die konstruktive Kunst hat Weishaupt, den Ingenieur für Wärmetechnik, begeistert.

Dann kamen die Farben der Pop-Art dazu - am liebsten im Großformat. Andy Warhol, Keith Haring saßen auch mal mit am Tisch bei den Weishaupts, der Galerist Hans Mayer öffnete dem Sammler viele Türen - nicht zuletzt zu Richard Longos Atelier in New York. Aber Weishaupt sammelt aus dem Bauch heraus: "Wenn ich etwas Schönes sehe, kaufe ich es." Er ist weder ehrgeiziger Entdecker noch Kunstspekulant. Er erfreut sich an wirklich Bedeutendem: etwa an seinem herrlichen Mark Rothko. "Ihre Sammlung, das sind Sie!", sagte Hans Mayer einmal über seinen guten, authentischen Kunden Weishaupt.

"Leben mit Kunst" hieß eine Ausstellung in der Kunsthalle über das Sammlerehepaar. Schön aber, dass es nicht nur ein Privatleben mit der Kunst ist, sondern ein öffentlich bewunderbares. Den "Freund, Kenner und Förderer der Kunst und Kultur, der Ulm mit dem Bau der Kunsthalle Weishaupt städtebaulich bereichert hat, der durch die Ausstellungen seiner Kunst einen wertvollen kulturellen Beitrag für unsere Stadtgesellschaft leistet", hat Oberbürgermeister Ivo Gönner am Schwörmontag nun mit der Bürgermedaille der Stadt Ulm ausgezeichnet.

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