Sendener Polizei präsentiert Kriminalstatistik

2012 ist die Zahl der Straftaten in Senden gestiegen, die Aufklärungsquote aber auch. Das geht aus der gestern vorgestellten Kriminalstatistik hervor. Sorgen bereitet die zunehmende Gewalt gegen Polizisten.

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Polizisten leben gefährlich. Das haben Beamte der Polizeistation Senden im vergangenen Jahr erleben müssen. Im Mai attackierte eine verwirrte ältere Dame zwei Einsatzkräfte mit kochend heißem Wasser. Die Polizisten erlitten Verbrennungen. Anfang August waren Sendener Beamte dabei, als ein Mann in einer ebenso spektakulären wie gefährlichen Aktion aus der Iller in Ay gerettet wurde. Im Oktober trat ein 19-Jähriger in einer Sendener Diskothek einer Polizistin in den Unterleib, so dass diese einige Zeit lang dienstunfähig war.

„Die Zurückhaltung gegenüber Polizisten geht gen Null“, sagt Günter Gillich, Chef der Polizei in Senden. Gestern hat er die Kriminalstatistik für den Bereich seiner Station veröffentlicht. Die zunehmende Gewalt gegenüber den Kollegen bereitet Gillich Sorgen – und lässt sich mit Zahlen belegen. 2012 wurde 14 Fälle registriert, ein Jahr zuvor waren es nur neun.

Dennoch sei Senden „eine sichere Stadt“. Trotz der gestiegenen Zahl der Straftaten. Schließlich sei die Polizei in Senden gemessen an der Größe ihres städtisch geprägten Schutzgebiets stark belastet – vor allem im Vergleich zu den eher ländlichen Bereichen im Kreis Neu-Ulm oder anderen Landkreisen. „Was die Belastung betrifft, liegen wir etwa auf dem Niveau von größeren Städten wir Neu-Ulm, Memmingen oder Kaufbeuren“, betont Gillich.

Eine große Rolle bei dieser Bewertung spiele die Lage Sendens im direkten Einflussbereich des Oberzentrums Ulm/Neu-Ulm. Infrastruktur, Verkehrsverbindungen, Angebote und Lebensqualität seien top in Senden. „Das ist gut für unsere Bürger“, sagt der Stationsleiter. „Allerdings nutzen das Kriminelle gerne aus, zumal sie hier schnelle An- und Abfahrtswege vorfinden.“

Die wichtigsten Punkte:

Straftaten: Tendenz steigend. Rund 1200 Fälle sind im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Station registriert worden– etwa 100 mehr als 2011. Zum Vergleich: Im Landkreis Neu-Ulm ist die Zahl um 350 auf 8300 gestiegen.

Aufklärungsquote: Die Aufklärungsquote kann sich sehen lassen, sagt der Sendener Polizeichef. „Das ist sehr erfreulich für uns.“ 64,1 Prozent aller Fälle wurden aufgeklärt, das entspricht einem Anstieg von gut drei Prozent.

Schlägereien: Jede Woche eine Schlägerei. Die Vorkommnisse in den Diskotheken der Stadt bleiben ein Dauerbrenner. Es gebe kaum ein Wochenende, an dem die Polizei nicht einschreiten muss, weil sich Partygäste in die Haare bekommen haben, die Läden aufmischen, sich auf dem Parkplatz prügeln.

So kann es auf Dauer nicht weitergehen, sagt Günter Gillich und spricht sich für die Verlängerung der Sperrzeiten aus – auch wenn er weiß, dass dies ein heikles Thema ist. „Eine andere Lösung sehe ich aber nicht.“ In Kürze soll es einen Runden Tisch geben. Gillich setzt auf die Unterstützung anderer Behörden. Vertreter von Stadt, Landkreis und Polizei wollen über die Sicherheit beraten und dabei auch über das Thema Öffnungszeiten sprechen.

Einflussfaktor Alkohol: Ist auch in Senden hoch. „Das ist ein großes Problem“, betont der Polizeichef. Jede zweite Gewalttat gehe auf das Konto Betrunkener. Alkohol enthemme, fördere Gewaltausbrüche, auch gegenüber Polizisten.

Einbrüche: Kommen in der Stadt relativ selten vor, haben aber böse Folgen für die Betroffenen, die anschließend unter Ängsten litten. Vier Wohnungseinbrüche hat es 2012 in Senden gegeben, so viel wie im Jahr zuvor. Die Beute war zwar zumeist gering. Das Sicherheitsgefühl der Opfer habe in diesen Fällen aber Schaden genommen. Die Aufklärung der Taten gestalte sich schwierig. „Weil wir es oft mit reisenden Banden zu tun haben, die schnell wieder verschwinden.“

Häusliche Gewalt: Opfer sind in aller Regel Frauen. Die Zahl der Anzeigen steigt in Senden seit Jahren. Wurden vor 2002 noch 17 gezählt, waren es 2012 bereits 50 Anzeigen. 2011 waren es 40. „Es trauen sich inzwischen immer mehr Frauen, sich bei der Polizei zu melden. Ein gutes Zeichen“, sagt Gillich. Die Polizei könne die Frauen schützen, Kontaktverbote aussprechen, Betroffene gegebenenfalls in Frauenhäusern unterbringen.

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Kommentare

07.03.2013 17:39 Uhr

Statistiken

In wievielen Beiträgen wird noch erwähnt, wie die Gewalt gegen Polizisten zunimmt? Wann wird endlich auch mal eine Statistik veröffentlicht, wie Polizisten vorgehen, ohne sich um Gesetze zu kümmern? Leider habe ich das selbst erlebt.

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